HANAU

Zwei Menschen an Bord: 27-Jähriger zückt Pistole in Hanau und schießt auf Auto

Prozessauftakt in Hanau wegen Schüssen auf Auto. (Symbolfoto)
Foto: Pixabay/WilliamCho
von Redaktion Kinzig News


Sonntag, 15.03.2026

Ab Mittwoch, dem 25. März, muss sich ein 27-jähriger Hanauer vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts verantworten, nachdem er im Juni 2025 mehrfach auf ein besetztes Fahrzeug gefeuert haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann vor, dabei den Tod zweier Insassen billigend in Kauf genommen zu haben.

Der zur Verhandlung stehende Vorfall ereignete sich am 6. Juni des vergangenen Jahres. Laut Anklage soll der 1998 geborene Deutsche mit einer schwarzen Pistole insgesamt sechs Schüsse auf ein Auto abgegeben haben. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich zwei Personen in dem Fahrzeug. Dass die Situation nicht tödlich endete, ist offenbar nur den Umständen zu verdanken – die Projektile drangen unter anderem in den Innenspiegel und die Zierleiste ein, während die Fahrerscheibe durch die Wucht der Schüsse vollständig zertrümmert wurde.

Eskalation nach körperlicher Auseinandersetzung

Hintergrund der Tat war nach Informationen des Landgerichts Hanau offenbar ein Streit über finanzielle Verpflichtungen. Demnach sei es zwischen dem Angeklagten und einem der späteren Opfer zu einer Auseinandersetzung über die Rückzahlung von Schulden gekommen. Im Zuge dieses Konflikts soll der Zeuge den 27-Jährigen zunächst getreten und geschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft betont jedoch einen entscheidenden Punkt für die rechtliche Bewertung: In dem Moment, als die Schüsse fielen, soll für den Angeklagten keine unmittelbare Gefahr mehr bestanden haben.

Der Zeuge war zu diesem Zeitpunkt bereits in das Fahrzeug gestiegen, um den Tatort zu verlassen. Trotz der erkennbaren Absetzbewegung soll der Angeklagte die Waffe gezogen und das Magazin leergeschossen haben. Erst als die Munition aufgebraucht war, gelang dem Fahrer die Flucht. Die Insassen kamen mit vergleichsweise leichten Verletzungen davon: Während der Fahrer eine Schnittwunde durch Glassplitter an der Hand erlitt, davonzog, trug der zweite Zeuge eine blutende Wunde am Ringfinger davon.

Prozessauftakt vor der Schwurgerichtskammer

Die rechtlichen Vorwürfe wiegen schwer. Die Staatsanwaltschaft führt neben versuchtem Totschlag auch gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung ins Feld. Da es sich um ein Kapitalverbrechen handelt, wird der Fall vor der 1. Schwurgerichtskammer im Saal A 215 verhandelt. Der Prozess ist auf mehrere Tage angesetzt, um die Geschehnisse jenes Sommertages im Detail zu rekonstruieren und die Schuldfähigkeit sowie die Motivlage des Hanauers zu klären.

Nach dem Auftakt am 25. März sind bereits vier Fortsetzungstermine im April geplant. Jeweils ab 9 Uhr wird das Gericht am 1., 2., 14. und 23. April Zeugen hören und die ballistischen Ergebnisse bewerten. 

Da der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat das Magazin seiner Waffe vollständig geleert haben soll, steht insbesondere die Frage im Raum, ob eine Tötungsabsicht vorlag oder ob die Tat als Reaktion auf die vorangegangene körperliche Attacke juristisch anders bewertet werden muss. (red)