HESSEN

Grund zur Sorge? Jüngste Entwicklungen zum Grundwasser in Hessen erschüttern

Wasserstände in Hessen sinken. (Symbolfoto)
Foto: Pixabay/MabelAmber
von Redaktion Kinzig News


Sonntag, 24.05.2026

Die Grundwasserstände in Hessen sind nach einem zu trockenen Winterhalbjahr vielerorts gesunken. Nach Angaben des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie liegen aktuell mehr als 70 Prozent der Messstellen niedriger als vor einem Jahr.

Ganz dramatisch ist die Lage aber nicht überall. Im April bewegten sich 49 Prozent der hessischen Messstellen auf normalem Niveau. 13 Prozent lagen niedrig, 23 Prozent sehr niedrig. Hohe oder sehr hohe Grundwasserstände wurden an 9 beziehungsweise 4 Prozent der Messstellen gemessen.

Winter ist entscheidend für neues Grundwasser

Der Grund für die Entwicklung liegt vor allem im hydrologischen Winterhalbjahr von November bis April. In dieser Zeit kann Regen besonders gut versickern, weil Pflanzen weniger Wasser verbrauchen und weniger Feuchtigkeit verdunstet.

Doch genau in dieser wichtigen Phase fiel in Hessen deutlich zu wenig Regen. Das Winterhalbjahr 2025/26 brachte nach HLNUG-Angaben 259 Millimeter Niederschlag. Das sind rund 28 Prozent weniger als im langjährigen Mittel von 1991 bis 2020.

April war besonders trocken

Auch der April hat die Lage nicht verbessert. Landesweit fielen im Schnitt nur rund 23 Millimeter Niederschlag. Das waren etwa 49 Prozent weniger als im Mittel der Jahre 1991 bis 2020.

Zugleich beginnt im Frühjahr die Vegetationsperiode. Pflanzen nehmen mehr Wasser auf, die Verdunstung steigt, und weniger Niederschlag gelangt in tiefere Bodenschichten. Deshalb sinken Grundwasserstände im Sommerhalbjahr häufig auch dann, wenn es zwischendurch regnet.

Regionale Unterschiede bleiben groß

Die Lage ist in Hessen regional unterschiedlich. Grund dafür sind neben der Niederschlagsverteilung auch die Eigenschaften der jeweiligen Grundwasserleiter. Entscheidend ist etwa, wie durchlässig der Untergrund ist, wie tief das Grundwasser liegt und wie stark Wasser entnommen wird.

In der Untermainebene zeigte sich im April ein gemischtes Bild. An der Messstelle Offenbach lag der Grundwasserstand im Monatsmittel 22 Zentimeter unter dem Vorjahresniveau. An der Messstelle Babenhausen lag er dagegen knapp über dem Vorjahr.

Langfristiger Rückgang bereitet Sorgen

Das HLNUG verweist darauf, dass die Grundwasserneubildung in Hessen seit 2003 grundsätzlich rückläufig ist. Nur das sehr nasse Jahr 2023 habe die Speicher zuletzt wieder nachhaltig gefüllt.

Für Kommunen, Landwirtschaft und Wasserversorger bleibt die Entwicklung deshalb wichtig. Sinkende Grundwasserstände wirken sich nicht sofort überall aus, können aber bei längerer Trockenheit zu einem Problem werden – etwa für Wälder, Brunnen, Bäche und die Wasserversorgung.

Sommer entscheidet über weitere Entwicklung

Wie sich die Lage in den kommenden Monaten entwickelt, hängt nun stark vom Wetter ab. Nach Angaben des HLNUG reagieren Grundwasserstände langsamer als Böden oder Flüsse. Trockenheit zeigt sich dort oft erst mit Verzögerung.

Klar ist aber: Nach dem trockenen Winter startet Hessen mit weniger Puffer in die warme Jahreszeit. Für die Grundwasserneubildung wird vor allem der nächste Herbst und Winter wieder entscheidend sein. (red)