Impuls von Stefan Buß: Das Sakrament der Versöhnung – die Chance eines Neuanfangs
Samstag, 17.01.2026
von STEFAN BUß
FULDA / MKK - Für unsere Erstkommunionkinder der Stadtpfarrei Fulda ist heute ein ganz besonderer Tag. Sie empfangen vor der Erstkommunion im April das Sakramente der Versöhnung – die Beichte. Dazu sind sie in das Thomas-Morus- Haus in Hilders gefahren.
Eigentlich geht es um etwas, das wir alle gut kennen — auch wenn wir es vielleicht unterschiedlich nennen: neu anfangen dürfen.
Wir kennen das alle, oder? Es wird ein Spiel gespielt — und plötzlich macht jemand einen Fehler. Vielleicht man selbst. Das Spiel ist kaputt. Einer ist traurig, einer ärgerlich, vielleicht wird gestritten. Und dann sagt jemand: „Lass uns noch mal von vorne anfangen.“ Das ist ein wunderbarer Satz: „Wir fangen neu an.“ Und genau darum geht es beim Sakrament der Beichte.
Kein Mensch ist perfekt. Jede und jeder von uns macht Fehler.
Manchmal sagen wir etwas Gemeines. Manchmal hören wir nicht zu. Manchmal sind wir egoistisch, neidisch oder unfair. Das passiert — und Gott weiß das. Er ist davon nicht überrascht. Gott erwartet keine perfekten Menschen. Er wünscht sich aber ehrliche Herzen.
Jesus erzählt einmal eine Geschichte von einem Vater und seinem Sohn. Die Kinder werden sich diese Geschichte heute auch erschließen. Der Sohn macht viele Fehler, läuft weg, verschwendet alles — und als er zurückkommt, hat er Angst. Doch was macht der Vater? Er schimpft nicht. Er sagt nicht: „Jetzt bist du unten durch.“ Er läuft seinem Sohn entgegen und umarmt ihn. So ist Gott. Gott ist kein Polizist, der Fehler aufschreibt. Gott ist ein Vater, der wartet und sagt: „Schön, dass du wieder da bist.“
Hier setzt das Sakrament der Beichte an. Die Beichte ist kein Verhör. Sie ist kein Strafgericht. Sie ist kein Ort der Angst. Die Beichte ist ein Gespräch der Heilung und des Neubeginns. Ein Ort, wo wir sagen dürfen: „Da habe ich etwas falsch gemacht. Das tut mir leid.“ Und Gott antwortet dem Menschen: „Ich vergebe dir. Du darfst neu anfangen.“ Darum heißt es auch Sakrament der Versöhnung — weil Gott und Mensch wieder zusammenfinden.
Wir können uns unser Herz so ungefähr vorstellen wie einen Rucksack. Wenn wir Fehler machen und sie festhalten, wird er schwer. Wenn wir Schuld mit uns herumtragen, drückt das. In der Beichte dürfen wir diesen Rucksack absetzen. Wir dürfen ablegen, was uns belastet. Und wir gehen leichter weiter.
Gott freut sich über uns Menschen, er liebt uns und nimmt uns an wie wir sind. Vor allem wenn wir den Mut haben, ehrlich zu sein. Die Beichte ist also keine Pflichtübung. Sie ist ein Ort der Barmherzigkeit, ein Ort der Heilung, ein Ort des Neuanfangs.
Vielleicht nehmen wir diesen einen Satz mit: Bei Gott darf ich immer neu anfangen. Egal wie alt ich bin. Egal was war. Egal wie oft. Gott sagt nie: „Jetzt ist es zu spät.“ Er sagt immer: „Komm.“
Wünschen wir unseren Erstkommunionkindern heute Mittag genau diese Erfahrung.