FULDA / MKK
Impuls von Stefan Buß: Der heilige Antonius – Fürsprecher beim Verlorenen
Foto: Hendrik Urbin/KN
Mittwoch, 12.08.2026
Wer von uns hat nicht schon einmal etwas verloren? Einen Schlüssel, ein wichtiges Dokument oder einen wertvollen Gegenstand. Doch es gibt Verluste, die viel tiefer gehen: verlorenes Vertrauen, verlorene Hoffnung, verlorene Freundschaften, verlorenen Glauben oder sogar den Sinn des Lebens.
Gerade in solchen Situationen wenden sich viele Menschen an den heiligen Antonius von Padua (1195 – 1231, portg. Ordenspriester der Franziskaner). Seit Jahrhunderten wird er als der Fürsprecher für alles Verlorene angerufen. Doch was bedeutet das eigentlich?
Es geht um weit mehr als um verlorene Dinge. Der heilige Antonius erinnert uns daran, dass Gott selbst der große Suchende ist. Jesus erzählt im Evangelium vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme und vom verlorenen Sohn. In jeder dieser Geschichten sucht Gott den Menschen mit unermüdlicher Liebe. Niemand ist für ihn vergessen. Niemand ist endgültig verloren.
Warum wurde gerade Antonius zum Patron der Verlorenen? Eine alte Überlieferung erzählt, dass einem Mitbruder ein kostbares Psalmenbuch gestohlen wurde. Antonius betete inständig darum, und tatsächlich kehrte der Dieb um, brachte das Buch zurück und bereute seine Tat. Dieses Ereignis wurde zum Sinnbild dafür, dass Gott nicht nur Gegenstände zurückbringt, sondern vor allem Herzen verändert.
Wenn wir also den heiligen Antonius um Hilfe bitten, bitten wir ihn nicht nur darum, einen verlorenen Schlüssel wiederzufinden.
Wir bitten ihn auch:
- Um die Rückkehr eines Menschen, der sich von Gott entfernt hat.
- Um Versöhnung in zerbrochenen Familien.
- Um neuen Mut nach einer Enttäuschung
- Um Hoffnung in Zeiten der Dunkelheit
- Und darum, dass wir selbst den Weg zu Gott immer wieder neu finden.
Der heilige Antonius war ein großer Prediger. Er kannte die Heilige Schrift und wusste: Das Evangelium ist eine Botschaft des Wiederfindens. Christus ist gekommen, „zu suchen und zu retten, was verloren ist“. Darin liegt der eigentliche Grund, warum Antonius bis heute so vielen Menschen nahe ist.
Vielleicht fühlen auch wir uns manchmal verloren – orientierungslos, einsam oder überfordert. Dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns kennt und unseren Namen ruft. Antonius weist nie auf sich selbst. Er führt immer zu Christus, dem guten Hirten, der keinem Menschen nachläuft, um ihn zu verurteilen, sondern um ihn nach Hause zu bringen.
So können wir den heiligen Antonius nicht nur als Fürsprecher anrufen, sondern auch als Vorbild sehen. Er lädt uns ein, selbst Suchende zu werden: nach dem Menschen, der Trost braucht; nach dem Nachbarn, der einsam ist; nach dem Kind, das Orientierung sucht; nach dem Glauben, der in unserem eigenen Herzen vielleicht schwächer geworden ist.
Wenn wir heute zum heiligen Antonius beten, dann vertrauen wir ihm alles an, was in unserem Leben verloren gegangen ist. Bitten wir ihn, dass er unsere Anliegen vor Gott trägt. Noch mehr aber bitten wir darum, dass Christus uns das Wichtigste schenkt: einen lebendigen Glauben, ein liebendes Herz und die Gewissheit, dass wir bei Gott niemals verloren sind.
Möge der heilige Antonius uns helfen, das Verlorene wiederzufinden – und vor allem den Weg zu Christus, der unser Leben erfüllt und uns die Hoffnung schenkt, die niemals verloren geht. Hl. Antonius bitte für uns!