FULDA / MKK

Impuls von Stefan Buß: "Komm, Heiliger Geist, der uns verbindet und Leben schafft"

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda
Foto: Hendrik Urbin/KN
von STEFAN BUß


Mittwoch, 27.05.2026

Das katholische Osteuropa Hilfswerk Renovabis hat in den Tagen vor Pfingsten mit einer Novene eingeladen sich für den Hl. Geist zu öffnen. Das Motto lautete: „Komm, Heiliger Geist, der uns verbindet und Leben schafft.“ Es ist ein Gebet – und zugleich eine Sehnsucht, die viele Menschen in sich tragen.

Wir erleben eine Welt, die oft von Spannungen geprägt ist. Unterschiede werden schnell zu Gegensätzen, Meinungen zu Fronten. Auch im Kleinen kennen wir das: Missverständnisse, Verletzungen, Distanz. Manchmal fällt es schwer, aufeinander zuzugehen. Und doch spüren wir: So kann es nicht bleiben. Wir sind auf Gemeinschaft hin geschaffen.

Genau hier setzt der Heilige Geist an. Er ist die Kraft Gottes, die Herzen bewegt und verändert. Er drängt sich nicht auf, sondern wirkt leise – und doch kraftvoll. Wo Menschen sich von ihm berühren lassen, geschieht etwas Neues: Verhärtetes wird weich, Verschlossenes öffnet sich, Misstrauen kann sich in Vertrauen verwandeln.

Die Heilige Schrift erzählt uns vom Pfingstereignis:


Menschen aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Sprachen und Erfahrungen, kommen zusammen – und plötzlich verstehen sie einander. Das ist kein Wunder der Gleichmacherei, sondern ein Wunder der Verbindung. Der Geist Gottes schafft Einheit in Vielfalt. Er verbindet, ohne Unterschiede auszulöschen.

Das ist auch heute unsere Hoffnung. Der Heilige Geist will Brücken bauen: zwischen Menschen, zwischen Völkern, zwischen Ost und West. Gerade das Engagement von Renovabis erinnert uns daran, dass christlicher Glaube nie nur privat ist. Er drängt hinaus, er sucht den anderen, besonders den, der Hilfe braucht. Wo wir teilen, zuhören, uns einsetzen, dort wirkt der Geist Gottes – dort entsteht Leben.

„… der uns verbindet und Leben schafft“ – das heißt auch: Der Geist Gottes macht uns lebendig. Er schenkt uns Mut, wo wir uns klein fühlen. Er gibt uns Hoffnung, wo wir resignieren wollen. Und er ruft uns immer wieder heraus aus unserer Bequemlichkeit. Christsein bedeutet nicht, sich einzurichten, sondern sich senden zu lassen.

Vielleicht fragen wir uns:


Wo kann ich heute Verbindung schaffen? In meiner Familie, in meiner Nachbarschaft, in meiner Gemeinde? Oft sind es kleine Schritte: ein offenes Wort, ein ehrliches Zuhören, ein Zeichen der Versöhnung. Doch gerade darin zeigt sich die Kraft des Geistes.

Bitten wir also mit ganzem Herzen: Komm, Heiliger Geist! Komm in unsere Welt, die so sehr auf Frieden angewiesen ist. Komm in unsere Kirche, damit sie glaubwürdig Zeugnis gibt. Komm in unser Leben, damit wir zu Menschen werden, die verbinden statt trennen, die Leben fördern, statt es zu begrenzen.

Dann kann durch uns etwas von Gottes neuer Wirklichkeit aufscheinen – eine Welt, in der Liebe stärker ist als Angst, Hoffnung stärker als Resignation und Gemeinschaft stärker als Spaltung.