MAIN-KINZIG-KREIS

Zahlreiche Apotheken in der Region bleiben am Montag geschlossen

Etliche Apothekerinnen und Apotheker aus der Region beteiligen sich an der bundesweiten Protestaktion, darunter (von links): Marc Brauer, Henriette Krick, Dr. Thomas Fendert, Philipp Merz und Christopher
Foto: Bensing & Reith
von Redaktion Kinzig News


Sonntag, 22.03.2026

Die flächendeckende Arzneimittelversorgung ist akut gefährdet: Das sagen zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker aus der Region und beteiligen sich deshalb am bundesweiten Protesttag am Montag, 23. März.

„Wir wollen die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sicherstellen und für die Menschen da sein. Wir protestieren nicht zum Spaß, es geht um die wirtschaftliche Existenz unserer Apotheken“, betont Dr. Thomas Fendert von der Fliedener Marien-Apotheke.

Aus der Region beteiligen sich neben der Marien-Apotheke auch viele aus dem Main-Kinzig-Kreis an dem bundesweiten Streik, darunter die easyApotheke in Bad Soden-Salmünster, die Lotichius-Apotheke sowie die Rathaus- und Bergwinkel-Apotheke aus Schlüchtern, die Einhorn- und die Löwen-Apotheke in Sinntal sowie die Steinauer Brüder-Grimm-Apotheke.

„Der Staat hat uns eine Aufgabe zugeteilt und muss auch die Grundlage dafür schaffen, dass wir wirtschaftlich arbeiten können. Sonst finden wir bald keine Leute mehr, die noch Lust auf diesen tollen Beruf haben“, befürchtet Philipp Merz von der Brüder-Grimm-Apotheke in Steinau.

"Wir werden kaputt gespart"

Das Problem: Seit mehr als zehn Jahren wurde das Honorar für Arzneimittel nicht mehr angepasst, während die Kosten der Apothekenbetriebe um 65 Prozent gestiegen sind. „Das ist einfach nicht mehr zu stemmen. Wir werden kaputt gespart. Es drohen dramatische Versorgungslücken, gerade hier bei uns im ländlichen Raum“, sagt Marc Brauer, der in Sinntal die Einhorn- und Löwen-Apotheke leitet.

Bundesweit ist in den vergangenen Jahren fast jede fünfte Apotheke verschwunden. In Hessen sind es knapp 20 Prozent weniger als noch vor 13 Jahren. Und in mehr als 20 hessischen Kommunen gibt es gar keine Apotheke mehr. Deshalb fordert auch die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände eine Anpassung und regelmäßige Dynamisierung des Honorars von der Regierung.

Tausende Apotheken bundesweit beteiligen sich an Streik

Apotheken erfüllen eine enorm wichtige Aufgabe, gerade im ländlichen Raum, unterstreicht Christopher Rindt von der Schlüchterner Lotichius-Apotheke: „Wir sind nicht einfach nur Ausgabestelle für Medikamente. Wir beraten die Patientinnen und Patienten, wir mischen individuelle Rezepturen an und leisten 24-Stunden-Nacht- und Notdienste. Wir sind da für die Menschen in der Region.“ Und jetzt müsse die Regierung für die Apotheken da sein.

An dem Protesttag beteiligen sich Tausende Apotheken im ganzen Bundesgebiet: In Düsseldorf und Hannover, aber auch am Fuldaer Bahnhofsvorplatz finden sogar Demonstrationen statt. Am Dienstag haben die Apotheken dann wieder geöffnet. Für Notfälle übernehmen in der Region drei Apotheken am Montag, 23. März, den Notdienst (siehe unten).

Abschließend betont Marc Brauer: „Wir demonstrieren am kommenden Montag, damit wir auch in Zukunft für unsere Patientinnen und Patienten da sein können. Damit wir die Menschen gut versorgen können, benötigen wir eine leistungsgerechte Anpassung. Um nichts anderes geht es.“

Notdienstapotheken:

Jossa Apotheke (Frankfurter Str. 44, 63637 Jossgrund)

Schwan-Apotheke (Altstadt 14, 97769 Bad Brückenau)

Bären Apotheke (Dalbergstraße 22, 36037 Fulda)