GIEßEN

Hunde-Minis Ernie und Bert durchlebten die Hölle: Kann das Tierheim Gießen helfen?

Ernie und Bert aus dem Gießener Tierheim.
Foto: Tierschutzverein Gießen
von Redaktion Kinzig News


Sonntag, 15.03.2026

Nach einer Rettung aus verwahrlosten Zuständen hoffen zwei Yorkshire Terrier im Tierheim Gießen auf einen Neuanfang. Die beiden Rüden, die aufgrund ihrer dramatischen Vorgeschichte nur im Doppelpack vermittelt werden, stehen sinnbildlich für die Schattenseiten rücksichtsloser Zuchtpraktiken.

Es ist eine Freundschaft, wie sie im Buche steht – oder eben in der Sesamstraße. Ernie und Bert, zwei kastrierte Yorkshire Terrier, teilen nicht nur ihre Namen mit dem berühmten Duo, sondern auch eine tiefe, unzertrennliche Bindung. Während Bert, der sechsjährige Rüde in der Farbe Choco Merle, seinem jüngeren Gefährten Stabilität gibt, ist der am 9. März 2024 geborene Ernie ohne seinen Freund verloren. Die beiden wurden im Tierheim abgegeben, da ihre Vorbesitzer mit dem Zeitaufwand und der Pflege schlichtweg überfordert waren.

Zustand der kleinen Hunde schockierte die Tierschützer

Der Zustand, in dem die beiden Tiere die Tierschützer erreichten, lässt sich kaum anders als erschreckend beschreiben. Wie aus dem aktuellen Vermittlungsbericht des Tierschutzvereins Gießen und Umgebung hervorgeht, litten die Hunde unter massiven Verfilzungen am ganzen Körper, die so extrem waren, dass sie nicht mehr auf ihren Pfotenballen, sondern auf harten Filzmatten liefen. Ein Flohbefall und mit Kot verschmiertes Fell zeugten zusätzlich von der Vernachlässigung, der sie ausgesetzt waren, bevor sie endlich in professionelle Obhut kamen.

Hinter der Fassade des ungleichen Paares verbirgt sich ein ernster Hintergrund: Beide stammen aus einer unseriösen Vermehrung. Besonders der junge Ernie ist ein tragisches Beispiel für die Folgen einer sogenannten „Merle-zu-Merle“-Verpaarung. Was viele Menschen aufgrund der besonderen Optik attraktiv finden, beruht auf einem Gendefekt. Werden zwei Träger dieses Gens verpaart, resultiert dies oft in schwer kranken Welpen. Ernie ist nahezu blind, vermutlich taub und leidet unter Gleichgewichtsstörungen, die ihn oft im Kreis laufen lassen.

Die bittere Bilanz einer verantwortungslosen Zucht

Trotz seiner körperlichen Einschränkungen zeigt sich der fast zwei Jahre alte Rüde beeindruckend lebensfroh. Er orientiert sich stark an seinem Geruchssinn und weicht seinem großen Freund Bert nicht von der Seite. Sobald Ernie die Anwesenheit eines Menschen bemerkt, reagiert er mit großer Freude. Tierärztliche Behandlungen und erste Pflegemaßnahmen hat er tapfer gemeistert, wobei er vor allem die anschließenden Kuscheleinheiten sichtlich genießt und die menschliche Nähe sucht.

Bert fungiert in diesem Gespann als der ruhende Pol. Der sechsjährige Rüde ist nicht nur eine physische Stütze für den behinderten Ernie, sondern hängt emotional ebenso stark an seinem Gefährten. Er zeigt sich im Tierheim bisher als freundlicher und eher ruhiger Charakter, der Streicheleinheiten und Fellpflege mittlerweile zu schätzen weiß. Da die beiden Hunde eine sehr spezifische Betreuung benötigen, empfiehlt der Verein den Besuch einer Hundeschule und sucht nach einem Haushalt, in dem Kinder bereits älter und verständnisvoll sein sollten.

Ein ruhiges Umfeld als Schlüssel zum neuen Glück

Wer Ernie und Bert ein neues Leben schenken möchte, muss sich des pflegerischen Aufwands bewusst sein. Da Ernie viel Fürsorge und ein stabiles, ruhiges Umfeld benötigt, ist dieses Duo eine Aufgabe für erfahrene Hundefreunde. Interessenten können sich per E-Mail an info@tsv-giessen.de wenden, um die beiden kennenzulernen. 

Auch Paten, die den Weg der beiden Terrier finanziell unterstützen möchten, werden vom Tierheim Gießen aktuell gesucht, um die medizinische Versorgung der beiden sicherzustellen. (red)