Luftqualität in Hessen weiter im Normbereich - doch es besteht Grund zur Sorge
Dienstag, 31.03.2026
von Redaktion Kinzig News
HESSEN - Die Luft in Hessen bleibt nach den geltenden Rechtsvorgaben weiterhin im zulässigen Bereich. Zugleich ist die Entwicklung nicht mehr so eindeutig positiv wie in den Jahren zuvor.
Bei Stickstoffdioxid sowie bei Feinstaub der Größen PM10 und PM2,5 wurden 2025 an fast allen Messstellen höhere Werte gemessen als im Vorjahr. Wie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie mitteilt, markiert das einen Bruch mit der langjährigen Tendenz stetiger Verbesserungen. Bereits 2024 war eine Stagnation beobachtet worden, nun fiel die Bilanz für 2025 etwas schlechter aus.
Vor allem Wetterlagen trieben die Belastung
Als wesentlichen Grund nennt die Behörde länger anhaltende, austauscharme und kühle Wetterlagen vor allem im ersten Quartal 2025. Diese hätten stärkere Emissionen begünstigt und zugleich den Abtransport der Schadstoffe erschwert. Hinzu kam grenzüberschreitender Schadstofftransport, der die Feinstaubbelastung nicht nur in Hessen, sondern auch darüber hinaus erhöhte.
In größeren Ballungsräumen und Städten wie Frankfurt, Darmstadt, Kassel, Limburg, Offenbach und Wiesbaden stiegen die Werte im Mittel um rund fünf Prozent bei Stickstoffdioxid und um etwa zehn Prozent bei PM10-Feinstaub. Besonders hohe PM10-Konzentrationen wurden in Kassel und Limburg verzeichnet.
Neue EU-Grenzwerte setzen Hessen zusätzlich unter Druck
Trotz der eingehaltenen aktuellen Grenzwerte sieht das HLNUG weiter deutlichen Handlungsbedarf. Grund dafür sind die neuen EU-Vorgaben, die ab 2030 gelten und deutlich strenger ausfallen als die heutigen Grenzwerte.
Beim künftigen Stickstoffdioxid-Grenzwert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter lagen 2025 bereits 29 städtische Messstandorte über dem dann zulässigen Wert. Beim Feinstaub PM2,5 überschritten fünf städtische Messstandorte den künftigen Jahresmittelwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter. Zudem wurde der künftig zulässige PM2,5-Tagesmittelwert an zwei hessischen Stationen häufiger überschritten als nach den neuen Regeln erlaubt.
Land sieht weiter Bedarf bei Verkehr und Heizungen
Die Bilanz der Behörde ist deshalb zweigeteilt: Frühere Luftreinhaltemaßnahmen hätten gewirkt, zugleich reichten sie für die kommenden Anforderungen noch nicht aus. Um die Luftqualität weiter zu verbessern und auch die strengeren EU-Grenzwerte einzuhalten, seien zusätzliche Schritte nötig.
Als mögliche Hebel nennt das HLNUG eine Verringerung des Individualverkehrs, die Stärkung der E-Mobilität sowie weniger Emissionen aus privaten Kleinfeuerungsanlagen. Die Luftmessung in Hessen stützt sich dabei auf ein landesweites Netz mit mehr als 30 kontinuierlich betriebenen Stationen und weiteren Messstellen. (red)