MAIN-KINZIG-KREIS
Gastronomie während der WM: Werden Beschäftigte knallhart ausgenutzt?
Foto: NGG/Florian Göricke
Samstag, 13.06.2026
Zur Fußball-Weltmeisterschaft rechnet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit zusätzlicher Belastung für Beschäftigte in Gaststätten, Restaurants, Biergärten, Küchen und Bars. Im Main-Kinzig-Kreis arbeiten nach Angaben der NGG rund 3.950 Menschen in der Gastronomie.
Die Gewerkschaft fordert deshalb frühzeitige Absprachen zu den Dienstplänen. Gerade während der WM dürften Beschäftigte nicht kurzfristig mit zusätzlichen Schichten oder unbezahlten Überstunden belastet werden.
Rücksicht auf Familien und Pflegeaufgaben
„Alles rechts ran für den Fußball und WM-Überstunden bis zum Abwinken“ dürfe es nicht geben, sagt Hendrik Hallier von der NGG Rhein-Main. Bei der Schichtplanung müsse auf Beschäftigte mit Kindern ebenso Rücksicht genommen werden wie auf Mitarbeiter, die Angehörige pflegen.
Aus Sicht der Gewerkschaft braucht es zu erwarteten Stoßzeiten zusätzliches Personal. Gerade bei gut besuchten Spielen könne die Gastronomie nur funktionieren, wenn Küche, Service, Theken und Bars ausreichend besetzt seien.
WM-Spiele sind Arbeitszeit
Hallier macht deutlich, dass Fußballabende für Gäste Freizeit seien – für Beschäftigte aber Arbeitszeit. Überstunden müssten entsprechend bezahlt werden.
Die NGG verbindet die Debatte um WM-Dienstpläne auch mit der laufenden Tarifauseinandersetzung im Hotel- und Gaststättengewerbe. Der letzte Tarifvertrag sei bereits zum 31. Dezember vergangenen Jahres gekündigt worden.
Gewerkschaft fordert 7,5 Prozent mehr Lohn
Die NGG fordert nach eigenen Angaben 7,5 Prozent mehr Lohn. Für einen gelernten Koch in Vollzeit würde das laut Gewerkschaft mindestens 225 Euro mehr pro Monat bedeuten.
Der Arbeitgeberverband DEHOGA verweigere bislang eine deutliche Anpassung der Gehälter, kritisiert die NGG. Gerade vor einer erwarteten umsatzstarken WM-Phase müsse es auch für die Beschäftigten eine spürbare Verbesserung geben.
Späte Anstoßzeiten als Problem
Die WM findet in Kanada, Mexiko und den USA statt. Für die Gastronomie im Main-Kinzig-Kreis bedeutet das nach Einschätzung der NGG schwierige Übertragungszeiten.
Ein Teil der Spiele werde zwar zu attraktiven Zeiten am Abend angepfiffen. Viele Begegnungen begännen nach deutscher Zeit aber erst um 22 Uhr oder sogar um 1 Uhr. Der späteste Anpfiff liege bei 6 Uhr morgens.
Public Viewing wohl nicht überall rentabel
Die Gewerkschaft geht deshalb davon aus, dass nicht alle Wirte im Main-Kinzig-Kreis Leinwände oder Großbildschirme für die WM aufstellen werden. Für manche Betriebe dürfte sich Public Viewing wegen der späten Anstoßzeiten nicht rechnen.
Bei besonders attraktiven Spielen könnten Plätze in Gaststätten und Biergärten deshalb knapp werden. An den Beschäftigten werde das aus Sicht der NGG nicht liegen: Diese seien einsatzbereit – vorausgesetzt, Dienstpläne und Bezahlung stimmten. (red)