FREIGERICHT/ALZENAU
Windpark Sülzert ruft Gegenwind Freigericht auf den Plan - "erhebliche Zweifel"
Foto: Bürgerforum der LEA Hessen
Sonntag, 23.08.2026
Die Debatte um den geplanten Windpark im Sülzert bekommt neue Nahrung. Der Verein Gegenwind Freigericht reagiert auf Informationen, die Projektverantwortliche Ende Juli im Alzenauer Stadtrat vorgestellt haben, und äußert erhebliche Zweifel an Teilen der aktuellen Planung. Im Mittelpunkt stehen der geplante Netzanschluss, die veränderte Nabenhöhe der Windräder sowie die künftige Vermarktung des erzeugten Stroms.
Dabei handelt es sich ausdrücklich um die Bewertung des windkraftkritischen Vereins. Gegenwind stellt unter anderem infrage, ob der geplante Verzicht auf ein eigenes Umspannwerk technisch und wirtschaftlich dauerhaft tragfähig ist. Nach Darstellung des Vereins soll dadurch eine Investition von rund 6,5 Millionen Euro eingespart werden.
Gegenwind sieht offene Fragen beim Netzanschluss
Der Verein verweist auf eine mögliche Gesamtleistung des Windparks von bis zu rund 56 Megawatt bei maximal acht Anlagen. Nach seiner Einschätzung könnte eine Einspeisung dieser Größenordnung über das bestehende Mittelspannungsnetz problematisch werden. Als Gründe nennt Gegenwind unter anderem die thermische Belastbarkeit der Leitungen, mögliche Spannungsschwankungen und die bereits hohe Einspeisung aus Photovoltaikanlagen in der Region.
Aus Sicht des Vereins könnte deshalb langfristig ein direkter Anschluss an das 110-Kilovolt-Hochspannungsnetz notwendig werden. Andernfalls bestehe das Risiko, dass Windkraftanlagen bei hoher Stromproduktion zeitweise abgeregelt werden müssten. Ob diese Einschätzung von Netzbetreibern oder Projektentwicklern geteilt wird, geht aus der Stellungnahme nicht hervor.
Verein fordert mehr Informationen zur Netzsituation
Gegenwind kritisiert, dass diese Fragen nach eigener Wahrnehmung bislang zu wenig Raum in den öffentlichen Beratungen eingenommen hätten. Der Verein fordert deshalb eine nachvollziehbare Darstellung, wie der Windpark konkret an das Stromnetz angeschlossen werden soll und welche zusätzlichen Investitionen damit verbunden wären.
Zugleich stellt der Verein einen möglichen Zusammenhang mit dem geplanten Ausbau der Netzinfrastruktur in der Region her. Er fordert von der Stadt Alzenau und den Projektverantwortlichen, technische Voraussetzungen und mögliche zeitliche Abhängigkeiten offen darzulegen.
Geänderte Nabenhöhe sorgt für Kritik
Ein weiterer Punkt betrifft die geplante Höhe der Windenergieanlagen. Gegenwind verweist darauf, dass bei einer Präsentation im November 2025 in Freigericht eine Nabenhöhe von 199 Metern als mögliche Reaktion auf niedriger als erwartete Windgeschwindigkeiten genannt worden sei.
Bei der Stadtratssitzung in Alzenau am 30. Juli sei dagegen wieder eine Größenordnung von etwa 175 Metern genannt worden. Der Verein wertet diese Änderung als Hinweis auf offene Fragen bei der bisherigen Projektplanung und fordert eine Erklärung dafür, warum von dem zwischenzeitlich vorgestellten höheren Anlagenkonzept wieder Abstand genommen wurde.
Stromverkauf an Rechenzentrum als mögliches Modell
Auch bei der Vermarktung des erzeugten Stroms sieht Gegenwind Klärungsbedarf. Nach Darstellung des Vereins setzen die Projektentwickler inzwischen verstärkt auf sogenannte Power Purchase Agreements, kurz PPA. Dabei wird Strom über langfristige Verträge direkt an größere Abnehmer verkauft.
Als möglicher Abnehmer wird in der Stellungnahme ein künftiger Rechenzentrumsbetreiber in Alzenau genannt. Gegenwind bringt diesen Ansatz mit der Wirtschaftlichkeit des Windparks in Verbindung und sieht darin eine neue strategische Ausrichtung des Projekts.
Gegenwind verweist auf neu gegründete Gesellschaft
Besonders kritisch bewertet der Verein die Gründung der Viridium Infrastructure GmbH im Juni 2026. Nach Angaben von Gegenwind gehören Sebastian Herzog und Frank Heuser zu den Geschäftsführern des Unternehmens. Beide seien zugleich im Umfeld des Windparkprojekts Sülzert tätig.
Der Verein sieht darin mögliche wirtschaftliche Überschneidungen und fordert deshalb umfassende Transparenz. Er verlangt, dass nachvollziehbar offengelegt wird, welche Unternehmen bei Windpark, Stromvermarktung und einer möglichen Rechenzentrumsentwicklung welche Aufgaben übernehmen und welche wirtschaftlichen Beziehungen zwischen ihnen bestehen.
Verein verlangt Offenlegung möglicher Geschäftsbeziehungen
Gegenwind fordert insbesondere Transparenz über gesellschaftsrechtliche und geschäftliche Verbindungen zwischen den am Windpark beteiligten Unternehmen, den Geschäftsführern der neu gegründeten Gesellschaft und möglichen weiteren Projektpartnern.
Der Verein verbindet damit die Forderung, technische Annahmen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen und mögliche Geschäftsbeziehungen öffentlich nachvollziehbar zu machen. Eine Stellungnahme der Projektentwickler oder der Stadt Alzenau zu den Vorwürfen und Fragen des Vereins liegt in der vorliegenden Mitteilung nicht vor. (red)