FRANKFURT AM MAIN

Frankfurt: Kriminalität steigt – Polizei kämpft gegen neue Gewalt-Trends

Am Mittwoch hat Polizeipräsident Stefan Müller die jährliche Polizeiliche Kriminalstatistik (KS) vorgestellt. (Symbolbild)
Foto: AG-Pics/pixabay
von Redaktion Kinzig News


Mittwoch, 25.03.2026

Die Frankfurter Polizei hat am Mittwoch (25. März) die Polizeiliche Kriminalstatistik  (PKS) für das Jahr 2025 präsentiert. Polizeipräsident Stefan Müller stellte die Zahlen gemeinsam mit dem Leiter der Kriminaldirektion, Viktor Lekic, und der Leiterin des Gewaltschutzkommissariats, Verena Gerstendorff, und Thomas Hollerbach vor. Dabei gab er Einblicke in Entwicklung, Herausforderungen und Erfolge im vergangenen Jahr.

Insgesamt wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums 113.03 Straftaten registriert. Das ist ein leichter Anstieg um 336 Fälle im Vergleich zum Vorjahr. Die Aufklärungsquote liegt mit 62,5 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau.

Gesellschaftlicher Druck spiegelt sich in Straftaten wider

Besonders auffällig: Delikte wie Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung nehmen weiter zu. Insgesamt stiegen die sogenannten Rohheitsdelikte auf 16.005 Fälle – ein Trend, der sich laut Polizei seit Jahren fortsetzt. 

Polizeisprecher Müller sieht darin ein gesellschaftliches Problem: Die zunehmenden Krisen der vergangenen Jahre hätten spürbare Auswirkungen auf das Miteinander. Der Umgangston sei rauer geworden und Konflikte eskalierten schneller, sowohl online als auch im Alltag.

Neues Kriminalitätsphänomen: „Violence as a Service“

Für Aufmerksamkeit sorgte auch ein neues Phänomen: "Violence as a Service" (VaaS). Dabei werden – teils aus dem Ausland – Personen gezielt für Straftaten angeworben und eingesetzt. Die Täter agieren arbeitsteilig und oft über Landesgrenzen hinweg. 

Zwischen Juli und September 2025 wurden im Rhein-Main-Gebiet mehrere schwere Taten im Zusammenhang mit diesem Modell registriert, darunter auch Brandstiftungen und Explosionen. Die Polizei betont: Die Ermittlungen sind komplex, doch man sei gut aufgestellt – auch dank internationaler Zusammenarbeit.

Erfolge in der Innenstadt – weniger Raub und Diebstahl

Positiv entwickelt haben sich hingegen mehrere Bereiche der Straßenkriminalität. Durch verstärkte Polizeipräsenz, Videoschutzanlagen und Waffenverbotszonen konnten die Fallzahlen deutlich gesenkt werden.

Die Polizei sieht darin den Erfolg einer gezielten Strategie aus Präsenz, Kontrolle und moderner Technik. Besonders die Videoüberwachung habe sich als wirksames Mittel erwiesen, um Täter schneller zu identifizieren und Straftaten aufzuklären.

Rauschgift und Waffen: harte Linie im Einsatz

Ein Schwerpunkt lag erneut auf der Bekämpfung des Drogenhandels. Die Zahl der entsprechenden Straftaten wurde durch intensive Kontrollen deutlich gesteigert. Gleichzeitig sank die Gesamtzahl der Betäubungsmitteldelikte, auch durch die neue Cannabis-Regelung.

Auch die Waffenverbotszonen zeigen Wirkung: Im Bahnhofsgebiet und in Alt-Sachsenhausen wurden zahlreiche Messer und andere gefährliche Gegenstände sichergestellt. Von Einhandmessern über Schlagstöcke bis hin zu einer Machete war alles dabei. 

Kriminalstatistik 2025: Häusliche Gewalt auf Höchststand

Besonders alarmierend ist der Anstieg im Bereich der häuslichen Gewalt: Mit 2.281 Fällen wurde ein neuer Höchststand erreicht. Rund 80 Prozent der Opfer sind Frauen.

Die Polizei reagiert mit speziellen Schutzmaßnahmen und enger Betreuung der Betroffenen. Ziel ist es, gefährliche Situationen frühzeitig zu erkennen und schwere Gewalttaten zu verhindern – unter anderem durch Risikobewertungen und im Extremfall auch elektronische Aufenthaltsüberwachung.

Fazit: Zwischen Fortschritt und neuen Herausforderungen

Auch Einsatzkräfte selbst geraten immer häufiger ins Visier: Die Fälle von Angriffen auf Polizisten und Rettungskräfte stiegen deutlich an. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Angriffen auf Rettungsdienste. 

Die Bilanz der Frankfurter Polizei fällt insgesamt gemischt aus: Während einige Deliktsbereiche dank gezielter Maßnahmen rückläufig sind, nehmen andere – insbesondere im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich – weiter zu.

Klar ist: Die Herausforderungen für die Sicherheitsbehörden bleiben hoch. Doch die Polizei sieht sich für die kommenden Aufgaben gut gerüstet – mit moderner Technik, internationaler Zusammenarbeit und verstärkter Präsenz auf Frankfurts Straßen.