HESSEN
Jetzt schlüpfen sie aus dem Boden: Die Maikäfer sind wieder da
Symbolbild: pixabay
Sonntag, 19.04.2026
Maikäfer, einst durch Verfolgung und Vergiftung nahezu ausgerottet, erleben in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Erholung. In diesen Tagen schlüpfen die braunen Käfer wieder aus dem Boden, wobei die größten Populationen im Südwesten Deutschlands zu finden sind.
Ein beeindruckendes Naturschauspiel bietet sich aktuell im Lorscher Wald nördlich von Mannheim: Tausende Maikäfer hängen dort dicht an dicht in den Eichenästen, fressen das frische Grün und hinterlassen dabei kleine Kotkügelchen. Verliert ein Käfer das Gleichgewicht oder wird vom Wind erfasst, fällt er zu Boden, richtet sich mühsam auf und fliegt brummend zum nächsten Ast, um weiterzufressen.
Maikäfer gehören zur Familie der Blatthornkäfer, benannt nach den blattförmigen Lamellen ihrer Fühler. Mit bis zu 50.000 Geruchssensoren spüren die Männchen paarungsbereite Weibchen auf. Nach der Begattung legen die Weibchen ihre Eier ins Erdreich. Die daraus schlüpfenden Larven, bekannt als Engerlinge, entwickeln sich über vier Jahre im Boden und ernähren sich von Pflanzenwurzeln. Im Herbst des letzten Jahres wandeln sie sich in fertige Käfer, überwintern im Erdreich und schlüpfen Ende April. Der anschließende Reifefraß dauert etwa sechs Wochen.
Früher bekämpfte man die Käfer verzweifelt
Obwohl kahl gefressene Bäume meist durch den Johannistrieb im Juni neue Blätter bilden, kann der Wurzelfraß der Engerlinge insbesondere für Jungbäume verheerend sein. Kein Wunder, dass sie in der Vergangenheit massenhaft bekämpft wurden. Die Versuche, das Problem in den Griff zu bekommen, waren aber meist von Verzweiflung geprägt. Im Jahr 1320 versuchte man in Avignon den kleinen Insekten sogar gerichtlich zu befehlen sich „binnen drei Tagen auf ein ihnen durch Tafeln bezeichnetes Feld zurückzuziehen, woselbst Nahrung für sie vorhanden sei, und dass die Zuwiderhandelnden als vogelfrei behandelt und ausgerottet werden sollten.“
Lange Zeit war die einzige wirksame Methode das Einsammeln der Krabbler. In Wien kamen so 1951 eine halbe Milliarde (!) Tiere zusammen. Aus ihnen machte man tonnenweise eiweißhaltiges Maikäfermehl zur Verfütterung an Hühner und Schweine. Aber nicht unsere Nutztiere konnten sich vom Geschmack der Maikäfer überzeugen, auch für unsere Ernährung wurden sie genutzt - unter anderem für eine Maikäfersuppe.
Eine halbe Milliarde Tiere in Ried?
Heute sind Maikäfer wieder häufiger zu beobachten. Im Hessischen Ried wird in diesem Jahr ein Massenflug von rund einer halben Milliarde Tieren erwartet, insbesondere im Landkreis Groß-Gerau und Darmstadt. Autofahrer sollten sich auf massenhaft im Tiefflug fliegende Käfer einstellen.
Maikäfer haben zahlreiche natürliche Feinde, darunter Vögel, Fledermäuse, Wildschweine und Dachse. Trotzdem können sie bei Massenvermehrungen erhebliche Schäden verursachen. Der Einsatz von Insektiziden wird jedoch kritisch gesehen, da er auch andere Insektenarten gefährdet.