MAINTAL
Rechenzentrum in Maintal liegt auf Eis: Warum Bürger besonders auf die Barrikaden gingen
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Dienstag, 12.05.2026
Das geplante Rechenzentrum des US-Unternehmens Edgeconnex in Maintal wird vorerst nicht wie geplant weiterverfolgt. Grund ist der Widerstand gegen ein eigenes Gaskraftwerk, das den enormen Strombedarf der Anlage decken sollte.
Nach Informationen des SPIEGEL informierte Bürgermeisterin Monika Böttcher die Fraktionsvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung darüber, dass das Projekt überprüft werde. Eine geplante Bürgerversammlung sagte Edgeconnex demnach ab.
Kritik richtete sich vor allem gegen das Kraftwerk
Der Protest in Maintal richtete sich nicht grundsätzlich gegen ein Rechenzentrum. Hauptkritikpunkte waren die Dimension des Projekts und die geplante Eigenversorgung mit Gasstrom.
Böttcher teilte mit, Edgeconnex wolle das Vorhaben nicht gegen den Widerstand der Bevölkerung und der Stadtverordnetenversammlung durchsetzen. Das Unternehmen suche nun nach Alternativen für die Stromversorgung. Ob und wie diese aussehen könnten, ist offen.
Bis zu 170 Megawatt Leistungsaufnahme geplant
Nach den vorliegenden Angaben sollte das Gebäude rund 400 Meter lang werden. Geplant war eine Leistungsaufnahme von bis zu 170 Megawatt.
Zwei Anwohner, darunter ein Werkstoffingenieur und ein früherer Kapitän mit Erfahrung in Großmotorentechnik, hatten auf Grundlage verfügbarer Daten eigene Berechnungen vorgelegt. Demnach wären acht Gasmotoren im Dauerbetrieb vorgesehen gewesen.
Gegner warnten vor hohen Emissionen
Die Kritiker rechneten mit einem jährlichen Erdgasverbrauch von rund 300 Millionen Kubikmetern. Den möglichen CO₂-Ausstoß bezifferten sie auf 633.000 Tonnen pro Jahr.
Diese Zahlen stammen aus Berechnungen der Projektgegner und sind nicht als offizielle Betreiberangaben bestätigt. Sie prägten aber die öffentliche Debatte in Maintal erheblich.
Kaum Arbeitsplätze, große Belastungen
Für die Stadt ging es zugleich um eine mögliche Großinvestition. Lokalpolitiker sprachen dem Bericht zufolge von rund einer Milliarde Euro. Konkrete öffentliche Angaben zum Investitionsvolumen gab es aber nicht.
Ein zentraler Konflikt bleibt: Rechenzentren brauchen viel Energie, schaffen nach dem Bau aber vergleichsweise wenige Arbeitsplätze. Für Standortkommunen ist deshalb umstritten, ob die wirtschaftlichen Vorteile die Belastungen aufwiegen.
Bürger überzeugten Fraktionen
Der Widerstand formierte sich innerhalb weniger Monate. Bürger suchten Gespräche mit den Fraktionen, verteilten Informationsmaterial und organisierten eine Veranstaltung mit rund 200 Gästen.
Gemeinsam mit dem BUND reichten Kritiker zudem eine ausführliche Stellungnahme beim Regierungspräsidium Darmstadt ein. In der Stadtpolitik kippte daraufhin offenbar die Stimmung gegenüber dem Vorhaben.
Zukunft des Geländes bleibt offen
Edgeconnex hat sich nach Angaben der Bürgermeisterin nicht endgültig gegen ein Rechenzentrum in Maintal entschieden. Offen ist aber, ob eine andere Stromversorgung möglich ist und wann das Unternehmen neue Pläne vorlegt.
Unabhängig davon soll ein weiteres Rechenzentrum des US-Konzerns Amazon in Maintal weiterhin gebaut werden. Damit bleibt die Frage, wie viel digitale Infrastruktur die Stadt tragen kann, politisch weiter relevant. (red)