FRANKFURT AM MAIN
Warum der Frankfurter Bongo-Bulle Fitz seine Heimat verlassen muss
Foto: Zoo Frankfurt/Detlef Möbius
Dienstag, 31.03.2026
Der Zoo Frankfurt beteiligt sich an einem internationalen Artenschutzprojekt für eine der seltensten Antilopen der Welt. Im Mittelpunkt steht der Östliche Bongo, auch Bergbongo genannt, der in der Natur inzwischen nahezu ausgestorben ist.
Wie der Zoo Frankfurt mitteilt, gehört der in Frankfurt geborene Bongo-Bulle Fitz zu mehreren Tieren aus europäischen Zoos, die über den Safari Park Dvůr Králové in Tschechien auf eine Weiterreise nach Kenia vorbereitet werden. Dort sollen sie Teil eines Zucht- und Wiederansiedlungsprogramms werden.
Vier Bullen sollen den Genpool stärken
Geplant ist, dass vier geeignete Bongo-Bullen nach einer Quarantäne und weiteren Untersuchungen nach Kenia gebracht werden. Dort sollen sie in der Mount Kenya Wildlife Conservancy in eine gemanagte Population integriert werden, um den Genpool aufzufrischen.
Nach Angaben der Projektpartner leben dort derzeit 100 Bongos in menschlicher Obhut. Die Einrichtung liegt am Rand des Mount-Kenya-Nationalparks, einem früheren Lebensraum der Antilopen, in dem aktuell keine freilebenden Bongos mehr vorkommen.
Frankfurt ist seit Jahrzehnten dabei
Der Zoo Frankfurt hält Östliche Bongos bereits seit 1970. Drei Jahre später kam dort nach Angaben des Zoos das erste in Europa geborene Kalb dieser Unterart zur Welt. Insgesamt wurden in Frankfurt bislang 29 Jungtiere geboren.
Für das europäische Zuchtprogramm wurden insgesamt fünf Bongo-Bullen nach Kriterien wie Alter und Genetik ausgewählt. Neben Fitz kamen weitere Tiere aus Berlin sowie aus Zoos in Tschechien, der Slowakei und Dänemark nach Dvůr Králové.
Umfangreiche Vorbereitung vor dem Transport
Vor der möglichen Weiterreise nach Afrika wurden die Tiere bereits in ihren Ursprungszoos umfassend tiermedizinisch untersucht. Nach der vorgeschriebenen Quarantäne sollen die vier geeignetsten Bullen ausgewählt und erneut untersucht werden.
Der Safari Park Dvůr Králové übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Nach den Angaben der Beteiligten verfügt der Park über langjährige Erfahrung beim Transport großer Huftiere nach Afrika.
Ziel ist eine stabile Population in Kenia
Langfristig soll das Programm nicht bei der Haltung in menschlicher Obhut stehenbleiben. Vielmehr sollen die Nachkommen der ausgewählten Bullen schrittweise auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet werden.
Dafür sollen die Gehege nach und nach größer werden, die Betreuung durch Menschen reduziert und das Zufüttern eingestellt werden. Am Ende steht das Ziel, wieder freilebende Bongos im Mount-Kenya-Nationalpark anzusiedeln.
Artenschutz mit vielen Partnern
An dem Projekt beteiligt sind unter anderem der Europäische Zooverband EAZA, der Kenya Wildlife Service und die Mount Kenya Wildlife Conservancy. Die EAZA koordiniert nach eigenen Angaben eine genetisch robuste Ex-situ-Population von 172 Tieren in 46 europäischen Zoos.
Zoo-Direktorin Christina Geiger nennt die Entwicklung dringlich und verweist darauf, dass Östliche Bongos in der Natur bereits an mehreren Orten verschwunden seien. Die Zeit dränge. Gerade deshalb sei es wichtig, dass viele Partner ihre Kräfte bündelten, um das vollständige Aussterben zu verhindern. (red)