GRÜNDAU

Schock für Beschäftigte: Lear will Produktion in Gründau schließen

Lear schließt Produktion in Gründau. (Archivfoto)
Foto: Reiner Kunze
von Redaktion Kinzig News


Dienstag, 11.08.2026

Beim Automobilzulieferer Lear in Gründau droht knapp 180 Beschäftigten der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Nach Angaben der IG Metall hat das Management angekündigt, Produktion und Logistik am Standort vollständig stillzulegen. Arbeit und Maschinen sollen in die Slowakei, nach Serbien und Tunesien verlagert werden.

Der Stellenabbau soll demnach schnellstmöglich beginnen und bis Mitte 2027 abgeschlossen sein. Gut 120 Arbeitsplätze im Engineering sollen in Gründau erhalten bleiben. Der Standort würde damit nicht vollständig aufgegeben, verlöre aber seine Produktion und Logistik.

Betriebsrat kündigt Widerstand gegen Lear-Pläne an

„Die Nachricht ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Markus Rotter. Bei der Übernahme durch Lear vor gut zwei Jahren sei der Belegschaft noch versprochen worden, dass alles beim Alten bleibe.

Zwar habe es schon länger Gerüchte über mögliche Verlagerungen gegeben. Der Standort sei nach Auffassung des Betriebsrats auf Konzernebene jedoch „systematisch schlechtgerechnet“ worden. Die nun angekündigten Pläne überträfen die schlimmsten Befürchtungen. Die Diskussionen während einer Mitarbeiterversammlung hätten gezeigt, dass die Beschäftigten die Abwicklung nicht kampflos hinnehmen wollten.

IG Metall kritisiert Vorgehen des Managements

Auch Matthias Ebenau, Geschäftsführer der IG Metall Hanau-Fulda, übt deutliche Kritik. Erst im vergangenen Jahr sei eine tarifliche Vereinbarung getroffen worden, mit der die Zukunft des Gründauer Werks gesichert und gestaltet werden sollte.

Die Beschäftigten hätten damals ihre Forderung nach einer unmittelbaren Bindung an die Branchentarifverträge zurückgestellt. Im Gegenzug wurden unter anderem betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2026 ausgeschlossen. Lear verpflichtete sich außerdem zu weiteren Verhandlungen über eine Annäherung an die Tarifverträge der hessischen Metall- und Elektroindustrie.

Viele Betroffene arbeiten seit Jahrzehnten in Gründau

Nach Darstellung Ebenaus drückt sich das Lear-Management seit Monaten um diese vertraglich vereinbarten Verhandlungen. „Unternehmerische Verantwortung ist hier offenbar ein Fremdwort“, erklärt der Gewerkschaftsvertreter.

Viele der möglicherweise betroffenen Beschäftigten arbeiteten seit Jahrzehnten am Standort und seien inzwischen zwischen 50 und 60 Jahre alt. Betriebsrat und IG Metall wollen nach Angaben Ebenaus nun versuchen, Lear von der Entscheidung abzubringen. Eine Stellungnahme des Unternehmens zu den Vorwürfen lag zunächst nicht vor.

Vom IGB-Stammsitz zum Lear-Standort

In Gründau werden Sitz-, Lenkrad- und Flächenheizungen sowie Sensoren und Elektronik für die Automobilindustrie entwickelt und bislang auch gefertigt. Der Standort war lange der Stammsitz des Familienunternehmens I.G. Bauerhin, kurz IGB. In Spitzenzeiten arbeiteten dort mehr als 700 Menschen.

Vor knapp drei Jahren übernahm die US-amerikanische Lear Corporation das Unternehmen. Der Standort in Gründau zählt derzeit nach Angaben der IG Metall noch gut 300 Beschäftigte. Nach der geplanten Stilllegung von Produktion und Logistik würden davon lediglich gut 120 Engineering-Stellen verbleiben.

Weitere Industriearbeitsplätze in der Region bedroht

Die Gewerkschaft sieht die Lear-Pläne als Teil eines zunehmenden Verlusts von Industriearbeitsplätzen in der Region. Erst im vergangenen Jahr wurde das Werk des Baumaschinenherstellers Putzmeister in unmittelbarer Nachbarschaft geschlossen.

Zudem laufen beim US-Medizintechnikhersteller Thermo Fisher im benachbarten Langenselbold Verhandlungen über einen größeren Stellenabbau. Mit der geplanten Schließung der Lear-Produktion könnten nun innerhalb kurzer Zeit weitere knapp 180 Industriearbeitsplätze im Main-Kinzig-Kreis wegfallen. (red)