BAD ORB

"Boah, das ist eine Schönheit!": Die Schöne und das Biest entzückt Publikum

Das Theater Liberi entzückte Jung und Alt mit seiner Umsetzung von Die Schöne und das Biest.
Fotos: privat


Dienstag, 27.01.2026

„Boah, das ist eine Schönheit!“: Der kleine Junge, er mag vielleicht sieben oder acht Jahre alt sein, kann sich vor Begeisterung kaum mehr einkriegen.

Von seinem Sitz in der Bad Orber Konzerthalle ist er aufgesprungen, um noch besser auf die Bühne schauen zu können, auf der Asya Pritchard die „Belle“ gibt, die Schöne aus „Die Schöne und das Biest“, dargeboten in einer Familienvorstellung für Menschen ab vier Jahren vom Theater Liberi.

Stürmischer Applaus für Belle


Seine Leidenschaft für die in ein glitzerndes, weißes Ballkleid gekleidete Schönheit teilt er mit dem „Biest“, als das Philipp Hiller auf der Bühne steht – und offenbar auch mit einem Großteil des Publikums, das der Belle am Ende der zweistündigen Aufführung den stürmischsten Applaus schenkt.

Kein Wunder, ist doch die Belle die Identifikationsfigur schlechthin in dem französischen Volksmärchen, das die Grundlage des Musicals bildet – und nicht, wie oft angenommen, dem Musical „Phantom der Oper“ entlehnt ist. Aufbereitet und veröffentlicht wurde die Geschichte 1740 von der Französin Gabrielle-Suzanne de Villeneuve, die Motive aus der Märchensammlung von Giovanni Francesco Straparola verwendete. Bekannter als die Version von de Villeneuve ist jedoch die gekürzte Variante von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont, die 1756 in einem Magazin veröffentlicht wurde. Noch im selben Jahr erschien die deutsche Übersetzung von Johann Joachim Schwabe.

Geschichte von der Kraft der Liebe


Die wiederkehrenden Motive sind jedoch noch viel älter und finden ihren Ursprung in Geschichten und Erzählungen, die zwischen 2500 und 6000 Jahren alt sind. Die Geschichte von der Kraft der Liebe, die so stark ist, dass sie sogar einen Fluch brechen kann, wird ebenso schwungvoll wie unterhaltsam und mitreißend erzählt, gesungen, getanzt. Und erreicht dank einer kindgerechten Präsentation auch die Kleinsten unter den Gästen, wobei der Theaterdonner, Lichtblitze, Nebel und wummernde Gitarrenklänge durchaus auf das ein oder andere Kind für einen Moment recht einschüchternd wirken.

Dieser Moment hält aber meist nur für eine wirklich kurze Dauer an, denn Mutter oder Oma – und vereinzelt auch männliche Begleiter vom Vater bis zum Großvater - sind stets gerne bereit, die Aufregung mit Erklärungen zu reduzieren. So, wie sie auch generell die Routinen in einem Theatersaal erklären.

„Jetzt hat es zum zweiten Mal gegongt. Wenn es das dritte Mal gongt, geht es los“, erfährt ein kleines Mädchen, das sich mit bunter Glitzerschminke und einem rosa Feenkostüm, das Kuscheltier fest in den Händen, unter die Gäste mischt. Und sich das gleich merkt. „Oma, jetzt setz Dich hin“, kommt nach der Pause, die bei Kuchen und Fritz-Kola im Foyer vor der Wunderbar Eventgastronomie verbracht wird, die Aufforderung. „Die machen schon die Türen zu, es geht gleich weiter. Es hat schon gegongt.“

Mit großer Begeisterung auf die Bühne gezaubert 


Schließlich will sie auch wissen, wie es weitergeht mit der märchenhaften Geschichte, die die nur sechs Schauspieler mit großer Begeisterung auf die Bühne zaubern. Eine geringe Anzahl angesichts der zu besetzenden Rollen – und nur damit aufzulösen, dass die meisten Darsteller in verschiedener Gestalt auftreten. Eine Herausforderung der logistischen Art, denn der Wechsel der phantasievollen, oft prächtigen Kostüme muss in großer Eile erfolgen. Ebenso schnell muss es auf der Bühne vorangehen, wenn sich das Zuhause von Belle in das Schloss des „Biests“ verwandelt oder in den rauschenden Wald mit der prägnanten roten Rose, die eingangs die Grausamkeit des Biests hervorlockt.

Kurzes Lichtstakkato, schnelles Umschieben der Kulissenteile – und schon entsteht ein neues Bühnenbild, zu dem auch die lebenden Schlossbewohner gehören. Poesie, Witz und Emotionen geben sich die Hand, insbesondere bei den gefühlvollen Eigenkompositionen, die zwischen romantischen Balladen, Sprechgesang und poppigen Songs wechseln. Text, Bühnenbild, Musik, Kostüme – alles wird vom Theater Liberi selbst konzipiert.

"Große Glitzerauftritte sind mein Spezialgebiet"


Asya Pritchard – die Belle - jedenfalls dürfte mit dem Entzücken des kleinen Jungen zufrieden sein. „Ich bin auf zwei Sachen gespannt: Einmal habe ich einen sehr großen Auftritt in meinem glitzernden Ballkleid - was lustig ist, denn das ist von der Szene sehr ähnlich zum Glitzerauftritt der Schneekönigin. Große Glitzerauftritte sind damit ein bisschen mein Spezialgebiet geworden. Da freue ich mich schon auf die Reaktionen. Und dann wird es am Ende dieses Stücks schon auch sehr existenziell und dramatisch. Wie das aufgefasst wird, darauf bin ich auch sehr gespannt“, erklärte sie jüngst in einem Interview.

Sie ist es auch, die am Ende Kusshände ins Publikum wirft, das dem Ensemble mit stehendem Applaus noch zwei Zugaben abringt. Für die Kinder ist nach der letzten Verbeugung jedoch noch lange nicht Schluss: Etliche sind auf dem Weg zum Ausgang am Tanzen und am Singen – die Lieder vom „Glück“ und „Schau ins Herz“ begleiten sie, oft nebst Plakaten, Heften und Musical-CDs vom Fanartikel-Stand, nach Hause. (red)