MAIN-KINZIG-KREIS
Anhaltende Trockenheit bedroht Wasserversorgung: Wie dramatisch ist die Lage im MKK?
Symboldbild: Pixabay
Donnerstag, 13.08.2026
Die anhaltende Trockenheit, die hohen Temperaturen und die vielen Waldbrände stellen Wasserversorger derzeit vor zunehmende Herausforderungen ...
Während die verfügbaren Wasserressourcen grundsätzlich ausreichen, sorgen insbesondere kurzfristige und sehr hohe Verbrauchsspitzen für Belastungen in den Versorgungsnetzen. Pools, Gartenbewässerung und andere wasserintensive Nutzungen führen dazu, dass große Mengen Trinkwasser innerhalb kurzer Zeit entnommen werden. Gleichzeitig werden erhebliche Wassermengen für die Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden benötigt.
Welche Auswirkungen solche Belastungen auf die technischen Anlagen der Trinkwasserversorgung haben können und warum ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasser besonders in Hitzeperioden wichtig ist, erläutert Stefan Gerlach, Technische Führungskraft Wasser bei den Kreiswerken Main-Kinzig.
Trinkwasser entsteht nicht auf Knopfdruck
"Die anhaltend hohen Temperaturen und die Trockenheit der vergangenen Wochen führen vielerorts zu Diskussionen über Wasserverbrauch und Wasserversorgung. Dabei zeigt sich immer wieder, dass vielen Menschen nicht bewusst ist, wie aufwendig die sichere Versorgung mit Trinkwasser tatsächlich ist und welche Folgen ein übermäßiger Verbrauch haben kann", sagt Gerlach.
Trinkwasser entstehe nicht auf Knopfdruck: "Es wird aus Brunnen oder Quellen gewonnen, aufbereitet und über ein weit verzweigtes Leitungsnetz zu den Haushalten transportiert. Ein entscheidender Bestandteil dieser Infrastruktur sind die Hochbehälter. Sie dienen als Wasserspeicher und sorgen dafür, dass jederzeit ausreichend Druck und eine Reserve für Verbrauchsspitzen oder Notfälle vorhanden sind", erläutert der Experte.
An normalen Tagen könnten die Hochbehälter während der Nachtstunden wieder aufgefüllt werden. In Hitzeperioden steige der Wasserverbrauch jedoch erheblich an: "Neben dem täglichen Bedarf werden Pools gefüllt, Gärten beregnet und große Mengen Wasser für Freizeitaktivitäten genutzt. Gleichzeitig stehen den Wasserwerken nur begrenzte Förderkapazitäten zur Verfügung. Wird dauerhaft mehr Wasser verbraucht, als nachgeliefert werden kann, sinken die Wasserstände in den Hochbehältern. Brunnen, Hochbehälter und andere Anlagen wurden in Zeiten gebaut, wo es noch keine privaten Pools gab und andere klimatische Verhältnisse vorherrschten."
Welche Folgen ein leerer Hochbehälter haben kann
Was viele nicht wüssten: Ein leer gelaufener Trinkwasserbehälter bedeute weit mehr als nur einen niedrigen Wasserstand. Sinke der Behälterinhalt zu stark ab, könnten Druckschwankungen im Versorgungsnetz auftreten. In höher gelegenen Bereichen könne das Wasser dann nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr aus dem Hahn fließen. Auch Feuerlöschreserven könnten beeinträchtigt werden. Im schlimmsten Fall seien umfangreiche technische Maßnahmen erforderlich, um die Versorgung wieder zu stabilisieren.
"Besonders wichtig ist dabei zu verstehen, dass ein leer gelaufener Hochbehälter nicht einfach durch das Einschalten einer Pumpe wieder befüllt und unmittelbar in Betrieb genommen werden kann. Wird ein Trinkwasserbehälter vollständig entleert oder gelangen durch Druckverluste Luft und möglicherweise Verunreinigungen in das Leitungsnetz, greifen strenge hygienische Vorgaben zum Schutz der Bevölkerung", so Stefan Gerlach.
Ab wann der Gang unter die Dusche tabu ist
In einem solchen Fall müssten die betroffenen Netzabschnitte zunächst kontrolliert gespült werden. Gegebenenfalls seien zusätzlich Desinfektionsmaßnahmen erforderlich. Anschließend werden mikrobiologische Wasserproben entnommen, die in einem akkreditierten Labor untersucht werden müssten.
"Erst wenn zweifelsfrei feststeht, dass die Wasserqualität den gesetzlichen Anforderungen entspricht und keine gesundheitlichen Risiken bestehen, kann der betreffende Netzabschnitt wieder freigegeben werden. Dieser Prozess erfolgt oft abschnittsweise und kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Ein leer gelaufener Hochbehälter bedeutet daher nicht nur eine kurzfristige Einschränkung der Versorgung, sondern kann erhebliche technische, organisatorische und finanzielle Folgen nach sich ziehen. Anders ausgedrückt: Wenn ein Hochbehälter einmal leergelaufen ist, dann können die dort angehängten Ortschaften wochenlang nicht duschen, baden und bewässern."
Hoher Wasserbedarf trifft auf Waldbrandbekämpfung
Gerade
deshalb habe der Wasserverbrauch jedes Einzelnen eine größere Bedeutung,
als vielen bewusst sei. Während die einen duschen, baden, den Rasen
bewässern oder Pools befüllen, werden gleichzeitig große Wassermengen
für wichtige öffentliche Aufgaben benötigt. Dies zeige sich aktuell
besonders deutlich bei den Löscharbeiten im Zusammenhang mit den Wald-
und Vegetationsbränden im Bereich Rodenbach (KINZIG.NEWS berichtete).
"Die Feuerwehren benötigen dabei erhebliche Mengen Wasser, um Brände wirksam bekämpfen und eine weitere Ausbreitung verhindern zu können. Diese Wassermengen stammen letztlich aus demselben Versorgungssystem, das auch unsere Haushalte versorgt. Die Wasserversorgung ist zwar darauf ausgelegt, sowohl den täglichen Bedarf der Bevölkerung als auch außergewöhnliche Ereignisse wie Brände abzudecken. Wenn jedoch über einen längeren Zeitraum gleichzeitig sehr hohe private Verbräuche und ein erhöhter Bedarf für die Brandbekämpfung auftreten, stößt selbst eine leistungsfähige Infrastruktur an ihre Grenzen", sagt Gerlach.
Jeder bewusst vermiedene unnötige Wasserverbrauch helfe daher mit, die Versorgungssicherheit für alle Bürgerinnen und Bürger aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass ausreichende Reserven für die Feuerwehr, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und andere kritische Einrichtungen zur Verfügung stünden.
Versorgungssicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe
Trinkwasser
sei keine unerschöpfliche Ressource: "Solange aus dem Wasserhahn
jederzeit sauberes Wasser fließt, erscheint dies selbstverständlich.
Tatsächlich steckt dahinter jedoch eine hochkomplexe Infrastruktur, die
nur dann zuverlässig funktioniert, wenn Wasserversorger und Bevölkerung
gemeinsam Verantwortung übernehmen. Gerade in Zeiten anhaltender
Trockenheit und hoher Temperaturen ist ein bewusster und sparsamer
Umgang mit Wasser ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit
unserer Gemeinden."
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
Wasserversorger arbeiteten rund um die Uhr daran, eine sichere
Trinkwasserversorgung zu gewährleisten. Die Infrastruktur sei robust
ausgelegt, aber auch sie habe physikalische Grenzen. Deshalb seien
zeitweise Aufrufe zum sparsamen Umgang mit Wasser kein Selbstzweck,
sondern dienten dazu, die Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger
aufrechtzuerhalten. (red)