FULDA / MKK

Impuls von Stefan Buß: Der Bund Gottes – von Abraham bis Christus

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda
Foto: Hendrik Urbin/KN
von STEFAN BUß


Mittwoch, 22.04.2026

Es gibt Worte, die tragen ein ganzes Leben. Eines dieser Worte ist: Bund. Ein Bund ist mehr als ein Vertrag. Er ist kein Geschäft auf Zeit. Ein Bund ist ein Versprechen des Herzens – getragen von Treue, gegründet in Liebe.

Wenn wir in die Geschichte Abrahams schauen, sehen wir genau das: Gott ruft einen Menschen heraus aus seiner Sicherheit, aus seiner Heimat, aus allem, was er kennt. Und er spricht zu ihm: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“

Das ist der Anfang eines Bundes – nicht, weil Abraham etwas Besonderes geleistet hätte, sondern weil Gott sich entscheidet, treu zu sein. Abraham hatte keine Sicherheiten. Keine Landkarte, keinen Plan. Nur ein Wort Gottes. Und dieses Wort war größer als seine Angst.

Gott verspricht ihm:



Das Entscheidende: Dieser Bund hängt nicht zuerst an Abrahams Stärke, sondern an Gottes Treue. Immer wieder zweifelt Abraham, immer wieder stolpert er – und doch bleibt Gott. Der Bund ist also kein perfekter Weg des Menschen zu Gott, sondern Gottes treuer Weg zum Menschen.

Aus Abraham wird ein Volk. Dieses Volk erlebt Befreiung, Gesetz, Verheißung – und auch Scheitern. Immer wieder bricht das Volk den Bund. Immer wieder entfernt es sich. Und doch geschieht etwas Erstaunliches: Gott kündigt den Bund nicht auf. Stattdessen erneuert er ihn. Er ruft Propheten, er mahnt, er tröstet. Es wird deutlich: Dieser Bund ist nicht zerbrechlich wie menschliche Abmachungen – er ist getragen von Gottes Geduld.

Aber gleichzeitig wächst eine Sehnsucht: Kann es einen Bund geben, der wirklich hält? Einen Bund, der nicht immer wieder zerbricht? Und dann kommt Jesus. In ihm geschieht etwas radikal Neues – und doch zugleich etwas zutiefst Vertrautes. Denn Gott bleibt sich treu. Der Bund mit Abraham wird nicht ersetzt, sondern erfüllt.

Jesus spricht beim letzten Mahl von einem "neuen Bund". Was ist daran neu?



In Jesus geht Gott selbst den Weg des Bundes bis zum Äußersten. Er bleibt treu – sogar dort, wo der Mensch untreu wird. Er liebt – sogar dort, wo ihm Ablehnung begegnet. Am Kreuz wird sichtbar: Dieser Bund kann nicht mehr zerbrechen. Denn Gott selbst trägt ihn. Durch Christus entsteht ein neues Gottesvolk. Nicht definiert durch Herkunft, sondern durch Vertrauen. Nicht begrenzt durch Grenzen, sondern geöffnet für alle Menschen.

Wir gehören dazu – nicht, weil wir alles richtig machen, sondern weil Gott uns ruft, so wie er Abraham gerufen hat. Auch wir stehen oft zwischen Vertrauen und Zweifel. Auch wir gehen Umwege. Aber der Bund bleibt. Das ist die große Hoffnung: Gott sagt nicht: „Ich bleibe bei dir, wenn du stark bist.“ Er sagt: „Ich bleibe bei dir – Punkt.“ Was bedeutet das für uns heute?

Es bedeutet:



Und wie Abraham sind auch wir gerufen, ein Segen zu sein. Der Bund Gottes ist nie nur für uns selbst gedacht. Er will durch uns weiterwirken – in unsere Familien, in unsere Gemeinschaft, in diese Welt. Der Bund Gottes ist wie ein roter Faden durch die Geschichte – von Abraham bis Christus, und von Christus bis in unser Leben heute.

Es ist ein Bund, der nicht bricht. Ein Bund, der trägt. Ein Bund, der Zukunft schenkt.