KASSEL

Tierheim Kassel sucht Hundebesitzerin: Wenig später herrscht Fassungslosigkeit

Herkules aus dem Tierheim Wau-Mau-Insel in Kassel.
Foto: Tierheim Wau-Mau-Insel Kassel
von ANGELO CALI


Samstag, 17.01.2026

Manchmal ist die Geschichte hinter einem Tierheim-Hund so traurig, dass man sie kaum glauben mag.

Der Mischlingsrüde Herkules ist eine solche "arme Socke“, wie ihn die Pflegerinnen und Pfleger der Wau-Mau-Insel in Kassel liebevoll nennen. Seit dem 15. Oktober des vergangenen Jahres wartet der kleine Kerl nun darauf, dass das Schicksal es endlich gut mit ihm meint – nach einer Odyssee aus Lügen und Enttäuschungen.

Verraten und abgeschoben

Die Vorgeschichte von Herkules liest sich wie ein Krimi: Angeblich als Fundhund in Kassel abgegeben, stellte sich später heraus, dass sein eigener Besitzer ihn unter falschen Angaben loswerden wollte. 

Eine Recherche über seinen Chip bei der Tierschutzorganisation TASSO führte zu einer ehemaligen Halterin, der die Zukunft des Hundes nach eigener Aussage völlig gleichgültig war. Ursprünglich aus Rumänien stammend, scheint Herkules in seinem jungen Leben (geboren 2021) bisher kaum Beständigkeit oder wahre Liebe erfahren zu haben.

Ein unsicherer Geist braucht feste Strukturen

Kein Wunder also, dass der 14,4 Kilogramm schwere Rüde bei seiner Ankunft im Tierheim völlig "durch den Wind“ war. Herkules ist ein unsicherer Zeitgenosse, der auf Stress sehr sensibel reagiert. Wenn die Reize um ihn herum zu viel werden, kann es vorkommen, dass er aus Überforderung schnappt.

Das Team der Wau-Mau-Insel hat jedoch bereits wertvolle Vorarbeit geleistet. Herkules ist  beispielsweise an den Maulkorb gewöhnt. Das gibt ihm und seinen Menschen Sicherheit und ermöglicht ihm gleichzeitig mehr Freiheiten bei Spaziergängen. Hat Herkules erst einmal Vertrauen gefasst, zeigt er sein sanftes Wesen. Er liebt Kuscheltiere und genießt gemütliche Stunden in seinem weichen Körbchen. Außerdem ist er stubenrein und kann bereits stundenweise allein bleiben.

Das ideale Zuhause: Ruhe und Sachverstand gesucht

Der turbulente Tierheimalltag setzt Herkules stark zu. Die Wau-Mau-Insel sucht daher Menschen, die ihm ein ruhiges Umfeld ohne Kinder bieten können. Aufgrund seiner Unsicherheit sind Hundeerfahrung sowie viel Zeit und Geduld zwingend erforderlich. Seine neuen Menschen sollten bereit sein, kleinschrittig mit ihm an seinen Defiziten zu arbeiten und ihm die Sicherheit zu geben, die er bisher nie hatte.

Wer traut sich zu, Herkules’ Schutzmauer Stein für Stein abzutragen und ihm zu zeigen, dass Menschen auch verlässlich sein können? Der kann sich telefonisch unter der Rufnummer 0561/8615680 oder per Kontaktformular an die Wau-Mau-Insel wenden. (anc)