HANAU / RODENBACH / OFFENBACH
"Tuning"-Streife nimmt Raser und Poser ins Visier und trifft dabei auf "alten Bekannten"
Symbolbild: KN/Jonas Wenzel (Yowe)
Dienstag, 28.04.2026
Wenn Motoren aufheulen, Geschwindigkeitsgrenzen missachtet und technische Vorschriften bewusst umgangen werden, ist sie zur Stelle: die Streife des Sachgebiets Tuner, Raser und Poser (TRuP).
"Mit gezielten Kontrollen geht sie genau gegen jene Verstöße vor, die die Verkehrssicherheit gefährden und immer wieder Anlass zu Beschwerden geben. Die Einsätze am Sonntag und Montag zeigen eindrücklich, wie notwendig diese spezialisierte Einheit ist", heißt es aus dem Polizeipräsidium Südosthessen.
Hochzeitskorso unter die Lupe genommen
Am Sonntag gegen 14.50 Uhr stellten die Beamten in Hanau auf der Eugen-Kaiser-Straße einen türkischen Hochzeitskorso fest. Mittels Videoaufzeichnung des Nachfahrsystems wurde dokumentiert, wie ein VW Polo die dortige rote Lichtzeichenanlage bei unter einer Sekunde Rotlichtdauer überfuhr. Ein unmittelbar dahinter fahrender Audi A6 überquerte dieselbe Ampel bei bereits über einer Sekunde Rotlicht. Beide Fahrzeuge gehörten zum Korso. Die Fahrer - 50 und 30 Jahre alt - wurden angehalten und kontrolliert. Den Fahrer des VW Polo erwartet ein Bußgeld in Höhe von 90 Euro, gegen den Fahrer des Audi A6 wurde ein Bußgeld von 200 Euro sowie ein einmonatiges Fahrverbot eingeleitet.
Gegen 17 Uhr wurden die Verkehrsspezialisten in Ronneburg auf einen VW Beetle aufmerksam, der bereits zuvor mehrfach durch Bürgerbeschwerden wegen erhöhter Lautstärke und auffälliger Fahrweise aufgefallen war. Der 18-jährige Fahrer und Halter gab gegenüber der Streife einen Defekt am Flexrohr der Abgasanlage an, was vor Ort bestätigt werden konnte. Darüber hinaus wurden weitere technische Mängel festgestellt. Die Kennzeichen wurden sichergestellt, das Fahrzeug in einer Garage abgestellt und die Weiterfahrt untersagt. Zudem wurde der Fahrer zu vorangegangenen Lärmverstößen angehört. Ihn erwartet ein Bußgeld von mindestens 100 Euro.
Viel zu schnell unterwegs
Gegen 20 Uhr fiel den Beamten auf der Bundesstraße 448 in Fahrtrichtung Tannmühlkreisel ein BMW M4 Competition durch eine massive Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf. Die Geschwindigkeit wurde mittels Videonachfahrsystem dokumentiert und erreichte in der Spitze 205 km/h. Den 24-jährigen Fahrer erwarten ein Bußgeld von mindestens 600 Euro, zwei Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg sowie ein zweimonatiges Fahrverbot.
Gegen 20.30 Uhr befand sich die Streife erneut in Hanau im Bereich Kinzigbogen. Dort wurde ein Ford Focus beobachtet, der auf einem Parkplatz mit hoher Geschwindigkeit Runden drehte, wiederholt stark beschleunigte und die Reifen zum Quietschen brachte. Während dieser Fahrmanöver sei es beinahe zu einer Kollision mit einem geparkten Fahrzeug gekommen. Der Vorfall wurde per Video aufgezeichnet.
Platzverweise erteilt
Nachdem der 29-jährige Fahrer anhielt und zu einer sechsköpfigen Personengruppe zurückkehrte, erfolgte die Kontrolle durch die TRuP-Streife sowie zwei weitere hinzugezogene Streifen. Dabei wurde festgestellt, dass der Fahrer nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis war und unter dem Einfluss von Cannabis stand. Zudem lagen gegen ihn ein Vollstreckungshaftbefehl sowie ein Vollstreckungsauftrag verschiedener Staatsanwaltschaften in Höhe von insgesamt über 2.100 Euro vor, die im Anschluss an eine Blutentnahme beglichen wurden.
Der Fahrzeugschlüssel war ihm von einem Bekannten aus der Gruppe überlassen worden, gegen diesen wird nun ein gesondertes Verfahren wegen des Verdachts des Zulassens des Fahrens ohne Fahrerlaubnis eingeleitet. Ein weiterer Teilnehmer der Gruppe, ein 25-Jähriger, wurde dabei beobachtet, wie er an ein geparktes Fahrzeug urinierte. Allen sechs Personen wurde ein Platzverweis für den Bereich Kinzigbogen erteilt. Darüber hinaus wurden weitere Ordnungswidrigkeiten und Fahrzeugmängel festgestellt, die entsprechend geahndet werden.
Auf "alten Bekannten" getroffen
Am Montag setzten die Beamten ihre Kontrollen in Offenbach fort. Im Bereich der Mühlheimer Straße entdeckten sie einen Opel Astra OPC, der durch ein auffällig lautes Abgasgeräusch auf sich aufmerksam machte. Bei der Kontrolle stellte sich heraus, dass das Fahrzeug nahezu auf den Tag genau ein Jahr zuvor bereits wegen zahlreicher Mängel sichergestellt und einem Gutachter vorgeführt worden war; die Betriebserlaubnis war damals erloschen. Ein Abgleich mit dem damaligen Gutachten sowie vorhandenen Lichtbildern ergab, dass sämtliche unzulässig verbauten Teile erneut am Fahrzeug angebracht worden waren, zudem lagen weitere unzulässige Veränderungen vor.
Eine Standgeräuschmessung vor Ort ergab einen Wert von 96 dB bei erlaubten 84 dB. Zum Vergleich: Bei der Sicherstellung im Vorjahr waren bereits 95 dB gemessen worden. Der Fahrzeughalter machte widersprüchliche Angaben zur Wiederinbetriebnahme und zu den erforderlichen Gutachten. Das Fahrzeug wurde erneut sichergestellt und wird wieder einem Sachverständigen vorgeführt. Den Halter erwarten ein Bußgeld in Höhe von 90 Euro sowie die Kosten des Gutachtens; zudem wird von einer vorsätzlichen Begehung ausgegangen. (red)