HESSEN
So sehr leiden obdachlose Menschen in Hessen unter der dramatischen Hitzewelle
Foto: Pixabay/paulaquiyahora
Samstag, 27.06.2026
Die Hitzewelle in Hessen bringt obdachlose Menschen besonders stark in Gefahr. Während viele Bürgerinnen und Bürger Schatten, Wohnungen oder klimatisierte Räume aufsuchen können, fehlen Menschen auf der Straße oft genau diese Rückzugsorte.
Hohe Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung und erschwerter Zugang zu Trinkwasser erhöhen das Risiko für Dehydrierung, Kreislaufprobleme und hitzebedingte Erkrankungen.
Mehr als 29.000 wohnungslose Menschen in Hessen
Nach Angaben des hessischen Sozialministeriums sind in Hessen mindestens 29.000 wohnungslose Frauen und Männer bekannt. Dabei handelt es sich um Menschen, deren Wohnungslosigkeit den Behörden gemeldet ist, weil sie von Kommunen untergebracht werden.
Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen. Zur Dunkelziffer zählen Menschen, die nicht offiziell untergebracht sind, auf der Straße leben oder vorübergehend bei Angehörigen und Bekannten unterkommen.
Hitzebus in Frankfurt unterwegs
In Frankfurt leben nach Schätzungen etwa 200 bis 300 Menschen ohne Dach über dem Kopf. Für sie ist seit vergangener Woche wieder ein Hitzebus abends und nachts im Einsatz.
Das Team verteilt unter anderem Wasser, Wasserzerstäuber, Sonnencreme, Caps und Sonnenschirme. Außerdem bringt der Hitzebus Betroffene bei Bedarf in Übernachtungsstätten.
Bürger sollen aufmerksam sein
Die Stadt Frankfurt ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, in der Hitze aufmerksam zu bleiben. Wer obdachlose Menschen schutzlos in der Sonne liegen sieht, sollte Hilfe holen.
Der Hitzebus ist in Frankfurt unter 069/431414 erreichbar. In akuten Notfällen sollte direkt die 112 gewählt werden.
Zusätzliche Hilfe am Tag
Auch tagsüber sind in Frankfurt nach Angaben des Sozialdezernats Menschen im Auftrag der Stadt unterwegs. Sie versorgen obdachlose Menschen, weisen auf kühlere Orte hin und leiten bei Bedarf Notfallmaßnahmen ein.
Die Hitze kann für Betroffene besonders gefährlich werden, wenn körperliche oder psychische Erkrankungen hinzukommen. Auch Suchterkrankungen können die Lage verschärfen, weil Risiken schlechter eingeschätzt werden.
Darmstadt verteilt Wasser, Obst und Sonnenschutz
Auch andere hessische Städte haben ihre Hilfsangebote verstärkt. In Darmstadt leben nach Angaben der Stadt etwa 50 Menschen auf der Straße.
Sie werden unter anderem mit Sonnencreme, Kopfbedeckungen, Trinkflaschen, kalten Getränken und Obst unterstützt. Streetworker sprechen Betroffene an, zudem können sie sich in kühleren Räumen der Wohnungslosenhilfe aufhalten.
Kassel setzt auf Wasser und Trinkbrunnen
In Kassel wird die Zahl der Menschen, die auf der Straße leben oder vorübergehend bei anderen unterkommen, auf etwa 150 geschätzt.
Die Wohnungslosenhilfe unterstützt sie während der Hitzewelle mit Wasser und Sonnenschutz. Zusätzlich verweist die Stadt auf ihre Trinkbrunnen, die allen Menschen kostenlosen Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen.
Hitze wird zum Gesundheitsrisiko
Die aktuelle Lage zeigt, wie schnell hohe Temperaturen für Menschen ohne Wohnung lebensgefährlich werden können. Fehlende Schattenplätze, aufgeheizte Innenstädte und zu wenig Trinkwasser treffen diejenigen besonders hart, die ohnehin kaum Schutzmöglichkeiten haben.
Hilfsangebote wie der Hitzebus können akute Not lindern. Gleichzeitig bleibt die Lage für obdachlose Menschen während längerer Hitzeperioden kritisch. (red)