FULDA / MKK

Impuls von Stefan Buß: Bericht aus der Segensgondel – Herzblick über dem Hessentag

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda
Foto: Hendrik Urbin/KN
von STEFAN BUß


Samstag, 20.06.2026

Oh, was für ein Gefühl, was ein Ausblick über unsere Stadt und das Hessentagsgelände hier schauen zu können. Ich bin jetzt hier in 45 Metern Höhe.

Hoch über den Dächern der Stadt beginnt eine Erfahrung, die sich kaum mit Worten einfangen lässt – und doch bleibt sie spürbar: leise, weit, getragen von einem Gefühl, das zwischen Himmel und Erde entsteht. Die Segensgondel „Herzblick“ im Riesenrad des Hessentages ist mehr als nur ein Aussichtspunkt. Sie ist ein Ort der Begegnung – mit sich selbst, mit anderen und vielleicht auch mit etwas Größerem.

Schon am Boden, an der Welcome-Station, beginnt die Reise. Menschen treten heran, vorsichtig oder neugierig, und teilen einen Gedanken, einen Wunsch, manchmal auch eine Sorge. Es sind oft leise Worte, die hier fallen – und gerade deshalb Gewicht haben. Ein kurzes Innehalten, ein freundlicher Blick, ein erstes Ankommen.

Dann hebt sich die Gondel.

Langsam entfernt sich der Trubel des Festes. Stimmen werden leiser, Geräusche weicher. Die Stadt breitet sich aus, Straßen werden zu Linien, Menschen zu kleinen Punkten. Und während sich der Blick weitet, geschieht etwas Eigenartiges: Auch im Inneren wird es weiter.

In dieser Höhe, zwischen Bewegung und Stille, wird der Segen gesprochen. Kein lauter Moment, kein großes Schauspiel – vielmehr ein ruhiges Wort, persönlich zugesprochen, getragen von Aufmerksamkeit und Respekt. Für manche ist es ein Gebet, für andere ein stärkender Gedanke. Für viele ist es einfach ein Moment, in dem sie sich gesehen fühlen.

Die Zeit scheint sich zu dehnen, während die Gondel ihren Kreis zieht. Gedanken ordnen sich neu. Dankbarkeit bekommt Raum. Sorgen verlieren ein wenig an Schwere. Und manchmal entsteht genau hier – zwischen Himmel und Stadt – ein kleiner Funken Hoffnung.

Besonders eindrücklich ist die Stimmung beim Nacht-Special: Wenn die Lichter der Stadt beginnen zu leuchten und der Himmel dunkler wird, wirkt die Segensgondel fast wie ein schwebender Rückzugsort. Ein Ort über den Dingen, im wahrsten Sinne.

„Herzblick“ ist kein Spektakel, das man einfach konsumiert. Es ist ein Angebot. Eine Einladung, sich für einen Moment dem Alltag zu entziehen und etwas mitzunehmen, das nicht sichtbar ist – aber bleibt.

Wenn die Gondel wieder den Boden erreicht, steigen die Menschen oft stiller aus, als sie eingestiegen sind. Nicht leer – sondern erfüllt von einem Moment, der nachwirkt. Ein Blick über die Dächer. Ein Atemzug mehr Weite. Ein Segen, der bleibt. Du hast noch 2 Tage Zeit dabei zu sein und Dir einen Segen zusprechen zu lassen.