FULDA / MKK

Impuls von Stefan Buß: Zum Fest Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess)

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda
Foto: Hendrik Urbin/KN
von STEFAN BUß


Samstag, 31.01.2026

Vierzig Tage nach Weihnachten feiern wir am 2. Februar, also am Montag, ein Fest, das vielen weniger vertraut ist als die Heilige Nacht oder der Weihnachtsmorgen: das Fest der Darstellung des Herrn, im Volksmund Mariä Lichtmess genannt. Und doch ist es ein ganz besonderes Fest — denn es schlägt eine Brücke zwischen Weihnachten und dem weiteren Weg Jesu.

Was feiern wir eigentlich?


Im Evangelium (Lk. 2, 21 -40) hören wir, dass Maria und Josef das Kind Jesus in den Tempel nach Jerusalem bringen. Sie tun das nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil es das Gesetz Israels so vorsieht: Jedes erstgeborene männliche Kind gehört Gott und soll ihm „dargestellt“, also anvertraut werden. Zugleich bringt Maria das Opfer der Reinigung dar.

Das klingt zunächst sehr gesetzlich, fast formal. Doch mitten in diesem äußeren Vollzug geschieht etwas zutiefst Geistliches: Zwei alte Menschen, Simeon und Hanna, erkennen in diesem Kind mehr als nur einen Erstgeborenen. Simeon nimmt Jesus auf den Arm und sagt: „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast: ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“

Darum heißt dieses Fest auch Lichtmess: Christus wird als das Licht der Welt erkannt. Und damit sind wir mitten bei der Verbindung zu Weihnachten. An Weihnachten feiern wir: Gott wird Mensch. Das Licht kommt in die Welt — still, verborgen, in einem Kind in einer Krippe. Aber dieses Licht wird noch nicht von allen erkannt. Es ist da, aber es leuchtet zunächst im Verborgenen.

An Lichtmess wird dieses Licht gewissermaßen öffentlich sichtbar. Nicht mehr nur Maria und Josef wissen, wer dieses Kind ist. Nun bekennt ein Mensch im Namen des ganzen Volkes: Dieses Kind ist das Heil Gottes. Weihnachten wird hier gleichsam vollendet und in die Welt hinausgetragen.

Man könnte sagen: An Weihnachten wird das Licht entzündet — an Lichtmess wird es in die Hände der Menschen gelegt. Und noch etwas geschieht: Simeon spricht nicht nur vom Licht, sondern auch vom Kreuz. Er sagt zu Maria: Dieses Kind wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird — und ein Schwert wird deine Seele durchdringen. Schon hier, so früh, fällt der Schatten des Leidens auf das Leben Jesu. Licht und Kreuz gehören zusammen.

Das ist eine wichtige Botschaft für uns: Christlicher Glaube ist keine Flucht vor der Dunkelheit des Lebens. Er ist das Vertrauen, dass gerade in dieser Dunkelheit ein Licht brennt, das nicht verlöscht.

Am Lichtmesstag werden traditionell auch die Kerzen gesegnet und entzündet. Das ist kein romantischer Brauch, sondern ein starkes Zeichen: Wir nehmen dieses Licht in unser Leben mit. Wir lassen uns senden, selbst Lichtträger zu werden — durch Liebe, durch Hoffnung, durch Vertrauen, durch Barmherzigkeit. Lichtmess ist der Übergang: vom Stall in den Tempel, vom privaten Wunder zum öffentlichen Bekenntnis, vom Kind in der Krippe zum Licht für die Welt.

Darum endet mit diesem Fest nach der alten Tradition auch die Weihnachtszeit (heute mit dem Fest Taufe des Herrn). Aber bis zu diesem Fest bleiben in unseren Kirchen die Krippen stehen, um auch diese Verbindung zu Weihnachten deutlich zu machen. Das Licht von Weihnachten erlischt nicht, sondern es soll nun hinausgetragen werden in unseren Alltag, in unsere Welt, in unsere oft dunklen Situationen.