MARBURG
Uhu-Nachwuchs in Gefahr: Drei Küken aus Marburger Kirchturm gerettet
Foto: Maik Dobbermann NABU Marburg
Dienstag, 24.03.2026
Tausende hatten noch vor wenigen Tagen gebannt zugeschaut, wie im Livestream des Nabu ein Küken nach dem anderen im Nistkasten am Südturm der Elisabethkirche in Marburg schlüpfte. Drei kleine Uhus, frisch im Leben. Doch dann kam eine plötzliche Wende: Vater "Hugo" verschwand – und mit ihm die lebenswichtige Nahrung.
Als klar wurde, dass der Nachwuchs nicht mehr versorgt wurde, spitzte sich die Lage dramatisch zu. Mutter "Lisbeth" konnte die Küken nicht alleine versorgen. Die Küken wurden schwächer, eins zeigte bereits Anzeichen einer Unterkühlung. Für die Naturschützer war klar: Jetzt zählt jede Minute.
Rettung in letzter Minute: Neue „Pflegemutter“ wartet schon
Am Montagmittag (23. März) rückten Nabu-Aktive und Biologen an. In einer koordinierten Aktion kletterten sie in den Turm – und holten die drei geschwächten Jungvögel aus dem Nistkasten. Vor Ort übernahm eine Expertin die Erstversorgung: Wärmebox, erste Fütterung, Stabilisierung.
Von dort ging es direkt weiter in eine spezialisierte Wildvogelstation. Die gute Nachricht: Alle drei Küken sind inzwischen stabil. In den kommenden Tagen sollen die kleinen Uhus nicht alleinbleiben: Geplant ist die Eingliederung in eine bestehende Aufzucht – bei einem erfahrenen Ammen-Weibchen namens „Momo“, das schon mehrfach erfolgreich Nachwuchs großgezogen hat. Allerdings hat die Rettung ihren Preis: Rund 1.000 Euro pro Jahr kostet allein das Futter für die drei Jungtiere.
Uhu-Küken in Marburg: Warum überhaupt eingegriffen wurde
Eigentlich gilt im Naturschutz: nicht eingreifen. Wildtiere sollen ohne menschliche Hilfe zurechtkommen. Doch dieser Fall war anders. Denn die Gefahren, denen Uhus heute ausgesetzt sind, sind oft menschengemacht – etwa durch Stromleitungen oder Verkehr. Ob genau das auch "Hugo" zum Verhängnis wurde, ist unklar. Sicher ist nur: Er kam nicht mehr zurück. Deshalb entschieden sich die Verantwortlichen bewusst für die Ausnahme – und retteten die Küken.
Für Mutter "Lisbeth" dürfte der leere Nistkasten ein Schock gewesen sein. Jetzt ist sie wieder auf sich alleine gestellt und muss selbst jagen, um zu überleben. Wie es weitergeht? Der Nabu hofft, dass der Nistplatz auch künftig wieder genutzt wird. Und sollte „Hugo“ verschwunden bleiben, wird sich Lisbeth im Herbst wohl einen neuen Partner suchen. Für die drei kleinen Uhus gilt aber vorerst: Sie haben eine zweite Chance bekommen.