GRÜNDAU

Gründau: So kämpfen die Lear-Beschäftigten um ihre Zukunft

Nach der angekündigten Werksschließung bei der Lear Corporation in Gründau kämpfen die Beschäftigten nun um ihre Zukunft.
Fotos: IG Metall


Mittwoch, 23.09.2026

Nach der angekündigten Werksschließung bei der Lear Corporation in Gründau kämpfen die Beschäftigten nun um ihre Zukunft.

Ungewöhnliche Unterstützung erhielten sie dabei am Mittwoch durch den Betriebsrat und aktive Gewerkschafter von den Pfalz Flugzeugwerken (PFW) in Speyer. Gemeinsam führten sie vor dem Werksgelände im Ortsteil Rothenbergen eine Mahnwache durch, eine von mehreren Protestkundgebungen seit Bekanntgabe der Schließungsabsicht.

Produktion und Logistik sollen vollständig stillgelegt werden


Im Rahmen der Maßnahme sollen Produktion und Logistik vollständig stillgelegt werden, bis zu 180 Arbeitsplätze würden dadurch wegfallen. Die IG Metall hat zwischenzeitlich Forderungen für einen Sozialtarifvertrag übergeben; die Verhandlungen dazu laufen bereits.

Dazu Markus Rummel, Betriebsrat und Vorsitzender der gewerkschaftlichen Vertrauensleute bei PFW: „Was das Lear-Management plant, ist durch und durch unsozial. Wir wollen den Beschäftigten in Gründau mit unserem Besuch Mut machen, sich nicht kampflos zu ergeben, sondern sich für ihre Zukunft einzusetzen. Auch in Speyer haben wir über die Jahre immer wieder Abwehrkämpfe rund um den Standort und die Arbeitsplätze führen müssen. Dabei kann man immer nur teilweise erfolgreich sein. Aber der Einsatz lohnt sich, das hat unsere Firmengeschichte gezeigt.“

Ungewöhnliche Unterstützung erhielten sie dabei am Mittwoch durch den Betriebsrat und aktive Gewerkschafter von den Pfalz Flugzeugwerken (PFW) in Speyer.

Unterstützung kommt aus der Politik


Schon am vergangenen Montag, dem Tag des bundesweiten Automobil-Aktionstages der IG Metall, hatten mit Markus Kern (Bürgermeister der Gemeinde Gründau), Thorsten Stolz (Landrat des Main-Kinzig-Kreises) und Dr. Johannes Loheide (Staatssekretär im Hessischen Wirtschaftsministerium) mehrere Politiker dem Betriebsrat und der Belegschaft im Rahmen einer Versammlung ihre Solidarität und Unterstützung ausgesprochen.

Abon Vartanian vom Gründauer Lear-Betriebsrat kommentiert: „Nach der Schließungsankündigung mussten wir anfänglich erst einmal den Schock verdauen. Aber inzwischen haben wir den Kampf aufgenommen. Natürlich versuchen wir, so viele Arbeitsplätze wie möglich in Gründau zu erhalten. Leider ist Lear ein auf absolute Profitmaximierung ausgelegtes Unternehmen und die Entscheidungen werden sehr weit weg, in den USA getroffen. Das macht es uns schwer. Gerade deshalb freuen wir uns über die Unterstützung aus anderen Betrieben und aus der Politik.“

Zum Hintergrund: In Gründau werden Sitz-, Lenkrad- und Flächenheizungen sowie Sensoren und Elektroniken für die Automobilindustrie entwickelt und derzeit noch gefertigt. Der Standort war lange Zeit der Stammsitz des Familienunternehmens I.G. Bauerhin (IGB). Über 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren hier in Spitzenzeiten beschäftigt. Die IGB wurde vor knapp drei Jahren durch die Lear Corporation aus den USA übernommen. Der Standort kommt derzeit noch auf insgesamt gut 300 Beschäftigte. (red)