FULDA / MKK

Impuls von Stefan Buß: Erntedank steht vor der Tür

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda.
Foto: Hendrik Urbin/KN
von STEFAN BUß


Mittwoch, 30.09.2026

Am kommenden Sonntag feiern wir wieder Erntedank. Vor unseren Augen sehen wir die Früchte der Erde: Brot, Kartoffeln, Äpfel, Trauben, Gemüse, Blumen. Ein reich gedeckter Erntealtar erinnert uns daran: Unser Leben lebt davon, dass uns etwas geschenkt wird.

Wir sind es gewohnt, dass alles verfügbar ist. Das ganze Jahr über können wir fast jedes Lebensmittel kaufen. Wir öffnen den Wasserhahn, drehen die Heizung auf, drücken einen Schalter – und alles funktioniert. Dabei vergessen wir leicht, dass hinter all dem Menschen stehen, Arbeit, Natur und vor allem: Gottes Schöpfung.

Erntedank hält dagegen. Es ist ein Fest gegen die Selbstverständlichkeit.

„Ich habe es geschafft!“ – so denken wir manchmal. Erntedank sagt: Du hast vieles nicht selbst gemacht. Du hast empfangen. Dein Leben ist ein Geschenk.

Foto: privat

Das gilt nicht nur für die Ernte auf den Feldern. Auch in unserem persönlichen Leben gibt es vieles, wofür wir dankbar sein dürfen: Menschen, die uns begleiten. Eine Familie, Freunde, Nachbarn. Gesundheit und Kraft. Einen Menschen, der uns zuhört. Einen Ort, an dem wir zuhause sind. Einen neuen Anfang, wenn etwas Schweres hinter uns liegt.

Doch Erntedank bedeutet auch, ehrlich hinzuschauen. Die Erde schenkt uns viel – aber sie ist nicht unerschöpflich. Trockenheit, Wassermangel, Starkregen und veränderte Erntebedingungen zeigen uns, wie verletzlich die Schöpfung ist. Dankbarkeit darf deshalb nicht beim „Danke“ stehen bleiben. Wer dankbar empfängt, übernimmt auch Verantwortung.

Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses Festes: Wir sind nicht Herren der Schöpfung, sondern Teil von ihr. Was uns anvertraut ist, sollen wir bewahren und weitergeben. In der katholischen Eucharistie werden Brot und Wein, Gaben der Schöpfung zum Altar gebracht. Aus den Gaben der Erde und der menschlichen Arbeit werden Zeichen der Gegenwart Christi. Eucharistie heißt Danksagung.

Wir danken Gott am kommenden Sonntag wieder für die Ernte, für das tägliche Brot und für alles, was unser Leben trägt. Vielleicht wird auch wieder deutlich: Nichts ist selbstverständlich. Vieles ist Geschenk. Wer das wieder lernt, wird dankbarer leben – achtsamer mit der Schöpfung umgehen und großzügiger mit anderen Menschen teilen.

Darum sei es am Erntedankfest wieder ausgedrückt: Danke, Gott, für deine gute Schöpfung. Danke für die Früchte der Erde. Danke für die Menschen, die unser Leben reich machen. Und schenke uns offene Augen, damit wir erkennen, was uns anvertraut ist – und offene Hände, damit auch andere von deinem Reichtum leben können.