MARBURG
Wie es mit dem Biontech-Werk in Marburg weitergeht
Foto: Biontech
Samstag, 29.08.2026
Für das von einer Schließung bedrohte Biontech-Werk in Marburg soll es bis Ende September Klarheit geben. Das Mainzer Pharmaunternehmen hat erstmals einen konkreten Zeitplan für die Prüfung möglicher Käufer genannt. Untersucht werden sowohl Teilverkäufe als auch ein vollständiger Verkauf des Standorts.
Betroffen sind neben Marburg auch die Biontech-Standorte in Idar-Oberstein und Singapur. Konkrete Interessenten nannte das Unternehmen bislang nicht. Für die Beschäftigten in Marburg könnte ein Verkauf allerdings die Chance bieten, einen größeren Teil der Arbeitsplätze zu erhalten.
Rund 540 Arbeitsplätze in Hessen betroffen
Biontech hatte bereits im Mai angekündigt, mehrere Produktionsstandorte zu schließen und weltweit bis zu 1860 Stellen abzubauen. In Hessen betrifft der geplante Stellenabbau rund 540 Arbeitsplätze.
Seitdem ist offen, wie es mit dem Werk in Marburg weitergeht. Die nun angekündigte Prüfung möglicher Verkäufe eröffnet zumindest die Möglichkeit, den Standort unter einem neuen Eigentümer weiterzuführen.
Gewerkschaft fordert Weiterbetrieb statt Schließung
Genau darauf drängen Betriebsrat und Gewerkschaft. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hatte Biontech zuletzt mangelnde Transparenz vorgeworfen und mehr Informationen über mögliche Verkaufsgespräche verlangt.
Aus Sicht der IG BCE muss zunächst geprüft werden, ob der Standort weiterbetrieben werden kann, bevor Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Gewerkschaft fordert deshalb, sämtliche Möglichkeiten für eine Fortführung auszuschöpfen.
Moderna soll Interesse an Biontech-Werken haben
Hoffnung macht dabei ein möglicher Interessent aus den USA. Bereits im Juni war bekannt geworden, dass der Pharmakonzern Moderna Interesse an Biontech-Standorten haben soll und Investitionen in Europa plant.
Ob sich dieses Interesse konkret auf das Marburger Werk bezieht und ob tatsächlich Gespräche über einen Kauf geführt werden, ist bislang nicht bestätigt. Biontech selbst nennt derzeit keine Namen potenzieller Käufer.
Marburger Werk zählt zu größten mRNA-Standorten Europas
Das Werk in Marburg gehört zu den größten Produktionsstätten für mRNA in Europa. Biontech hatte den Standort 2020 während der Corona-Pandemie vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen und anschließend umfassend modernisiert.
Während der Pandemie spielte das Werk eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Corona-Impfstoffen. Inzwischen ist die Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen allerdings deutlich zurückgegangen.
mRNA-Technologie bleibt für Pharmaindustrie wichtig
Die dort vorhandene Technologie könnte dennoch für andere Unternehmen interessant bleiben. Biontech selbst forscht seit Jahren an mRNA-basierten Krebstherapien. Auch andere Pharmakonzerne investieren weiterhin in diesen Bereich.
Zuletzt hatten die US-Unternehmen Moderna und Merck & Co einen weiteren Fortschritt bei einem mRNA-basierten Impfstoff zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs gemeldet. Das unterstreicht die weiterhin hohe Bedeutung der Technologie für die Pharmaindustrie.
Pharmastandort Marburg insgesamt unter Druck
Die Unsicherheit bei Biontech trifft eine Region, in der die Pharmabranche ohnehin unter erheblichem Druck steht. Mehrere Unternehmen haben zuletzt Stellenabbau oder Standortveränderungen angekündigt.
Nach Schätzungen der IG BCE könnten am Pharmastandort Marburg insgesamt bis zu 1.500 Arbeitsplätze verloren gehen. Zuletzt hatte auch der Standortbetreiber Innexis angekündigt, bis Ende 2028 rund 110 Stellen abzubauen.
Ende September soll mehr Klarheit herrschen
Für die Beschäftigten von Biontech bleibt damit zunächst eine mehrwöchige Phase der Unsicherheit. Bis Ende September will der Konzern die möglichen Verkaufsoptionen geprüft haben.
Ob das Werk anschließend tatsächlich verkauft wird, wer als Käufer infrage kommt und wie viele der derzeit bedrohten Arbeitsplätze erhalten bleiben könnten, ist noch offen. (red)