DEUTSCHLAND
Rettungsorganisationen schlagen Alarm: Ist die Existenz der Luftrettung gefährdet?
Symboldbild: Pixabay
Dienstag, 21.04.2026
Die gemeinnützigen Rettungsdienstorganisationen ADAC Luftrettung, DRF Luftrettung und Johanniter Luftrettung warnen in einer gemeinsamen Presseerklärung vor schwerwiegenden Folgen für die notfallmedizinische Versorgung von Millionen von Menschen.
Hintergrund ist der jetzt vorliegende Referentenentwurf zum Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sollten die geplanten Sparmaßnahmen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) in der aktuellen Form verabschiedet werden, werde der Luftrettung in Deutschland schrittweise die finanzielle Grundlage entzogen und die schnelle Hilfe aus der Luft in ihrer Existenz bedroht, schlagen die drei Rettungsdienstorganisationen besorgt Alarm.
"Personelle Sicherstellung der Luftrettung gewährleisten"
Die Luftrettungsorganisationen bemängeln insbesondere die im Entwurf vorgesehene Orientierung an der Grundlohnrate: "Diese bildet zwar die Lohnentwicklung der Gesamtwirtschaft ab, spiegelt jedoch nicht die tatsächlichen Kosten einer hochregulierten, sicherheitskritischen und permanent vorzuhaltenden Infrastruktur wie der Luftrettung wider: Der sichere Betrieb von Luftfahrzeugen setzt eine Vielzahl hochqualifizierter Fachkräfte voraus. Insbesondere Pilotinnen und Piloten sowie medizinisches Personal wie Notfallsanitäterinnen, Notfallsanitäter, Notärztinnen und Notärzte erfüllen höchstqualitative Anforderungen und müssen über jahrelange Erfahrung verfügen. Wettbewerbsfähige Vergütungen sind daher unabdingbar, um die personelle Sicherstellung der Luftrettung zu gewährleisten."
"Unverzichtbare Säule im Rettungswesen"
ADAC Luftrettung, DRF Luftrettung und Johanniter Luftrettung sind sich einig: "Die Grundlohnrate ist zwar eine elementare Stütze der Beitragsstabilität, doch werden die besonderen Bedarfe der Luftrettung im Referentenentwurf nicht ausreichend berücksichtigt. Luftrettung ist eine unverzichtbare Säule im Rettungswesen; Kalkulationen und Verträge in diesem elementaren Bereich der Notfallrettung sind langfristig angelegt. Hubschrauber unterliegen einer Abschreibungszeit von rund 20 Jahren. Eine Deckelung an unbestimmte Grundlohnraten untergräbt die Finanzierungskontinuität und gefährdet die wirtschaftliche Planungssicherheit."
Besonders kritisch in diesem Zusammenhang bewerten die drei Organisationen die geplante zusätzliche einprozentige Absenkung der Kostensteigerungsmöglichkeit unterhalb der Grundlohnrate für die Jahre 2027 bis 2029. Bereits die Begrenzung auf die Grundlohnrate reiche nicht aus, um eine auskömmliche Finanzierung sicherzustellen – eine weitere Minderung mache eine wirtschaftliche Sicherung der Luftrettung unmöglich.
Scharfe Kritik an geplanten Einsparungen
"Die geplanten Einsparungen im Bereich Luftrettung stehen in keinem Verhältnis zum immensen Schaden, der für die notfallmedizinische Versorgung entsteht", erklären die Organisationen. In der Realität entscheide eine gut funktionierende Luftrettung zwischen Überleben und Nicht-Überleben. Sie leiste zudem einen wichtigen volkswirtschaftlichen Beitrag: Schnelle Versorgungszeiten in der Präklinik führen zu verminderten Folgekosten und oft zu einer schnelleren Wiedereingliederung in das Arbeitsleben.
Die vorgesehenen Regelungen stehen für die Organisationen zudem in einem eklatanten Widerspruch zu den Zielen der geplanten Reform der Notfallversorgung: Eine leistungsfähige und flächendeckende Luftrettung als wichtige Säule der Notfallversorgung lasse sich unter diesen Finanzierungsbedingungen nicht mehr sicherstellen.
ADAC Luftrettung, DRF Luftrettung und Johanniter Luftrettung fordern daher dringend eine Anpassung des Referentenentwurfs. (red)