FULDA / MKK

Impuls von Stefan Buß: "Der Herr segne dich und behüte dich" - zu Beginn eines neuen Jahres

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda
Foto: Hendrik Urbin/KN
von STEFAN BUß


Samstag, 03.01.2026

Wir stehen noch in den ersten Tagen des neuen Jahres. Die Seiten dieses Jahres sind noch ziemlich leer. Wir wissen nicht, welche Worte darauf geschrieben werden, welche Freuden, welche Sorgen, welche Überraschungen und welche Wege vor uns liegen. Aber wir wissen: Gott geht mit.

Das Neue Jahr wird in den Texten der katholischen Liturgie mit einem Gebet — mit dem Wunsch nach Gottes Segen und nach seinem Schutz, begonnen.

In der Bibel heißt es im 4. Buch Mose, im Buch Numeri: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

Dieser Segen ist kein frommer Wunsch, sondern ein Zuspruch Gottes: Ich bin bei dir. Ich lasse dich nicht allein. Ich gehe mit dir durch dieses Jahr. Und vielleicht dürfen wir uns diesen Weg vorstellen wie einen Weg, auf dem ein Engel Gottes an unserer Seite geht.

Nicht als märchenhafte Figur mit Flügeln, sondern als Zeichen von Gottes Nähe: Ein Engel, der uns erinnert, wenn wir müde werden: Du bist nicht allein. Ein Engel, der uns mahnt, wenn wir uns verirren: Kehre um zum Leben. Ein Engel, der uns tröstet, wenn wir fallen: Steh auf — du wirst gebraucht. Ein Engel, der uns freut, wenn wir lachen: Danke Gott für diesen Augenblick.

So wünsche ich Ihnen für dieses neue Jahr einen Engel, der ihre Schritte begleitet, der zwischen uns tritt, wenn Streit trennen will, der an Ihrem Bett wacht in dunklen Nächten, der Ihre Hände lenkt, wenn sie helfen können, und das Herz weit macht für Liebe, Geduld und Hoffnung.

Aber vielleicht sind wir selbst manchmal dieser Engel füreinander. Vielleicht bist du der Engel für jemanden, der einsam ist. Vielleicht bist du der Engel für jemanden, der verzweifelt ist. Vielleicht bist du der Engel für jemanden, der neu anfangen möchte.

So beginnt dieses Jahr nicht nur mit der Frage: Was wird mir geschehen? sondern mit der größeren Frage: Wozu werde ich gesegnet? Wem kann ich Segen sein?

Darum bitten wir:


Gott, segne unsere Wege, segne unsere Entscheidungen, segne unsere Arbeit und unsere Ruhe, segne unsere Beziehungen, segne unsere Worte und unser Schweigen. Sende uns deinen Engel, der vor uns hergeht, der hinter uns steht und der neben uns bleibt — heute, morgen und an allen Tagen dieses Jahres.

Und so gehen wir in dieses neue Jahr nicht angstvoll, sondern getrost, nicht allein, sondern begleitet, nicht leer, sondern gesegnet.