BAD ORB

Sie sind und bleiben ein Phänomen: So hat Bad Orb die Kastelruther Spatzen gefeiert

Wenn es einen Preis gäbe, der „Aktivste Fangemeinde der Volksmusik“ heißen würde – die Fans der Kastelruther Spatzen hätten gute Chancen, prämiert zu werden.
Fotos: privat


Mittwoch, 23.09.2026

Wenn es einen Preis gäbe, der „Aktivste Fangemeinde der Volksmusik“ heißen würde – die Fans der Kastelruther Spatzen hätten gute Chancen, prämiert zu werden ...

In der Bad Orber Konzerthalle waren die Stühle im Theatersaal nummeriert, die Sitzplätze somit schon vorab bekannt. Kein Grund also, früh vor Ort zu sein. Und dennoch: Ab 16.30 Uhr fingen am zurückliegenden Freitagabend die ersten Fans an, sich vor den (geschlossenen) Türen zu sammeln.

"Bad Orb im Spessart grüßt die Kastelruther Spatzen"


Unbeständiges Wetter hin oder her. Andere waren schon im Vorfeld aktiv: Ein Bad Orber Fanclub brachte Tage zuvor ein Schild zur Halle: „Bad Orb im Spessart grüßt die Kastelruther Spatzen“ prangte deshalb wunschgemäß am Auftrittsabend im Fenster gleich neben dem Eingang.

Die Kastelruther Spatzen wissen, wo Bad Orb liegt, sie waren nicht das erste Mal dort. Und sie wurden auch nicht das erste Mal von der WunderBAR Eventgastronomie verwöhnt, während die Gäste dem Auftritt ihrer Idole entgegenfieberten. „Danke für Speiß und Trank“, entsandten die sieben Musiker einen lieben Gruß mit allen Unterschriften in die Küche, nachdem sie Salate, Kartoffel-Steckrübeneintopf, Orber Esterházy (also ein traditionelles heimisches Schmorgericht) und Schokoladenmousse verzehrt hatten. Und auf der Speisenkarte den Wunsch von Danyel Monego zur Kenntnis nahmen, sie mögen beim nächsten Besuch doch bitte den „Kastelruther Spatzenkäse“ mitbringen. „Hat uns neugierig gemacht.“

Ein nächster Besuch?


Für die Gäste in der ausverkauften Halle eine wunderbare Vorstellung. Von knapp über 20 bis weit über 90 Jahre waren sie, zumeist textsicher, gelegentlich in Dirndl und Krachlederne gekleidet, fast immer so begeisterte Fans, dass sie die Namen der Musiker und deren Lebensgeschichten hätten erzählen können. Eine Besucherin aus dem Hanauer Raum berichtete nach dem zweieinhalbstündigen Konzert, sie fahre zu jedem Konzert der „Spatzen“, wie die Fans ihre Idole abkürzend nur nennen. Zu jedem! Da sei ein Besuch „vor der Haustür“ eine sehr schöne Angelegenheit.

Für andere war der Weg nach Bad Orb weiter: Aus dem Raum Aschaffenburg, Frankfurt, Fulda, Gießen kamen sie geströmt, um von den in ihrer typischen, markanten Südtiroler Tracht auftretenden Volksmusikern volkstümlichen Schlager zu hören.

"Immer wieder Spatzenfieber ..."


Lieder, die in der Szene offenkundig den Stempel „Für die Ewigkeit gemacht“ tragen: Sei es das zu Beginn gespielte „Immer wieder Spatzenfieber“, „Die Sonne scheint für alle“ oder „Jeder Tag ist eine Rose“, es wurde geschunkelt, geklatscht und mitgesungen. Sänger und Frontmann Norbert Rier konnte sich lange Moderationen sparen, die Lieder voller Themen wie Dankbarkeit, Liebe, Hoffnung und Beständigkeit sind dem Publikum vertraut.

Die heile Welt der Volksmusik lieferte wenigstens für diese Abendstunden die Illusion einer heilen Welt. Nach der Pause allerdings war eine Moderation wirklich wichtig: Es gab herzliche Glückwünsche der Band an all die, die ihre Geburtstage und Hochzeitstage am Veranstaltungsabend mit dem Besuch des Konzerts feierten. Dazu strahlte das Licht ins Publikum und in die Gesichter der ebenso strahlenden Gäste. Für alle Jubilare gab es „Tränen passen nicht zu Dir“ - wie die Fans wissen, haben „ihre Spatzen“ damit 1990 den Grand Prix der Volksmusik für Deutschland gewonnen.

Tanzende Fans in der Bad Orber Konzerthalle


Vor einer thematisch passenden Licht- und Bildshow, die den alpinen Charakter einiger Lieder noch verstärkte, ging es danach weiter mit Songs die Heimatliebe zu Tirol, das emotionale „Herzschlag zu Herzschlag“ durfte nicht fehlen und wurde vielstimmig mitgesungen, und ein Raunen ging durch den Saal, als „Ich schwör“ angekündigt wurde.

Vorbei mit dem Sitzen war es endgültig, als die „Weiße Rose“ gespielt wurde: Da hielt es auch Gäste aus den hinteren Sitzreihen nicht mehr auf den Plätzen. Vor der Bühne wurde getanzt, Sträuße mit weißen Rosen zu den Musikern gereicht, funkelnde Handytaschenlampen geschwungen. (red)