Impuls von Stefan Buß: "Euer Herz lasse sich nicht verwirren!"
Samstag, 09.05.2026
von STEFAN BUß
FULDA / MKK - Mitten in der Osterzeit hören wir heute Worte Jesu, die zugleich trösten und herausfordern: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich.“
Das sind keine Worte für Menschen, bei denen alles glatt läuft. Es sind Worte für Menschen, die Angst haben. Jesus spricht sie beim letzten Abendmahl. Die Jünger spüren: Etwas geht zu Ende. Unsicherheit liegt in der Luft. Sie wissen nicht, was kommt.
Und genau da sagt Jesus: Lasst euch nicht verwirren. Wie aktuell klingt das. Auch wir kennen Verwirrung: Was wird aus unserer Welt? Was wird aus der Kirche? Was wird aus meiner Familie, meiner Gesundheit, meiner Zukunft?
Manchmal erleben wir, dass alte Sicherheiten wegbrechen. Wege, die klar schienen, verlieren ihre Richtung. Man fragt sich: Wo geht es lang? Jesus verspricht nicht, dass es keine Schwierigkeiten gibt. Aber er sagt: Euer Herz muss nicht im Chaos untergehen. Denn Glaube bedeutet nicht, alle Antworten zu haben. Glaube bedeutet: Jemandem vertrauen, auch wenn ich nicht alles verstehe.
Thomas fragt ehrlich und direkt: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ Das ist vielleicht die ehrlichste Frage des Evangeliums. Und sie könnte auch unsere sein. Jesus antwortet nicht mit einer Landkarte, nicht mit einer Theorie, nicht mit einem Regelkatalog. Er sagt: „Ich bin der Weg.“ Das ist entscheidend. Jesus zeigt nicht nur einen Weg – er ist der Weg.
Der christliche Glaube ist zuerst keine Ideologie, sondern Beziehung. Wir folgen nicht bloß einer Lehre, sondern einer Person. Der Weg zu Gott heißt: mit Christus leben, ihm vertrauen, sich von ihm prägen lassen.
Das heißt konkret: Wenn wir verzeihen, gehen wir seinen Weg. Wenn wir die Wahrheit sagen, gehen wir seinen Weg. Wenn wir einem Einsamen beistehen, gehen wir seinen Weg. Wenn wir trotz Angst hoffen, gehen wir seinen Weg. Dieses Wort hat schon viele Menschen getragen – besonders in Trauerzeiten. Jesus spricht von Heimat. Von einem Ort bei Gott. Von einer Zukunft, die größer ist als Tod und Vergänglichkeit.
„Viele Wohnungen“ – das heißt: Bei Gott ist Platz. Nicht nur für die Perfekten. Nicht nur für die Starken. Nicht nur für die Frommen, die alles richtig gemacht haben. Bei Gott ist Platz für Suchende. Für Verwundete. Für Zweifelnde. Für Menschen mit Brüchen in ihrer Geschichte. Das ist die österliche Hoffnung: Unser Leben endet nicht im Nichts. Christus bereitet uns Wohnung bei Gott.
Die zweite Lesung nennt uns „lebendige Steine“, aus denen Gott sein Haus baut. Ein Stein allein ist noch kein Haus. Aber viele Steine zusammen werden zu einem tragenden Bau. Auch Kirche lebt so. Nicht durch Mauern, nicht durch Strukturen allein, sondern durch Menschen, die ihren Glauben leben: durch die, die beten, durch die, die helfen, durch die, die dienen, durch die, die Trost schenken, durch die, die trotz Enttäuschung bleiben. Jeder Mensch zählt. Jeder hat seinen Platz.
Vielleicht fragen wir heute: Wie finde ich den Weg? Dann dürfen wir klein anfangen: Heute einen Menschen anrufen. Heute ein ehrliches Gebet sprechen. Heute nicht im Ärger bleiben. Heute einen Schritt des Vertrauens wagen. Der Weg Jesu beginnt selten spektakulär. Oft beginnt er im Kleinen.
Jesus sagt heute auch zu uns: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“ Nicht weil alles einfach ist. Sondern weil er da ist. Nicht weil wir alles wissen. Sondern weil er der Weg ist. Nicht weil der Tod das letzte Wort hätte. Sondern weil im Haus des Vaters viele Wohnungen sind.
Gehen wir also unseren Weg mit ihm – Schritt für Schritt, im Vertrauen, in Hoffnung und in Liebe.