FRANKFURT AM MAIN
Drogen-Eskalation im Frankfurter Bahnhofsviertel: Ist das der Grund?
Foto: Pixabay/bambino91241
Samstag, 20.06.2026
Im Frankfurter Bahnhofsviertel spitzt sich die Lage rund um die offene Drogenszene weiter zu. Anwohner und Gewerbetreibende schlagen Alarm, weil sich Abhängige, Passanten und Geschäftsleute durch mehrere Baustellen auf immer engerem Raum begegnen.
Besonders betroffen ist der Bereich rund um Niddastraße, Karlplatz und Moselstraße. Wie die Hessenschau berichtet, stehen in der Moselstraße wegen Bauarbeiten teils nur noch schmale Bürgersteige zur Verfügung.
Drogenszene drängt sich auf engem Raum
Die Stadt lässt derzeit unter anderem Karlstraße und Karlplatz sanieren. In der Moselstraße werden Fernwärme- und Gasleitungen erneuert. Dadurch sind Fahrbahnen und Aufenthaltsbereiche großflächig abgesperrt.
Die Folge: Die offene Drogenszene verlagert sich stärker auf die verbleibenden Gehwege. Für Anwohner, Gewerbetreibende, Kunden und Passanten wird die Situation damit sichtbarer und belastender.
Zahl Schwerstabhängiger deutlich gestiegen
Nach einer Zählung von Polizei und Offensiver Sozialarbeit wurden im Februar 2025 im Bahnhofsviertel 195 Schwerstabhängige gezählt. Im März 2026 waren es 311. Das entspricht einem Anstieg von fast 60 Prozent.
Ein Teil dieser Entwicklung kann mit der Jahreszeit zusammenhängen. Dennoch sehen Beteiligte vor Ort nicht nur ein saisonales Problem, sondern eine zunehmende Ballung bereits länger bestehender Konflikte.
Innenminister besucht Großkontrolle
Hessens Innenminister Roman Poseck machte sich bei einer der regelmäßigen Großkontrollen selbst ein Bild von der Lage. Nach Angaben des Berichts war es die 55. Großkontrolle seit Beginn der Innenstadtoffensive im Februar 2024.
Poseck sagte, man wolle das Bahnhofsviertel für Kriminelle und Dealer unattraktiv machen. Zugleich kritisierte er Teile der Frankfurter Drogenpolitik und sprach von einer aus seiner Sicht zu großen Anziehungskraft für Crack-Abhängige aus anderen Städten.
Stadt sucht Ausweichflächen
Auch die Stadt Frankfurt sieht Handlungsbedarf. Das Gesundheits- und Sozialdezernat stellt eine kurzfristige Entlastung in Aussicht.
Geprüft wird demnach, ob die offene Drogenszene aus dem besonders belasteten Bereich an andere Orte verlagert werden kann. Denkbar seien leerstehende Immobilien, geschützte Bereiche im öffentlichen Raum, private Areale oder Brachflächen.
Crack-Zentrum kommt erst 2027
Eine dauerhafte Lösung ist jedoch nicht unmittelbar in Sicht. Das geplante Zentrum für Cracksüchtige in der südwestlichen Niddastraße soll erst 2027 eröffnen.
Auch die Baustellen werden das Viertel noch länger beschäftigen. Die Arbeiten an Karlplatz und Karlstraße sollen bis 2028 dauern.
Gewerbetreibende berichten von Folgen
Für manche Betriebe im Viertel haben die Bauarbeiten und die Ballung der Drogenszene bereits wirtschaftliche Folgen. Kunden kommen schlechter an Geschäfte heran, Lieferanten müssen Umwege fahren, und Eingänge werden häufiger blockiert.
Das Problem ist damit nicht nur ein sicherheits- oder sozialpolitisches Thema. Es betrifft auch den Alltag der Menschen, die im Bahnhofsviertel wohnen, arbeiten oder dort ein Geschäft betreiben.
Gipfel zum Bahnhofsviertel vorgeschlagen
Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef hat inzwischen einen Gipfel zum Bahnhofsviertel vorgeschlagen. Beteiligt werden sollen unter anderem das Innen-, Gesundheits- und Justizministerium sowie Sicherheitsbehörden und zuständige Dezernate der Stadt.
Im Mittelpunkt stehen sollen eine stärkere Verzahnung von Sicherheits-, Gesundheits- und Sozialpolitik, der Kampf gegen Dealer- und Beschaffungskriminalität sowie die Verteilung von Hilfs- und Unterstützungsangeboten. (red)