HESSEN

Krankschreibungs-Debatte: So oft waren die Hessen im Jahr 2025 wirklich krank

Krankschreibung in Hessen. (Symbolfoto)
Foto: Pixabay/TaminT9B
von Redaktion Kinzig News


Samstag, 11.07.2026

Wie oft sind Beschäftigte in Hessen tatsächlich krankgeschrieben? Eine aktuelle Auswertung der Betriebskrankenkassen zeigt: Im vergangenen Jahr waren es im Durchschnitt 23 Kalendertage.

Damit sank die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage leicht. 2024 hatten bei einer Betriebskrankenkasse versicherte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Schnitt noch an 23,4 Tagen gefehlt.

Krankenstand in Hessen sinkt leicht

Der Krankenstand in Hessen lag 2025 bei 6,3 Prozent. Er gibt an, welcher prozentuale Anteil der arbeitsunfähig gemeldeten BKK-Mitglieder an einem durchschnittlichen Kalendertag krankgeschrieben war.

Insgesamt sind rund 854.000 Menschen in Hessen bei einer Betriebskrankenkasse versichert und damit Teil der Datengrundlage.

Eine Krankschreibung dauert im Schnitt elf Tage

Während die Gesamtzahl der Fehltage leicht zurückging, blieb die durchschnittliche Dauer eines einzelnen Krankheitsfalls nahezu unverändert.

Eine Krankschreibung dauerte 2025 durchschnittlich elf Tage. Ein Jahr zuvor waren es 10,9 Tage gewesen.

Hessen hat vergleichsweise niedrigen Krankenstand

Im bundesweiten Vergleich gehört Hessen zu den Ländern mit relativ wenigen krankheitsbedingten Fehltagen. Mit durchschnittlich 23 Tagen liegt das Bundesland auf Rang vier der Länder mit den niedrigsten Werten.

Weniger Fehltage verzeichneten Baden-Württemberg mit 18,5 Tagen, Bayern mit 19,2 Tagen und Hamburg mit 20,3 Tagen. Den höchsten Wert gab es in Mecklenburg-Vorpommern mit 29 Krankheitstagen.

Große regionale Unterschiede innerhalb Hessens

Auch innerhalb Hessens unterscheidet sich die Zahl der Fehltage erheblich. Am seltensten waren Beschäftigte in Frankfurt krankgeschrieben: Dort wurden durchschnittlich 17,9 Arbeitsunfähigkeitstage registriert.

Deutlich höher lagen die Werte in Nord- und Osthessen. Im Werra-Meißner-Kreis kamen Beschäftigte auf durchschnittlich 28,2 Fehltage, im Landkreis Hersfeld-Rotenburg waren es sogar 28,4.

Erkältungen sind häufigste Ursache

Am häufigsten fehlten Beschäftigte wegen Atemwegserkrankungen. Auf Erkältungen, Grippe und grippale Infekte entfielen in Hessen durchschnittlich 4,8 Krankheitstage.

Dahinter folgen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems mit 4,5 Tagen. Dazu gehören etwa Bandscheibenvorfälle, Arthritis sowie Probleme an Sehnen und Bändern.

Psychische Erkrankungen nehmen deutlich zu

Psychische Erkrankungen verursachten 2025 durchschnittlich 4,2 Fehltage je BKK-Versichertem. Damit liegen sie inzwischen nur knapp hinter Atemwegs- und Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Der langfristige Vergleich zeigt einen deutlichen Anstieg: 2016 waren psychische Erkrankungen noch für durchschnittlich 2,8 Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich.

Langzeiterkrankungen verursachen besonders hohe Kosten

Nicht Erkältungen, sondern lange Krankheitsfälle stellen für die Krankenkassen eine besondere finanzielle Belastung dar. Mehr als ein Viertel aller Fehltage steht nach Angaben der BKK im Zusammenhang mit dem Bezug von Krankengeld.

Krankengeld wird in der Regel ab dem 43. Krankheitstag gezahlt und zählt zu den größten Ausgabepositionen der gesetzlichen Krankenversicherung.

Krankschreibung künftig ab dem ersten Tag?

Parallel zur Veröffentlichung der Zahlen wird politisch über strengere Regeln diskutiert. Die Koalition aus CDU, CSU und SPD hat sich darauf verständigt, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen künftig grundsätzlich bereits ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend zu machen.

Bislang hängt es vom Arbeitgeber beziehungsweise von den gesetzlichen Vorgaben im konkreten Fall ab, wann eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden muss.

Telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden

Auch die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung soll nach den Plänen der Koalition abgeschafft werden.

Die vorgesehenen Verschärfungen stoßen allerdings auf deutliche Kritik. Unter anderem Opposition und Ärzteverbände haben sich gegen die Pläne ausgesprochen.

Debatte über hohen Krankenstand geht weiter

Auslöser der aktuellen Diskussion war unter anderem die Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz an der Zahl der Krankentage in Deutschland.

Die BKK-Zahlen für Hessen zeigen jedoch zumindest für 2025 einen leichten Rückgang. Gleichzeitig bleiben regionale Unterschiede, Langzeiterkrankungen und die steigende Zahl psychisch bedingter Fehltage zentrale Herausforderungen. (red)