FULDA / MKK

Impuls von Stefan Buß: Was würde der Hl. Bonifatius heute seiner Stadt Fulda sagen?

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda
Foto: Hendrik Urbin/KN
von STEFAN BUß


Samstag, 06.06.2026

Wenn der heilige Bonifatius heute in Fulda predigen würde, klänge seine Stimme vielleicht fremd – und doch erstaunlich nah:

„Ihr Menschen von Fulda, meine geliebte Stadt, ich erkenne Eure Straßen wieder, doch manches ist mir in all den Jahrhunderten fremder geworden. Ihr habt gebaut, organisiert, vernetzt – doch habt ihr auch noch gesucht?

Als ich einst hierherkam, war es mein Auftrag, das Evangelium zu verkünden, Hoffnung zu pflanzen, Glauben zu entzünden. Heute frage ich euch: Was ist euer Auftrag? Wofür brennt Ihr – außer für das Nächste, das Lauteste, das Schnellste? Ihr lebt in einer Zeit, die alles weiß und doch so wenig versteht. Ihr könnt die Welt vermessen, aber könnt Ihr noch staunen? Ihr könnt Euch verbinden über große Entfernungen – doch wie tief reicht Eure Nähe?

Ich sehe Kirchen, die stehen geblieben sind – nicht nur aus Stein, sondern auch im Herzen. Orte, die einst voller Leben waren, sind still geworden. Nicht, weil Gott gegangen ist, sondern weil Ihr aufgehört habt, ihn zu suchen. Glaube ist kein Erbe, das man verwaltet. Er ist ein Feuer, das genährt werden will.

Erinnert Euch: Ich habe einst eine Eiche gefällt, die man für unantastbar hielt. Nicht aus Zerstörung, sondern um Raum zu schaffen für Neues. Was sind Eure „heiligen Eichen“ heute? Woran haltet Ihr fest, obwohl es Euch den Blick verstellt? Vielleicht ist es Eure Gewissheit, alles selbst kontrollieren zu können. Vielleicht ist es Eure Angst, Euch wirklich einzulassen – auf Gott, aufeinander, auf das Leben.

Ich sage Euch: Habt Mut zur Leere, damit Gott Euch füllen kann. Habt Mut zur Stille, damit Ihr hören könnt. Habt Mut zur Wahrheit, auch wenn sie unbequem ist. Euer Reichtum ist groß – doch wie steht es um Eure Barmherzigkeit? Euer Wissen ist weit – doch wie steht es um Eure Weisheit?

Ich sehe Menschen, die funktionieren – aber leben sie auch? Ich sehe Gemeinschaften – doch tragen sie einander wirklich? Der Glaube, den ich brachte, war kein System. Er war eine Begegnung. Mit einem Gott, der Euch kennt – und der Euch ruft. Nicht in ferne Zeiten, nicht in alte Formen. Sondern hier. Heute. In Eurem Leben.

Fulda, wach auf. Nicht aus Angst – sondern aus Sehnsucht. Nicht aus Pflicht – sondern aus Liebe. Denn was bleibt am Ende? Nicht Eure Gebäude, nicht Eure Zahlen, nicht Eure Erfolge. Sondern das, was Ihr einander gewesen seid. Geht hinaus – nicht nur über Straßen, sondern über Eure eigenen Grenzen. Sucht nicht nur Sicherheit, sondern Wahrheit. Und fürchtet Euch nicht, neu anzufangen.

Denn der Gott, den ich verkündet habe, ist kein Gott der Vergangenheit. Er ist der Gott des Anfangs – auch heute.