BAD ORB
Bad Orb: Nicolai Friedrich wird für seinen Streifzug durch die Welt der Magie gefeiert
Fotos: privat
Donnerstag, 22.01.2026
"Wenn es mir gelungen ist, den Verstand für Magie und das Herz für Wunder zu begeistern, dann finden Sie das Wunderland überall ..."
Nicolai Friedrich strahlt ins jubelnde, pfeifende, bravorufende Publikum. Knapp drei Stunden lang zieht er in der Bad Orber Konzerthalle ein begeistertes und oft staunendes Publikum in seinen Bann mit seinem neuen Programm „Wunderland“, entzückt mit seinem jungenhaft wirkenden Charme, bezaubert mit seinen Anekdoten ebenso wie mit seiner Magie.
Wobei Letztere von eher klassischen Kunststücken, schwebenden Stühlen und Kartentricks reicht bis zu modernem Mentalismus und zu ganz eigenen Kreationen, von denen ihm eine sogar schon David Copperfield abgekauft hat.
David Copperfield hat ihm eine Kreation abgekauft
Den er in Las Vegas nach einer Show in sein privates Museum begleiten durfte: Ein ganz besonderes Privileg, denn das "International Museum and Library of the Conjuring Arts" ist nicht für die Öffentlichkeit zugängig, sondern als riesige Sammlung magischer Artefakte nur einem ausgewählten, streng limitierten Personenkreis. „Alles von Houdini“ sei da etwa zu finden, dessen Name eine ehrende Reminiszenz an Jean-Eugène Robert-Houdin gewesen sei, den Vater des modernen Illusionismus. Und der als „toller Automatenkonstrukteur“ hochkomplexe mechanische Gerätschaften erstellt habe. Zum Beispiel den „Orangenbaum“, von dem es nur vier Exemplare auf der Welt gibt.
Orangen erscheinen wie aus dem Nichts
Einer davon nun im Besitz von Nicolai Friedrich, der das mechanische Bäumchen vor den staunenden Augen des Publikums zum Blühen bringt. Orangen erscheinen wie aus dem Nichts, die letzte an der oberen Spitze öffnet sich, und zwei Schmetterlinge steigen in die Höhe. Mit sich führen sie den Ring einer Besucherin, die ihn kurz zuvor noch in Händen hielt, bevor der Magier ihn „verschwinden“ ließ. Dass sie ihn zurückbekommt: Ehrensache. Wenn auch anders als gedacht, denn dank eines weiteren Tricks findet sich das geschlossene Schmuckstück schließlich um den Stiel eines Weinglases gelegt. Wie es dahin kommt? Durch Magie, natürlich.
Standing Ovations für die korrekte Vorhersage der Lottozahlen
Um dem Publikum, das durchgehend in das Repertoire aus Illusionen und Denkexperimenten einbezogen wird, selbst das Zaubern zu ermöglichen, verrät der vielfach preisgekrönte Magier sogar einen Trick. „Den können Sie zu Hause nachmachen.“ Dabei wird ein Seidenpapier mehrfach zerrissen – und dann wieder zu einem vollständigen Blatt. Möglich dadurch, dass es sich um zwei Stücke handelt, die in der Hand vertauscht werden. Was alles einleuchtend und nahezu simpel wäre – hätte nicht Friedrich am Ende zwei komplette und der Bühnengast zwei zerrissene Blätter in Händen. Nicht umsonst gibt es Standing Ovations für die korrekte Vorhersage der Lottozahlen, die aber selbst bei Friedrich nur auf der Bühne klappt: „In diesem Moment ist es unsere gemeinsame Realität.“
Und in der ist auch viel Platz für Humor: So babbelt der Licht-Dschinn Gerd, der als KI aus einer Sonnenblume aufsteigt, in breitestem Hessisch. „Badesalz“ lässt grüßen. Nützliches Wissen wird geteilt: Die Gäste lernen den „tricktechnischen Moment des Kunststücks“ kennen, erfahren, was ein „DuSeiPaKü“ ist (ein Duplikat-Seidenpapierkügelchen) – und dass es eine Blamage ist, wenn eine Palmage (eine Technik zum Halten und Verbergen eines Gegenstands) schief geht. Was an diesem Abend nicht geschieht. „Unfassbar“, sind nicht nur die Kinder, sondern auch viele Erwachsene erstaunt und begeistert, die – so Friedrich – ohnehin in zwei Kategorien einzuteilen sind: Die einen, die kommen, um sich be-zaubern zu lassen, die anderen, die grübeln: „Wie geht der Trick?“
Milch in der Tasse löst sich scheinbar in Nichts auf
Und da
kommen sie aus dem Grübeln bei diesem Streifzug durch die Welt der
Magie an diesem Abend nicht heraus: Ein Flumi wird zum aufschlagbaren
Ei, die Milch in der Tasse löst sich scheinbar in Nichts auf, während
die Tasse selbst luftschlangenartig zerfällt, Bonbonzahlen – zufällig
ausgewählt von Kinderhand - werden perfekt genannt, obwohl der Magier
sie nicht sieht, und die Leckereien verwandeln sich scheinbar ohne Zutun
in eine Süßigkeitenkette. Symbole, Zahlen, Spielkarten, selbst Gedanken
werden erkannt – und tauchen an Stellen auf, von denen das Publikum
ungläubig feststellt: Da können sie doch nun wirklich nicht sein: In
einer Kiste, die von der Decke herabgelassen wird, zum Beispiel – oder
im zugeklebten Mund des Magiers auf einem Zettel.
Immer mit an Bord: Der Zufall, der das Vorhersagen der Ergebnisse scheinbar unmöglich macht: Etwa, wenn das Wurfmikrofon quer durch die Halle fliegt und das Publikum gemeinsam ein Szenario „erarbeitet“ - das Friedrich dennoch schon vorab zu kennen scheint. Beispielsweise wenn auf einem Zettel ein Erlebnis einer Phantasiereise niedergeschrieben ist, die eine Besucherin vor den Augen des staunenden Publikums gerade erst erdacht hat. Rieselnder Sand aus einem ausgezogenen Schuh inklusive. „Ich bin vorher in die Zukunft gereist“, erklärt der Magier augenzwinkernd, und dann holt er einen Teddybären in genau der farblichen Gestalt, wie sie die kleine Lilli gerade gemalt hat, aus seinem „Prime Deluxe Delivery“-Karton, heraus – und für eine Sekunde möchte man ihm glauben, dass er das wirklich kann: In die Zukunft schauen.
Was Friedrich (offenbar) zum nunmehr siebten Mal in Bad Orb getan hat und im kommenden Jahr wieder tun wird: Am Freitag, 5. Februar 2027. Die ersten Gäste haben schon am Wochenende festgelegt: Da müssen sie wieder hin. (red)