MAIN-KINZIG-KREIS
Nach plötzlichem Tegut-Aus: Thorsten Stolz nimmt Vorstand in die Pflicht
Foto: Tegut
Samstag, 14.03.2026
Nach der Ankündigung der Migros Zürich, sich vom deutschen Markt zu trennen, wächst die Unruhe im Main-Kinzig-Kreis. Landrat Thorsten Stolz sucht nun das direkte Gespräch mit der Tegut-Geschäftsführung, um die Nahversorgung und hunderte Arbeitsplätze in der Region zu sichern.
Die Nachricht über den geplanten Verkauf der Fuldaer Supermarktkette hat eine Welle der Verunsicherung ausgelöst, die bis in die kleinsten Gemeinden des Landkreises reicht. Landrat Thorsten Stolz reagierte umgehend und wandte sich in einem offiziellen Schreiben an den Tegut-Geschäftsführer Sven Kispalko. Ziel ist es, verlässliche Informationen über die Zukunft der konventionellen Märkte und der digitalen Kleinstfilialen zu erhalten.
Tegut gilt als prägender Arbeitgeber der Region
Das Unternehmen gilt im Main-Kinzig-Kreis nicht nur als etablierter Nahversorger, sondern auch als einer der prägenden Arbeitgeber der Region. Wie aus einer Pressemitteilung des Main-Kinzig-Kreises hervorgeht, bereitet vor allem die hohe Dichte an Standorten Sorgen, sollte ein Verkauf an Branchenriesen wie Edeka oder Rewe erfolgen.
In einem solchen Szenario befürchten Beobachter, dass kleinere oder weniger rentable Filialen dem Rotstift zum Opfer fallen könnten. Besonders für die Beschäftigten, von denen viele bereits seit Jahrzehnten für das Unternehmen tätig sind, geht es laut Stolz um nichts Geringeres als ihre berufliche Existenz.
Existenzängste hinter der Ladentheke
Hinter den wirtschaftlichen Kennzahlen stehen Einzelschicksale, die der Landrat in den Fokus rückt. Die Sorge der Mitarbeitenden um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze ist nachvollziehbar und erfordert eine transparente Kommunikation seitens der Konzernspitze. Stolz macht deutlich, dass die kommunalen Entscheidungsträger ein berechtigtes Interesse daran haben, zeitnah über den Stand der Verkaufsverhandlungen in Kenntnis gesetzt zu werden. Eine offene Informationspolitik sei das einzige Mittel, um der aktuellen Verunsicherung entgegenzuwirken.
Neben den Arbeitsplätzen steht die Infrastruktur des ländlichen Raums auf dem Spiel. In vielen kleineren Ortschaften haben gerade die innovativen "Teo"-Mini-Märkte wichtige Versorgungslücken geschlossen, die andere Ketten längst aufgegeben hatten. Der Landrat erkundigte sich daher gezielt, ob Bestandsgarantien für diese systemrelevanten Standorte Teil der laufenden Verhandlungen sind, um die Grundversorgung der Bürger nicht zu gefährden.
Nahversorgung im ländlichen Raum unter Druck
Die zentrale Frage bleibt, wie viel Gewicht sozialen Kriterien und der regionalen Versorgungspflicht beigemessen wird, wenn Großkonzerne über Übernahmen verhandeln. Thorsten Stolz fordert hier Klarheit und hat dem Tegut-Vorstand bereits einen runden Tisch mit den betroffenen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern des Kreises angeboten. Er sieht die Verantwortlichen in der Pflicht, Farbe zu bekennen und aufzuzeigen, welche Filialen und digitalen Standorte konkret auf der Kippe stehen könnten.
Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit ist für den Landrat in dieser Phase der entscheidende Faktor. Auch wenn die Rahmenbedingungen des Verkaufs bis jetzt nicht final feststehen, dürfe dies kein Argument für eine Geheimhaltungspolitik gegenüber den Kommunen sein.
Es gelte nun, gemeinsam Lösungen zu finden, die sowohl die wirtschaftliche Rentabilität als auch die Lebensqualität und Versorgungssicherheit im Main-Kinzig-Kreis dauerhaft gewährleisten. (red)