GELNHAUSEN

TV Gelnhausen verpasst Sieg gegen Saarlouis in letzter Sekunde

Am dritten Spieltag der 3. Handball-Liga Süd-West hat der TV Gelnhausen dem amtierenden Staffelmeister und Aufstiegsfavoriten HG Saarlouis einen großen Kampf geliefert.
Foto: Roland Adrian


Montag, 14.09.2026

Was für ein Handballabend in der Hölle Süd!

Am dritten Spieltag der 3. Handball-Liga Süd-West hat der TV Gelnhausen dem amtierenden Staffelmeister und Aufstiegsfavoriten HG Saarlouis einen großen Kampf geliefert und sich nach 60 hochintensiven Minuten 28:28 (13:11) getrennt.

Den Sieg vor Augen gehabt


Vor 850 Zuschauern lagen die Barbarossastädter über weite Strecken in Führung und hatten den Sieg bis zur letzten Sekunde vor Augen. Erst mit der Schlusssirene gelang den Gästen der Ausgleich. So bitter der Zeitpunkt war, überwog beim TVG anschließend dennoch der Stolz auf eine herausragende Mannschaftsleistung.

Dass die Saarländer ihren Punktgewinn nach dem Schlusspfiff ausgelassen feierten, sprach ebenfalls für die Leistung des TVG. „Es war ein Spiel auf ganz hohem Drittliganiveau. Vielleicht sogar mit einem verdienten Unentschieden, auch wenn es natürlich ein bisschen wehtut, den Ausgleich in der letzten Sekunde zu bekommen“, sagte Trainer Patrick Beer, der den fehlenden Tim Beckmann vertrat und seinen Einstand auf der TVG-Bank gab. 

Personell musste der TVG erneut einige Ausfälle kompensieren


Alexander Bechert (Knieprobleme), Jonas Dambach (Fußprobleme), Henrik Müller und Max Bechert (Mittelhandbruch) standen weiterhin nicht zur Verfügung. Dafür kehrte Silas Altwein nach seinem Nasenbeinbruch etwas überraschend zurück und stand direkt in der Startformation. Kurzzeitig musste der TVG allerdings noch einmal die Luft anhalten, als Altwein einen Schlag auf die Nase bekam und mit Nasenbluten das Feld verlassen musste. Wenig später konnte er jedoch weiterspielen.

Von Beginn an entwickelte sich die erwartet intensive Partie. Beide Mannschaften standen kompakt in der Abwehr, auch TVG-Schlussmann Jan-Steffen „Bruno“ Minerva und Michel Fiedler im Saarlouiser Tor waren sofort im Spiel. Nach sieben Minuten stand es 2:2. Anschließend setzte sich der TVG erstmals ab. Mit drei Toren in Folge von TVG-Kapitän Jonathan Malolepszy, einer weiterhin starken Gelnhäuser Defensive und starken Paraden von Minerva stand es nach elf Minuten 6:2 für den TVG. Daraufhin reagierte Saarlouis mit der ersten Auszeit der Partie.

TVG bleibt zunächst tonangebend


Die Gäste fanden danach besser ins Spiel und verkürzten bis zur 16. Minute auf 6:7. Es entwickelte sich nun das erwartete enge Spitzenspiel. Gelnhausen behauptete jedoch knapp die Führung und setzte sich durch Fynn Hilb in der 26. Minute noch einmal auf 11:8 ab. Saarlouis kam erneut heran, doch Jannik Geisler sorgte kurz vor der Pause für den 13:11-Halbzeitstand.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb der TVG zunächst tonangebend und Gelnhausen zog bis zur 36. Minute auf 18:14 davon. Saarlouis ließ sich jedoch erneut nicht abschütteln und verkürzte nach einer weiteren Auszeit auf 17:19.

Empfindlicher Rückschlag in der 43. Minute


Einen empfindlichen Rückschlag musste der TVG in der 43. Minute hinnehmen. Torben Fehl sah beim Stand von 20:17 nach einem Gesichtstreffer die Rote Karte. Damit verloren die Barbarossastädter ihren etatmäßigen Kreisläufer und Abwehrchef. Bereits zuvor hatten unter anderem Finn Trinczek, Yannick Mocken und Benjamin Wörner auf der ungewohnten Position ausgeholfen, nun musste der TVG bis zum Ende vollständig improvisieren. Für den erst vor einer Woche kurzfristig von der Junioren-Akademie des TV Großwallstadt verpflichteten und mit einem Doppelspielrecht ausgestatteten A-Jugendlichen Emilian Graßmann kam ein Einsatz in dieser Phase des Topspiels noch zu früh.

„Ich muss der Mannschaft ein riesiges Kompliment machen dafür, wie sie heute gekämpft und geackert hat und sie dann auch noch den Ausfall von Torben Fehl verkraftet hat“, lobte Beer. „Davor kann man wirklich nur den Hut ziehen.“

Saarlouis nutzte die folgende Überzahl und kam wieder auf einen Treffer heran. Wenig später sah auf der Gegenseite auch Joshua Reitz die Rote Karte. Die Partie blieb nun vollkommen offen. In der 50. Minute parierte HGS-Schlussmann Fiedler einen Siebenmeter von Malolepszy. Im Gegenzug gelang den Gästen zehn Minuten vor Schluss durch Pierre Halimi der 22:22-Ausgleich.

Die Hölle Süd war spätestens jetzt voll da


Die Zuschauer erhoben sich von ihren Plätzen und trieben den TVG in einer hochspannenden Schlussphase nach vorne. Gelnhausen legte immer wieder vor, Saarlouis antwortete. Fünf Minuten vor Schluss führte der TVG mit 25:24, doch Malolepszy warf einen Siebenmeter an den Pfosten und vergab die Chance auf eine Zwei-Tore-Führung.

Saarlouis glich anschließend zum 25:25 aus, doch Fynn Hilb antwortete sofort. Auch in den letzten Minuten blieb es ein Spiel auf Messers Schneide. Zwei Minuten vor dem Ende ging der TVG durch Ákos Csaba mit 28:27 in Führung. Saarlouis ließ im Gegenzug seine Chance liegen und Gelnhausen hatte die Möglichkeit, auf zwei Tore davonzuziehen.

Der TVG konnte den Angriff jedoch nicht erfolgreich abschließen. 27 Sekunden vor Schluss nahm Saarlouis noch einmal eine Auszeit und ging anschließend im Sieben-gegen-sechs in den letzten Angriff. Die Gelnhäuser Abwehr verteidigte zunächst stark und zwang die Gäste vier Sekunden vor Schluss zu einem Freiwurf. Doch mit der allerletzten Aktion traf Mittelmann Marko Jelicic für Saarlouis per Schlagwurf zum 28:28.

"Es ist ein Punkt, der uns wirklich stolz macht"


„Im ersten Moment geht man vom Feld und denkt: Mist, das hätten zwei Punkte sein können“, sagte Beer. „Aber das haben wir in der Kabine ganz schnell wieder abgeschüttelt. Es ist ein Punkt, der uns wirklich stolz macht, weil wir sehr gut gespielt haben und ans Maximum gegangen sind.“

Bester Gelnhäuser Torschütze war Rechtsaußen Csaba mit sieben Treffern, Malolepszy erzielte sechs Tore. Für Saarlouis waren Laurin Karrenbauer, Elyas Noh und Janus Kubera mit jeweils fünf Treffern am erfolgreichsten.

Auch Gäste-Trainer Jörg Lützelberger zollte dem TVG nach der Partie großen Respekt. Seine Mannschaft habe „von Anfang an die Qualität von Gelnhausen in allen Phasen gespürt“. Besonders deutlich wurde sein Lob mit Blick auf die Gelnhäuser Offensive: „Ich glaube nicht, dass es viele Teams geben wird, die den TVG unter 30 Toren halten und schon gar nicht hier in dieser Halle.“

Nach drei Spieltagen stehen beide Mannschaften bei 5:1 Punkten. Der TVG liegt auf Tabellenplatz drei, Saarlouis auf Rang vier. Für die Barbarossastädter folgen nun zwei extrem schwere Auswärtsspiele bei der Mannschaft der Stunde interaktiv.Handball Düsseldorf-Ratingen und beim wiedererstarkten ehemaligen Bundesligisten Saase3 Leutershausen. Das nächste Heimspiel steigt am 3. Oktober gegen den TSV Bayer Dormagen II. Tickets sind bereits über die Homepage des TV Gelnhausen erhältlich. (red)