OFFENBACH
Manroland macht seine Pforten in Offenbach dicht: So viele Menschen verlieren ihren Job
Foto: WIkipedia/Offenbacher Jung
Dienstag, 21.04.2026
Die Nachricht hatte sich in den vergangenen Wochen angedeutet, nun ist sie offenbar Gewissheit: Manroland Sheetfed wird das Werk in Offenbach schließen. Nach übereinstimmenden Berichten und Angaben der IG Metall soll die Produktion neuer Maschinen bis 31. Mai enden, der reguläre Geschäftsbetrieb wird zum 1. Juni eingestellt. Ein Großteil der Belegschaft soll dann freigestellt werden, Restarbeiten sollen noch bis Jahresende laufen.
Für Offenbach ist das mehr als nur das Aus eines Unternehmens. Mit Manroland verliert die Stadt einen traditionsreichen Industriestandort. Das Unternehmen entstand 2012 aus der Insolvenz der früheren Manroland AG; damals übernahm die britische Langley Holdings den Bereich Bogenoffsetdruck in Offenbach. Schon damals war die Rettung mit massivem Stellenabbau verbunden.
Schutzschirmverfahren brachte keine Rettung
Anfang März hatte Manroland Sheetfed noch ein Schutzschirmverfahren eingeleitet. Die Muttergesellschaft Langley erklärte damals, sie unterstütze die Restrukturierung finanziell. Hintergrund waren massive wirtschaftliche Probleme, darunter ein drastischer Einbruch im Chinageschäft, das zuvor rund 40 Prozent des Neumaschinengeschäfts ausgemacht haben soll. Für 2025 wurde ein Verlust von 43,2 Millionen Euro genannt.
Damals stand zumindest noch im Raum, den Kern des Unternehmens zu sanieren. Nach Darstellung der IG Metall ist inzwischen aber selbst ein abgespecktes Szenario für Service und Ersatzteile nicht mehr haltbar. Demnach fand sich kein Investor, der bereit gewesen wäre, den Standort als Ganzes zu übernehmen und dafür neues Kapital bereitzustellen. Interesse habe es lediglich an einzelnen Vermögenswerten und Marktorganisationen gegeben, nicht aber an einer Fortführung der Produktion in Offenbach.
Kritik an Eigentümer und Management
Aus Offenbach kommt dazu scharfe Kritik. Oberbürgermeister Felix Schwenke wirft Eigentümer und Management laut den Berichten vor, die Beschäftigten nun ohne tragfähige Perspektive zurückzulassen. Auch die IG Metall spricht von einem vollständigen Aus des Geschäftsbetriebs und warnt vor den Folgen für die Belegschaft und den Standort.
Für die Beschäftigten ist das Aus besonders bitter, weil sie schon seit Wochen in Unsicherheit lebten. Bereits Anfang März hatte die IG Metall von 748 gefährdeten Arbeitsplätzen gesprochen. Jetzt wird aus dieser Gefahr offenbar Realität.
Ende einer Industriegeschichte
Die Werksschließung markiert damit das Ende einer langen Industriegeschichte in Offenbach. Manroland galt über Jahrzehnte als einer der prägenden Namen im Druckmaschinenbau. Dass ausgerechnet für diesen Traditionsbetrieb nun kein Zukunftsmodell mehr gefunden wurde, ist für den Standort auch symbolisch ein harter Einschnitt.
Im Endeffekt bleibt damit vor allem diese Nachricht: Aus der Restrukturierung ist keine Rettung geworden. Für hunderte Beschäftigte und für Offenbach endet zum 1. Juni ein Kapitel, das die Stadt industriegeschichtlich über Jahrzehnte geprägt hat. (red)