GIEßEN
Lkw-Fahrer fährt 6500 Kilometer – und gönnt sich kaum eine Pause!
Symbolbild: pixabay
Freitag, 28.08.2026
Eigentlich wollten die Beamten nur einen gefährlichen Abstandsverstoß kontrollieren. Doch was sie anschließend auf der A5 bei Grünberg entdeckten, hatte es in sich.
Ein polnischer Sattelzug war einer Zivilstreife aufgefallen. Bei rund 80 km/h fuhr der Lkw-Fahrer gerade einmal zehn Meter hinter einem vorausfahrenden Gespann. Bei der Kontrolle gab sich der Mann zunächst erstaunlich kooperativ. Ein Bußgeld? Offenbar wollte er es möglichst schnell bezahlen. Doch dann nahmen die Polizisten den digitalen Tachographen unter die Lupe.
Zwei Fahrerkarten im Wechsel
Die Beamten machten eine brisante Entdeckung: Im Tachographen steckten abwechselnd die Fahrerkarte des ukrainischen Fahrers und die Karte einer Frau. Die Frau war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr da. Nach Angaben des Fahrers soll sie den Sattelzug zuvor verlassen haben und mit einem anderen Lkw Richtung Italien weitergefahren sein. Ihre Fahrerkarte fanden die Beamten allerdings nicht.
Damit stand ein schwerwiegender Verdacht im Raum: Wurde mit der zweiten Fahrerkarte möglicherweise versucht, die tatsächlichen Lenkzeiten zu verschleiern?
91 Stunden am Steuer!
Die Auswertung der Tachographendaten ließ die Alarmglocken schrillen. Innerhalb von nur zehn Tagen soll der Fahrer 91 Stunden am Steuer gesessen haben. Dabei legte er mehr als 6500 Kilometer zurück. Und die Pausen? Die waren offenbar äußerst knapp bemessen.
Nach den ausgewerteten Daten hatte der Mann in zehn Tagen lediglich ein einziges Mal neun Stunden tägliche Ruhezeit eingelegt. Auch die vorgeschriebene wöchentliche Ruhezeit soll er nicht eingehalten haben.
Zum Vergleich: Ein einzelner Fahrer darf grundsätzlich höchstens 56 Stunden pro Woche lenken. Über zwei aufeinanderfolgende Wochen sind maximal 90 Stunden erlaubt.
Mit zweiter Karte zum Dauerfahrer?
Besonders brisant: Die beiden Fahrerkarten sollen nicht im vorgeschriebenen Zweifahrerbetrieb eingesetzt worden sein. Der Verdacht liegt deshalb nahe, dass der Sattelzug möglicherweise deutlich länger unterwegs war, als es die gesetzlichen Vorschriften erlauben.
Ob der Fahrer die zweite Karte tatsächlich missbräuchlich eingesetzt hat, müssen nun die Ermittlungen klären.
Polizei zieht die Notbremse
Für den Fahrer war die Tour zunächst vorbei. Er musste die fehlenden Ruhezeiten noch vor Ort nachholen, bevor er seine Fahrt fortsetzen durfte. Glücklicherweise kam es nach bisherigen Erkenntnissen zu keinem Unfall. Auch eine konkrete Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer wurde bislang nicht bekannt. Die Kontrolle könnte damit möglicherweise Schlimmeres verhindert haben.
Jetzt könnte es richtig teuer werden
Für den Fahrer und den Unternehmer ist die Sache damit noch lange nicht erledigt. Die Polizei leitete wegen des Verdachts der Fälschung beweiserheblicher Daten ein Strafverfahren ein.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnten wegen der festgestellten Verstöße erhebliche finanzielle Konsequenzen drohen. Die Polizei spricht von möglichen Folgen im unteren fünfstelligen Eurobereich.
Was als Kontrolle wegen eines viel zu geringen Abstands begann, könnte für den Lkw-Fahrer damit zum richtig teuren Zwischenstopp werden