SCHLÜCHTERN
Wasserstoff-Kraftwerk in Schlüchtern: 750 Millionen Euro Investition geplant
Grafik: Argaman Group
Mittwoch, 26.08.2026
In Schlüchtern steht ein Großprojekt in den Startlöchern: Im Gewerbegebiet „Auf dem Reitstück“ ist der Bau eines modernen Energiekraftwerks geplant. Mit einer Investitionssumme von rund 750 Millionen Euro soll die Anlage nicht nur ein geplantes Rechenzentrum in Birstein versorgen, sondern auch zur Stabilität des Stromnetzes beitragen. „Das ist eine große Chance für Schlüchtern“, ordnet Bürgermeister Matthias Möller das Vorhaben ein.
Das Projekt der Frankfurter Argaman Group setzt auf eine Leistung von bis zu 276 Megawatt. Technisch ist die Anlage so konzipiert, dass sie „H2-ready“ ist: Während anfangs noch Gas genutzt wird, soll der Betrieb perspektivisch komplett auf Wasserstoff umgestellt werden. „Ab Mitte der 2030er Jahre ist eine vollständige Umstellung auf CO2-neutralen Betrieb geplant“, erklärt Geschäftsführer Dr. David Roitman. Ausschlaggebend für die Standortwahl war die vorhandene Infrastruktur. „Schlüchtern ist der perfekte Standort, denn hier kreuzen sich zwei große Gasleitungen, die eine zuverlässige Gasversorgung garantieren“, so Roitman.
Günstige Fernwärme als Bonus für Bürger
Für die Stadtkasse von Schlüchtern könnte das Kraftwerk eine deutliche Entlastung bringen, da signifikante Gewerbesteuereinnahmen erwartet werden. Diese Mittel könnten unter anderem in neue Feuerwehrstandorte oder die Sanierung von Kitas fließen.
Ein weiterer Vorteil für die Bürger: Die bei der Stromerzeugung entstehende Abwärme könnte als Fernwärme für bis zu 10.000 Haushalte sowie öffentliche Einrichtungen wie das Freibad genutzt werden. „Hier kommt uns zugute, dass wir uns mit der Energie Bergwinkel GmbH in den Grundstrukturen bereits sehr professionell aufgestellt haben“, sagt Möller.
Transparenz und Bürgerbeteiligung im Fokus
Aktuell befindet sich das Projekt in der Prüfungsphase. Die städtischen Gremien befassen sich nun mit den Details, bevor eine finale Entscheidung fällt. Bürgermeister Möller betont dabei die Bedeutung von Transparenz: „Es ist uns wichtig, die Leute mitzunehmen und umfassend zu informieren. Wir nehmen dies sehr ernst.“ Offene Fragen zu Lärm-, Umwelt- und Naturschutz sollen in den kommenden Monaten geklärt werden. „Themen wie Emissions- und Lärm- sowie Umweltschutz genauso wie bau-, steuer- und naturschutzrechtliche Fragen werden offen diskutiert und sorgfältig geprüft. Alle Gutachten werden bis zur finalen Kaufentscheidung der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt, voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres“, versichert der Rathauschef.
Läuft alles nach Plan, könnten die Bauarbeiten Anfang 2028 beginnen. Angesichts des steigenden Energiebedarfs durch moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz sieht die Stadtverwaltung in dem Kraftwerk einen wichtigen Schritt für die wirtschaftliche und ökologische Zukunft der Region. Möller abschließend: „Das Energiekraftwerk bringt enorme Vorteile für alle Stadtteile sowie alle Bürgerinnen und Bürger.“
Beeindruckende Ausmaße und grüne Technik
Das Kraftwerk ist kein kleines Bauvorhaben: Mit einer Länge von 160 Metern und einer Breite von 90 Metern wird die Anlage eine markante Erscheinung. Die Gebäude selbst werden 20 Meter hoch, während die Schornsteine eine Höhe von bis zu 60 Metern erreichen. Technisch ist das Projekt voll auf Zukunft getrimmt: Mit einer Nennleistung von bis zu 276 Megawatt ist es so konzipiert, dass es vollständig auf grünen Wasserstoff umgestellt werden kann – und damit komplett klimaneutral arbeitet. Die geplante Nutzungsdauer liegt bei etwa 30 Jahren.
Stadt setzt auf Transparenz: Termine für den Bürgerdialog
Bevor die Gremien eine finale Entscheidung treffen, ist der Stadt die Meinung der Einwohner wichtig. „Die Kommunikation mit den Schlüchternerinnen und Schlüchternern ist enorm wichtig. Wir wollen von Beginn an alle mitnehmen und fachlich korrekt informieren, sodass sich jeder eine Meinung bilden kann“, verspricht Bürgermeister Möller.
Dafür sind bereits konkrete Termine angesetzt:
- Informationsveranstaltungen im Café Fabrice: Am Dienstag, 8. September, und Mittwoch, 9. September, jeweils um 19:30 Uhr. Achtung: Da die Plätze begrenzt sind, ist eine Anmeldung per Mail an buergermeister@schluechtern.de zwingend erforderlich.
- Aktionstag „Frag doch mal die Stadt“: Am Sonntag, 27. September, können Bürger zwischen 11 und 16 Uhr ihre Fragen direkt an die Verantwortlichen richten.