FULDA / MKK

Impuls von Stefan Buß: Das geöffnete Portal der Stadtpfarrkirche in Fulda

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda
Foto: Hendrik Urbin/KN
von STEFAN BUß


Mittwoch, 05.08.2026

Ich begrüße Sie alle recht herzlich. Aber bevor ich meinen heutigen Impuls beginne, möchte ich noch etwas nachreichen. Herzlichen Dank für die vielen aufmerksamen Leserinnen und Leser, denen aufgefallen ist, dass ich eine kleine Verwechslung beim letzten Impuls hatte. Schön, dass das so viele gleich gemerkt haben.

Im Kopf hatte ich abgespeichert der „Spaßvogel Gottes“ ist Philipp Neri, klar, weil ihn der Humor ganz besonders ausgezeichnet hat. Das hat sich bei mir festgesetzt. Aber das Wort vom letzten Impuls „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“ stammt nicht von Philipp Neri, sondern von Johannes Don Bosco, der 1815 bis 88 in Turin lebte und sich dort ganz besonders jungen Menschen gewidmet hat und ihnen ein Zuhause gegeben hat. Also ich entschuldige mich nochmals für diesen letzten Impuls.

Aber zu heute:


Wenn Menschen vor dem Portal der Stadtpfarrkirche Fulda stehen, dann sehen sie mehr als nur Stein, Holz und kunstvolle Gestaltung. Sie sehen ein Zeichen. Ein geöffnetes Portal ist niemals nur Architektur – es ist eine Botschaft.

Ein geschlossenes Tor trennt. Ein geöffnetes Tor lädt ein. Das geöffnete Portal dieser Kirche spricht zu uns wie eine stille Predigt: „Komm herein.“ Es ist, als ob Gott selbst sagt: Du bist willkommen – mit deiner Freude und deiner Last, mit deinem Glauben und deinem Zweifel.

In einer Welt, die oft Türen zuschlägt – im Alltag, in Beziehungen, in unseren Gedanken – steht dieses Portal offen. Es widerspricht der Angst, nicht dazuzugehören. Es widerspricht der Stimme, die sagt: „Du bist nicht genug.“

Gottes Haus hat keine Zugangsbeschränkung. Sein Reich kennt keine Ausweise, keine Leistungskontrollen. Ein Portal ist immer auch eine Schwelle. Draußen: Lärm, Eile, Erwartungen. Drinnen: Stille, Sammlung, Gegenwart.

Wenn Menschen vor dem Portal der Stadtpfarrkirche Fulda stehen, dann sehen sie mehr als nur Stein, Holz und kunstvolle Gestaltung. Sie sehen ein Zeichen ... - Foto: privat

Wer durch das Portal tritt, überschreitet nicht nur eine räumliche Grenze, sondern eine innere. Es ist eine Einladung, für einen Moment anders zu leben:

Doch diese Schwelle ist keine Flucht aus der Welt. Sie ist eine Vorbereitung. Wer hineingeht, soll verwandelt wieder hinausgehen. Im Johannesevangelium sagt Jesus: „Ich bin die Tür.“ Das bedeutet: Das geöffnete Portal ist ein Symbol für ihn selbst. In ihm ist der Zugang zu Gott nicht versperrt, sondern geöffnet – endgültig und unwiderruflich.

Kein Mensch muss draußen bleiben. Keine Schuld ist zu groß. Kein Weg ist zu weit. Das Portal der Kirche erinnert uns daran: Der Weg zu Gott ist kein Labyrinth – er ist eine offene Tür. Die entscheidende Frage ist nicht nur, ob das Portal offen ist. Sondern: Ob wir hindurchgehen. Und noch mehr: Ob wir selbst zu offenen Türen werden.

Die Kirche aus Stein kann nur dann lebendig sein, wenn die Kirche aus Menschen offene Portale hat. Wenn du das nächste Mal vor dem Portal der Stadtpfarrkirche stehst, bleib einen Moment stehen. Sieh hin. Spür die Einladung.

Und dann geh hinein – nicht nur mit deinen Füßen, sondern mit deinem ganzen Leben. Denn Gott wartet nicht hinter verschlossenen Türen. Er steht im offenen Eingang und sagt: „Komm.“