FRANKFURT AM MAIN

Rhein-Main: Heftige Gewerkschafts-Kritik - wird Gastroangestellten Lohn verweigert?

Debatte um Lohn in Gastrobetrieben. (Symbolfoto)
Foto: NGG/Alireza Khalili
von Redaktion Kinzig News


Dienstag, 24.02.2026

Trotz einer massiven Steuersenkung und steigender Einnahmen profitieren die Angestellten in den Hotels und Restaurants der Region kaum von der aktuellen Entwicklung. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wirft den Wirten im Main-Kinzig-Kreis eine systematische Verweigerung von Tariflöhnen vor und spricht von einer besorgniserregenden „Tarifflucht“.

Die Rahmenbedingungen für die rund 510 Gastronomiebetriebe im Kreis haben sich seit Beginn des Jahres spürbar verbessert. Durch die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent bleibt den Gastronomen deutlich mehr Spielraum in der Kasse. Konkret bedeutet das, dass von jedem Zehn-Euro-Schein, den ein Gast im Restaurant ausgibt, rund 95 Cent zusätzlich beim Inhaber verbleiben.

Mindestlohn statt fairer Bezahlung

Doch wie ein aktueller Bericht der Gewerkschaft NGG Rhein-Main verdeutlicht, kommt dieses „Steuergeschenk“ weder bei den Preisen auf den Speisekarten noch in den Lohntüten der rund 3950 Beschäftigten an. Die Kritik der Arbeitnehmervertreter zielt vor allem auf die mangelnde Wertschätzung gegenüber Köchen, Kellnern und Rezeptionistinnen ab. Viele Betriebe beschränken sich demnach darauf, lediglich den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen, der zum Jahreswechsel auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen ist. 

Dass sich einige Arbeitgeber bereits über diese Erhöhung von 1,08 Euro pro Stunde beklagen, bezeichnet die NGG als dreist. Während der gesetzliche Rahmen zwar eingehalten wird, bleibe eine wirklich faire Bezahlung auf der Strecke. Ein gelernter Koch oder eine erfahrene Servicekraft in Hessen hätte laut Tarifvertrag eigentlich Anspruch auf einen Stundenlohn von 16,74 Euro.

Die Gastronomie als Spitzenreiter der Tarifflucht

Besonders prekär ist die Situation beim Thema Tarifbindung. Laut Hendrik Hallier, Geschäftsführer der NGG Rhein-Main, gehört das Gastgewerbe zu den Branchen mit der höchsten Rate an Tarifflucht. Viele Hoteliers und Restaurantbesitzer im Main-Kinzig-Kreis würden einen weiten Bogen um tarifliche Vereinbarungen machen. 

Damit fallen für die Angestellten nicht nur höhere Grundgehälter weg, sondern oft auch wichtige soziale Standards wie Zuschläge für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen sowie großzügigere Urlaubsregelungen. Wer seine Mitarbeiter lediglich mit dem Mindestlohn abspeise, handele laut Gewerkschaft nicht nachhaltig, sondern riskiere die Zukunft der gesamten Branche.

Beratung für Beschäftigte im Kreis

Angesichts der komplexen Lohnstrukturen und der oft fehlenden Transparenz bietet die Gewerkschaft den Beschäftigten der Branche im Main-Kinzig-Kreis aktive Unterstützung an. Mitarbeiter von der Barkeeperin bis zum Hotelangestellten können ihren Lohnzettel prüfen lassen und sich über die ihnen zustehenden Tarifkonditionen informieren. 

Das Ziel der NGG ist klar: Die zusätzlichen Gewinne aus der Mehrwertsteuersenkung dürfen nicht allein in den Taschen der Wirte landen, sondern müssen auch bei denjenigen ankommen, die täglich in der Küche und im Service die Arbeit leisten. (red)