HANAU / FRANKFURT / KASSEL

Sichere Streifen? ADAC prüft Fußgängerüberwege rund um Grundschulen - auch in Hanau

An 14 Prozent der untersuchten Zebrastreifen (hier in Hanau) war die Sicht durch parkende Autos derart eingeschränkt, dass ein herannahender Autofahrer ein Grundschulkind nicht mehr rechtzeitig hätte sehen können.
Fotos: ADAC Hessen-Thüringen


Montag, 10.08.2026

Zum Start ins neue Schuljahr sind wieder viele Schülerinnen und Schüler in Hessen unterwegs. Auf dem Weg zum Schulgebäude und zurück nach Hause müssen sie dabei regelmäßig volle Straßen überqueren.

Der ADAC Hessen-Thüringen hat daher in Frankfurt, Kassel und Hanau 146 Zebrastreifen im Umfeld von Grundschulen genauer überprüft. Die gute Nachricht: 68 Prozent der Querungsstellen sind gut und sicher angelegt. Besonders positiv sind Beleuchtung und Beschilderung hervorzuheben, hier wurden nur in wenigen Fällen Defizite festgestellt.

Sicherheit auf dem Schulweg


Grundschülerinnen und Grundschüler sind aufgrund ihrer Größe einer besonderen Gefahr im Straßenverkehr ausgesetzt, da sie hinter oder zwischen geparkten Autos schnell übersehen werden können. Umso wichtiger ist es, Schulwege besonders sicher zu gestalten.

Obwohl die Mehrheit der Zebrastreifen als gut bewertet wurde, gab es bei knapp einem Drittel (32 Prozent) der untersuchten Querungsstellen Mängel, die gerade im Umfeld von Grundschulen zu einer unterschätzten Gefahr werden können. Dabei wurden entweder die notwenigen Sichtbeziehungen zwischen Fußgängern und dem Kfz-Verkehr (sogenannte Haltesichtweiten) nicht eingehalten, die maximal empfohlenen Fahrbahnbreiten überschritten oder die Streifen waren auf der Fahrbahn nicht mehr erkennbar.

In Hanau fanden die Experten besonders viele Zebrastreifen mit einer Länge von über 8,50 Meter.

Fehlende Sichtbarkeit


An 14 Prozent der untersuchten Zebrastreifen war die Sicht durch parkende Autos derart eingeschränkt, dass ein herannahender Autofahrer ein Grundschulkind nicht mehr rechtzeitig hätte sehen können. Selbst eine Gefahrenbremsung könnte eine Kollision von Fahrzeug und Fußgänger in einer solchen Situation kaum mehr verhindern.

Am häufigsten war das Problem in Frankfurt festzustellen: Hier waren 19 Prozent der Zebrastreifen so zugeparkt, dass die Haltesichtweite nicht mehr gegeben war. ADAC Verkehrsexperte Lukas Berkel dazu: „Die Städte haben dringenden Nachholbedarf bei der Kontrolle von falsch geparkten Fahrzeugen sowie bei der korrekten Gestaltung der Querungsanlagen. Kleine Maßnahmen haben häufig eine große Wirkung: Dazu gehören neben Parkverboten auch Sperrflächen, Mittelinseln und verbreiterte Gehwege an der Querungsstelle. Um die Verkehrssicherheit zu verbessern, muss hier gehandelt werden.“

Viele Fahrbahnen zu breit


Ein weiterer, meist wenig beachteter Aspekt: 20 Prozent der Zebrastreifen führen über sehr breite Fahrbahnen ohne schützende Mittelinseln oder Aufstellflächen. Dadurch entstehen für die Grundschüler, aber auch geh- und sehbehinderte Menschen zu lange Querungswege. In Hanau fanden die Experten besonders viele Zebrastreifen mit einer Länge von über 8,50 Meter.

Barrierefreiheit ausbaufähig


Eine Bordsteinabsenkung für Gehbehinderte ist zwar die Regel, aber auch nicht selbstverständlich. Allein im Frankfurter Westend, ein Stadtviertel mit historisch geprägter Bausubstanz, fanden die Experten neun Zebrastreifen mit nicht abgesenkten Bordsteinen vor. Bei der Infrastruktur für Sehbehinderte sieht es deutlich schlechter aus: Tastbare Leitsysteme fanden die Experten nur an einem Viertel der Querungen.

Weitere Informationen zum ADAC Check gibt es unter: adac.de/hth-zebrastreifen(red)