Birstein und Schlüchtern wollen bei Rechenzentrum und Energiekraftwerk kooperieren
Samstag, 29.08.2026
von Redaktion Kinzig.News
BIRSTEIN/SCHLÜCHTERN - Birstein und Schlüchtern wollen bei den geplanten Großprojekten Rechenzentrum und Energiekraftwerk künftig eng zusammenarbeiten. Das Rechenzentrum soll weiterhin im Birsteiner Gewerbegebiet „Im obersten Grünnel“ entstehen. Das dafür vorgesehene H2-ready-Energiekraftwerk soll dagegen nach Schlüchtern verlagert werden.
Grund für die Standortentscheidung sind nach Angaben der Argaman Group technische und wirtschaftliche Faktoren. In Schlüchtern kreuzen sich zwei große Gasleitungen, die eine zuverlässige Versorgung des Kraftwerks ermöglichen sollen. Hinzu kommt die Nähe zum Umspannwerk Elm.
Schlüchtern setzt sich als Kraftwerksstandort durch
„Schlüchtern ist perfekt geeignet, weil sich dort zwei große Gasleitungen kreuzen, die eine zuverlässige Versorgung garantieren“, sagt Argaman-Geschäftsführer Dr. David Roitman. Der erzeugte Strom soll langfristig auch über das Umspannwerk Elm zur Stabilisierung des Netzes eingespeist werden.
Birsteins Bürgermeister Fabian Fehl bedauert die Verlagerung des Kraftwerks dennoch. Der Kommune entgingen damit Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen in erheblicher Höhe. Gleichzeitig betont er, dass die Gespräche mit Schlüchtern fair verlaufen seien.
Beide Kommunen sehen eigene Standortvorteile
Aus Sicht Fehls bringt jede Kommune ihre eigenen Vorteile in das Gesamtprojekt ein. Schlüchtern verfüge über die bessere Infrastruktur für das Energiekraftwerk. Birstein wiederum habe mit den Windparks und einer freien Gewerbefläche von elf Hektar gute Voraussetzungen für das geplante Rechenzentrum.
„Am Ende profitieren beide Kommunen und unsere Region“, sagt Fehl. Damit rückt die interkommunale Zusammenarbeit zunehmend in den Mittelpunkt des Projekts.
Schlüchtern hofft auf Steuern und neue Arbeitsplätze
Auch Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller sieht erhebliche Chancen. Er verweist auf mögliche zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen und neue Arbeitsplätze.
Diese Einnahmen könnten nach seinen Angaben unter anderem für einen neuen Feuerwehrstandort, die Sanierung von Kindertagesstätten und die Konsolidierung der Stadtfinanzen genutzt werden.
Fernwärmenetz für bis zu 10.000 Haushalte denkbar
Zusätzlich könnte das Energiekraftwerk nach den Vorstellungen der Stadt ein eigenes Fernwärmenetz ermöglichen. Möller spricht von einer möglichen Leistung von rund 50 Megawatt.
Damit könnten nach seinen Angaben bis zu 10.000 Haushalte versorgt werden. Auch öffentliche Einrichtungen sowie Gewerbe- und Industriebetriebe könnten die Wärme nutzen.
Umstellung auf grünen Wasserstoff geplant
Das geplante Energiekraftwerk soll zunächst das Rechenzentrum in Birstein mit Strom versorgen und gleichzeitig zur Stabilisierung des Netzes beitragen.
Ab Mitte der 2030er Jahre ist nach den Planungen eine vollständige Umstellung auf CO2-neutralen Betrieb vorgesehen. Das Kraftwerk soll technisch so ausgelegt sein, dass es vollständig mit grünem Wasserstoff betrieben werden kann.
Kraftwerk mit bis zu 276 Megawatt Leistung
Geplant ist das Kraftwerk im Schlüchterner Gewerbegebiet „Auf dem Reitstück“. Die Nennleistung soll bei bis zu 276 Megawatt liegen.
Das Gebäude soll rund 160 Meter lang, 90 Meter breit und 20 Meter hoch werden. Die Schornsteine sollen eine Höhe von bis zu 60 Metern erreichen. Das Investitionsvolumen wird mit rund 750 Millionen Euro angegeben. Die geplante Nutzungsdauer liegt bei etwa 30 Jahren.
Rechenzentrum in Birstein soll Milliardenprojekt werden
Das Rechenzentrum ist weiterhin für das Gewerbegebiet „Im obersten Grünnel“ in Birstein vorgesehen. Es soll Recheninfrastruktur für Künstliche Intelligenz, Clouding und Colocation bereitstellen.
Die geplante IT-Leistung liegt bei bis zu 200 Megawatt. Die Anlage soll auf einer Fläche von rund elf Hektar entstehen. Das Investitionsvolumen wird mit mehreren Milliarden Euro angegeben.
Nutzungsdauer von rund 30 Jahren geplant
Auch für das Rechenzentrum wird zunächst mit einer Nutzungsdauer von rund 30 Jahren gerechnet. Durch technische Modernisierung, sogenanntes Repowering, könnte diese verlängert werden.
Für Birstein bleibt der Bau des Rechenzentrums nach Aussage von Bürgermeister Fehl das zentrale Ziel. Er betont, die Kommune wolle das Projekt ausdrücklich vor Ort realisieren.
Infoveranstaltungen zum Kraftwerk in Schlüchtern
In Schlüchtern sollen die Bürger in den kommenden Wochen über das Energiekraftwerk informiert werden. Zwei Informationsveranstaltungen sind für Dienstag, 8. September, und Mittwoch, 9. September, jeweils um 19.30 Uhr im Café Fabrice in der Breitenbacher Straße 3 geplant.
Wegen begrenzter Plätze ist eine Anmeldung per E-Mail an [email protected] notwendig.
Weitere Bürgerdialoge angekündigt
Am Sonntag, 27. September, findet außerdem von 11 bis 16 Uhr die Veranstaltung „Frag doch mal die Stadt“ statt.
Ferner sind weitere Informationsveranstaltungen sowie ein Bürgerforum in der Stadthalle vorgesehen. Die Termine sollen rechtzeitig bekanntgegeben werden. (red)