FULDA / MKK

Impuls von Stefan Buß: "Im Herzen eins"- Motto der Kirchen auf dem Hessentag in Fulda

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda
Foto: Hendrik Urbin/KN
von STEFAN BUß


Mittwoch, 06.05.2026

„Im Herzen eins“ – drei kleine Worte, und doch steckt darin eine große Sehnsucht. So jedenfalls lautet das Motto der Kirchen auf dem Hessentag in Fulda. Gerade in unserer Zeit. Eine Zeit, in der vieles auseinandergeht: Meinungen verhärten sich, Menschen ziehen sich zurück, Gruppen grenzen sich voneinander ab. Viele fragen sich: Was hält uns eigentlich noch zusammen?

Mitten hinein klingt dieses Motto: Im Herzen eins. Es sagt nicht: Wir müssen alle gleich denken. Es sagt nicht: Wir müssen alle dieselben Ansichten haben. Es sagt nicht: Wir müssen alle gleich leben. Nein. Es spricht vom Herzen.

Das Herz ist in der Bibel der Ort, an dem der Mensch wirklich lebt. Dort wohnen Liebe, Hoffnung, Vertrauen, Schmerz, Sehnsucht und Glaube. Wenn Menschen im Herzen eins sind, dann verbindet sie etwas Tieferes als bloße Meinung: gegenseitiger Respekt, Mitgefühl, der Wille zum Frieden, die Offenheit füreinander.

So beschreibt es die Apostelgeschichte: „Sie waren ein Herz und eine Seele.“


Nicht weil sie perfekt waren. Nicht weil es keine Konflikte gab. Sondern weil Christus ihre Mitte war.

Auch die Kirchen selbst wissen: Einheit ist nicht selbstverständlich. Es gibt Unterschiede, verschiedene Traditionen, verschiedene Frömmigkeitsformen. Und doch ist es ein starkes Zeichen, wenn Christen gemeinsam sagen: Was uns verbindet, ist größer als das, was uns trennt.

„Im Herzen eins“ – das ist nicht nur ein Motto für einen Hessentag. Es ist ein Auftrag für jeden Tag. Wo Menschen einander zuhören statt übereinander zu reden, wo jemand dem Einsamen Gesellschaft schenkt, wo Streitende wieder aufeinander zugehen, wo einer dem anderen vergibt, da wird dieses Motto lebendig.

Jesus selbst sagt: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Johannes 13,35)

Nicht an Perfektion. Nicht an Lautstärke. Nicht an Macht. Sondern an Liebe.

Vielleicht fragen wir uns heute: Wie kann das gehen – eins im Herzen sein in einer so zerrissenen Welt?

Die Antwort beginnt klein. Ein freundliches Wort. Ein offenes Ohr. Ein erster Schritt zur Versöhnung. Ein Gebet für jemanden, mit dem ich ringe. Ein Tisch, an dem wieder Platz ist für andere. Gott beginnt Großes oft im Kleinen.

Wenn wir uns von Christus berühren lassen, weitet sich das Herz. Und wo Herzen weit werden, wächst Gemeinschaft.

Darum lasst uns bitten: Herr, mache unsere Herzen weich, wo sie hart geworden sind. Mache unsere Herzen mutig, wo sie ängstlich sind. Mache unsere Herzen weit, wo sie eng geworden sind. Und schenke uns, was wir selbst nicht schaffen: dass wir im Herzen eins werden.