DEUTSCHLAND

Überholen auf Landstraßen: Warum ein kurzer Moment so gefährlich werden kann

Überholen auf Landstraßen. (Symbolfoto)
Foto: Pixabay/Tama66
von Redaktion Kinzig News


Samstag, 09.05.2026

Ein langsamer Lkw oder Traktor vor dem eigenen Auto, eine scheinbar freie Straße und der Gedanke: schnell vorbei. Doch genau dieses Manöver endet auf Landstraßen immer wieder schwer. Falsches Überholen zählt dort zu den gefährlichsten Unfallursachen.

Der ADAC Hessen-Thüringen warnt deshalb davor, die nötige Strecke und Zeit für einen Überholvorgang zu unterschätzen. Gerade auf Landstraßen können Kurven, Kuppen, Einmündungen, schmale Fahrbahnen oder schlechtes Wetter die Lage binnen Sekunden gefährlich machen.

Viele tödliche Unfälle auf Landstraßen

Die Unfallzahlen zeigen das Risiko deutlich. Im Jahr 2024 starben in Deutschland bei Zusammenstößen mit entgegenkommenden Fahrzeugen auf Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen außerorts 525 Menschen. Mehr als 14.000 wurden verletzt.

In Hessen kamen 55 Prozent aller Verkehrstoten auf Landstraßen ums Leben. Dabei machen Landstraßen nur etwa ein Drittel des gesamten Verkehrsaufkommens aus. Das zeigt: Das Risiko ist dort besonders hoch.

Warum die Strecke oft unterschätzt wird

Viele Autofahrer unterschätzen, wie lang ein sicherer Überholvorgang tatsächlich dauert. Wer etwa mit 100 Kilometern pro Stunde hinter einem Lkw mit 80 Kilometern pro Stunde fährt, ist nur 20 Kilometer pro Stunde schneller.

Um einen zwölf Meter langen Lkw mit ausreichendem Sicherheitsabstand davor und dahinter zu überholen, braucht ein Autofahrer nach ADAC-Berechnung fast 600 Meter Strecke auf der Gegenfahrbahn. Taucht in dieser Zeit ein entgegenkommendes Fahrzeug auf, bleibt kaum Spielraum.

Tempo allein reicht nicht

„Um einen Lkw oder Traktor sicher zu überholen, brauchen Autofahrer häufig eine Strecke von mehreren hundert Metern Länge“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Lukas Berkel. Komme plötzlich ein Fahrzeug entgegen, werde es gefährlich.

Entscheidend ist nicht nur, ob die Straße frei wirkt. Autofahrer müssen vor dem Ausscheren prüfen, ob sie ausreichend Sicht haben, ob von hinten ein anderes Fahrzeug überholen will und ob der nachfolgende Verkehr gefährdet wird.

Wann Überholen tabu ist

Ein Überholverbot muss nicht immer durch ein Schild angezeigt werden. Vor Kuppen, in unübersichtlichen Kurven oder an Stellen ohne ausreichende Sicht darf nicht überholt werden, auch wenn dort kein entsprechendes Verkehrszeichen steht.

Auch bei Nebel, Regen oder Schneefall sollte auf das Überholen verzichtet werden. Eingeschränkte Sicht erhöht das Risiko, entgegenkommende Fahrzeuge zu spät zu erkennen.

Worauf Autofahrer achten sollten

Beim Überholen muss die eigene Geschwindigkeit deutlich höher sein als die des überholten Fahrzeugs. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit darf dabei aber nicht überschritten werden.

Vor dem Ausscheren ist ein Schulterblick nötig. Außerdem muss vor dem Ausscheren und vor dem Wiedereinordnen geblinkt werden. Besondere Vorsicht gilt an Einmündungen und Kreuzungen, weil andere Verkehrsteilnehmer dort nicht mit einem Auto auf der Gegenfahrbahn rechnen.

Im Zweifel hinterherfahren

Der wichtigste Rat lautet: Im Zweifel nicht überholen. Wer unsicher ist, sollte hinter einem langsameren Fahrzeug bleiben. Der Zeitverlust ist meist gering, das Sicherheitsrisiko dagegen erheblich.

Beim Überholen von Radfahrern und Fußgängern gilt außerorts zudem ein Mindestabstand von zwei Metern. Auch hier darf nur überholt werden, wenn dieser Abstand sicher eingehalten werden kann. (red)