MAINZ

Hättet Ihr es erkannt? Was bei dieser Metzgerei von Grund auf anders ist

Neueröffnung in Mainz. "Die vegane Metzgerei" öffnet ihre Pforten.
Foto: Instagram/Die vegane Fleischerei Mainz
von Redaktion Kinzig News


Sonntag, 03.05.2026

Auf den ersten Blick sieht vieles aus wie in einer klassischen Metzgerei. In der neuen Mainzer Filiale der Veganen Fleischerei geht es allerdings nicht um Schwein, Rind oder Geflügel, sondern um Ersatzprodukte aus pflanzlichen Zutaten wie Erbsen, Weizen, Soja und Gemüse. Angeboten werden unter anderem mehrere Wurstsorten, Schnitzel, Frikadellen und Gulasch ohne tierische Bestandteile.

Der Laden am Gutenbergplatz 2 ist die erste Mainzer Filiale der Kette. Zur Eröffnung bildete sich laut mehrerer Medien eine lange Schlange vor der Tür. Auch Merkurist berichtet von großem Interesse und Eröffnungsaktionen vor Ort.

Geschmack von früher, aber ohne Fleisch

Betreiberin der Mainzer Niederlassung ist Julia Rubin. Sie beschreibt das Konzept als Angebot für Menschen, die den Geschmack von Fleisch und Wurst mögen, aber keine tierischen Produkte essen wollen. Ihr zentraler Satz dazu: „Die Idee ist, dass man den Geschmack aus der Kindheit haben kann, aber ohne Fleisch.“

Neben veganen Wurst- und Fleischalternativen führt der Laden auch Käseersatz ohne Milch. Ein Großteil der Produkte stammt nach Unternehmensangaben aus der Produktionsstätte der Kette in Dresden. Dort sitzt das Unternehmen, das bereits in mehreren Städten vertreten ist.

Auch Frankfurt bekommt eine Filiale

Mainz bleibt nicht der einzige neue Standort in der Region. Schon am 9. Mai soll bereits eine weitere Filiale in Frankfurt eröffnen. Damit rückt das Konzept auch im Rhein-Main-Gebiet stärker in den Alltag von Menschen, die sich vegan ernähren oder ihren Fleischkonsum reduzieren wollen.

Für die Kette ist das ein weiterer Schritt in einen Markt, der längst nicht nur klassische Veganer anspricht. Viele Kunden greifen aus Gründen wie Nachhaltigkeit, Tierwohl oder Gesundheit zu pflanzlichen Alternativen, wollen aber auf vertraute Geschmacksbilder nicht verzichten.

Kritik aus dem Fleischerhandwerk

Ganz konfliktfrei ist das Modell allerdings nicht. Schon bei früheren Eröffnungen der Kette gab es Kritik aus dem Fleischerhandwerk. Der Landesinnungsverband für das Fleischerhandwerk in Baden-Württemberg sprach im vergangenen Jahr von Kundentäuschung, weil vegane Produkte mit Begriffen aus der Fleischwelt beworben würden.

Die Anbieter sehen das anders. Sie argumentieren, dass die Namen bewusst an bekannte Produkte erinnern sollen, um den Umstieg zu erleichtern. Genau darin liegt der Kern des Geschäftsmodells: Die Form bleibt vertraut, die Zutaten ändern sich.

Mehr als ein Nischenladen

Die Mainzer Eröffnung zeigt damit auch einen größeren Wandel im Lebensmittelhandel. Vegane Ersatzprodukte wandern aus dem Kühlregal größerer Supermärkte zunehmend in spezialisierte Ladenkonzepte mit Theke, Beratung und Metzgerei-Optik.

Für Mainz bedeutet das eine neue Einkaufsadresse mitten in der Innenstadt. Für die Branche ist es ein weiteres Zeichen dafür, dass Fleischersatz nicht mehr nur als Nischenprodukt auftritt, sondern sich zunehmend wie ein eigenes Handwerk inszeniert. (red)