GELNHAUSEN / SCHLÜCHTERN
So wollen sich die Main-Kinzig-Kliniken in schweren Zeiten fit für die Zukunft machen
Fotomontage: Main-Kinzig-Kliniken gGmbH
Dienstag, 10.02.2026
Die deutsche Krankenhauslandschaft befindet sich in einer tiefgreifenden Phase des Umbruchs. Steigende Kosten, strukturelle Veränderungen und bislang nur teilweise umgesetzte Reformen stellen Krankenhäuser bundesweit vor große Herausforderungen. Diese Entwicklung habe auch erhebliche Auswirkungen auf die Main-Kinzig-Kliniken, heißt es in einer Pressemitteilung.
Konsequenter Kurs der Konsolidierung
Vor diesem Hintergrund hätten die in Trägerschaft des Main-Kinzig-Kreises befindlichen Kliniken frühzeitig einen umfassenden und konsequenten Kurs der Konsolidierung und strategischen Neuausrichtung eingeschlagen. Ziel sei es, die wirtschaftliche Situation aus eigener Kraft zu stabilisieren und die beiden Krankenhausstandorte Gelnhausen und Schlüchtern langfristig zu sichern und zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
„Es dürfte niemandem entgangen sein, dass sich die Krankenhauslandschaft derzeit grundlegend verändert. Die Negativbeispiele von Krankenhausschließungen oder Leistungsabbau in unserer Nachbarschaft – etwa in Büdingen oder Alzenau – zeigen, wie nah diese Entwicklungen auch an unsere Region heranrücken. Genau das wollen wir für den Main-Kinzig-Kreis verhindern und durch gezielte Investitionen in Gelnhausen und Schlüchtern Verantwortung für die medizinische und pflegerische Versorgung der Region übernehmen“, betont Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Main-Kinzig-Kliniken, Thorsten Stolz.
Transparenz und Verantwortung als Leitlinien
Die Geschäftsführung der Main-Kinzig-Kliniken setze bei diesem Prozess bewusst auf Transparenz und einen offenen Dialog mit Belegschaft, Politik und Öffentlichkeit. „Die Kliniken stehen vor großen Herausforderungen. Unser Anspruch ist es, die wirtschaftliche Situation realistisch darzustellen, gleichzeitig aber auch Perspektiven und konkrete Lösungsansätze aufzuzeigen“, erklärt Geschäftsführer Christian Quack.
Sämtliche Maßnahmen seien darauf ausgerichtet, im engen Schulterschluss mit dem Main-Kinzig-Kreis beide Standorte dauerhaft zu erhalten. Besonders herausfordernd wirke sich aus, dass die im Rahmen der Krankenhausreform angekündigten finanziellen Unterstützungen bislang nur teilweise realisiert worden seien. Vor diesem Hintergrund habe der Aufsichtsrat der Main-Kinzig-Kliniken bereits im Jahr 2023 den klaren Auftrag erteilt, Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung einzuleiten und nachhaltig abzusichern.
Erste Erfolge der Neuausrichtung
Die Neuausrichtung der Main-Kinzig-Kliniken sei ein zentraler Baustein zur Sicherstellung der wohnortnahen medizinischen Versorgung im gesamten Kreisgebiet. Bereits im vergangenen Jahr sei ein umfassender Reorganisationsprozess gestartet worden, der zahlreiche strukturelle Anpassungen und Projekte umfasse. Die eingeleiteten Maßnahmen zeigten bereits Wirkung: "So konnte das jährliche Defizit von rund 13 Millionen Euro im Jahr 2023 bis zum Jahr 2025 auf etwa sieben Millionen Euro deutlich reduziert werden. Diese Entwicklung unterstreicht, dass der eingeschlagene Konsolidierungskurs greift und eine tragfähige Perspektive eröffnet."
Gezielte Konsolidierung bei gleichzeitiger Stärkung der Versorgung
Im Rahmen der wirtschaftlichen Neuausrichtung setzen die Main-Kinzig-Kliniken unter anderem auf neue Prozessstrukturen, eine gezielte Kostensteuerung im Einkauf sowie eine Reorganisation der Verwaltungsbereiche. Parallel werde ein gezielter Leistungszuwachs angestrebt, um zusätzliche Erlöse zu generieren. „Als kommunales Gesundheitsunternehmen tragen wir eine besondere Verantwortung – sowohl für die medizinische Versorgung als auch für den sorgsamen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Deshalb nutzen wir konsequent alle Potenziale auf der Aufwands- und Ertragsseite“, so Christian Quack. Gleichzeitig investieren die Kliniken gezielt in den Personalaufbau: Seit 2024 seien mehr als 120 zusätzliche Vollzeitstellen geschaffen worden, davon rund 100 in der Pflege.
Strategische Investitionen und medizinische Weiterentwicklung
Ein zentraler Bestandteil der Zukunftsstrategie seien umfangreiche Investitionen in Infrastruktur, Medizintechnik und Versorgungsangebote: "Dazu zählen unter anderem die Integration des bis Februar 2025 insolventen Medizinischen Versorgungszentrums in Großkrotzenburg zur Stärkung der ambulanten Versorgung sowie die Übernahme der gynäkologischen Praxis Dr. Sumpf in Gelnhausen inklusive eines KV-Sitzes zum 1. Oktober 2025. Darüber hinaus werden die Kinderklinik renoviert sowie die Zentrale Notaufnahme, die Patientenadministration und das Labor modernisiert. Im Bereich der Medizintechnik wurde das neue CT im Dezember 2025 in Betrieb genommen und es ist ebenso ein neues MRT-Gerät vorgesehen; ergänzend wurde eine Machbarkeitsanalyse zur Einrichtung eines MRTs am Standort Schlüchtern durchgeführt. Zudem werden die Intensivkapazitäten in Schlüchtern und die Intermediate-Care-Einheit in Gelnhausen erweitert. Auch die Speiseversorgung wird durch die Umstellung auf Frischeprodukte im gesamten Sortiment weiter verbessert."
Investitionen mit regionalem Fokus
Für das Jahr 2026 seien an beiden Klinikstandorten Investitionen in Höhe von insgesamt rund 19 Millionen Euro geplant. Am Standort Gelnhausen seien Investitionen von etwa 13 Millionen Euro vorgesehen. Ein Schwerpunkt liege hier auf dem Ausbau der Zentralen Notaufnahme, um der veränderten Versorgungsrealität Rechnung zu tragen. Am Standort Schlüchtern seien für 2026 Investitionen in Höhe von rund sechs Millionen Euro geplant. Diese würden insbesondere in die Weiterentwicklung der Inneren Medizin sowie in den Aufbau einer Tagesklinik Geriatrie fließen.
Gemeinsamer Weg mit klarer Perspektive
„Die Main-Kinzig-Kliniken sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung unserer Region. Wir stehen geschlossen hinter dem eingeschlagenen Kurs, der wirtschaftliche Verantwortung mit medizinischer Qualität und regionaler Nähe verbindet. Die geplanten Investitionen zeigen deutlich: Wir bauen nicht ab, wir stärken gezielt“, betont Landrat Thorsten Stolz.
Abschließend fasst Geschäftsführer Christian Quack zusammen: „Eine nachhaltige wirtschaftliche Stabilisierung gelingt nur mit klarem Wachstumskurs und gezielten Investitionen. Die laufende Reorganisation verstehen wir nicht nur als notwendige Reaktion auf aktuelle Herausforderungen, sondern vor allem als Chance, die medizinische Versorgung im Main-Kinzig-Kreis langfristig hochwertig, nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten – zum Wohl aller Patientinnen und Patienten.“ (red)