FULDA / MKK

Impuls von Stefan Buß: "Wir haben nicht danach geschaut, was wir nicht haben, sondern danach, was wir haben"

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda.
Foto: Hendrik Urbin/KN
von STEFAN BUß


Mittwoch, 07.10.2026

„Wir haben nicht danach geschaut, was wir nicht haben, sondern danach, was wir haben.“ Diesen Satz hat Jürgen Klopp, der neue Fußballbundestrainer am 17. September bei der Vorstellung seines neuen Kaders geprägt.

Er klingt zunächst nach Fußball. Aber eigentlich steckt darin eine Haltung fürs Leben.

Wie schnell schauen wir auf das, was fehlt: auf das, was nicht mehr funktioniert, was früher besser war, was andere haben und wir nicht. Auch in unserer Gesellschaft und in der Kirche kann der Blick leicht von den Defiziten bestimmt werden: weniger Menschen, weniger Priester, weniger Ressourcen, weniger Selbstverständlichkeit.

Klopp setzt einen anderen Akzent: Nicht zuerst fragen: Was fehlt uns? Sondern: Was ist uns geschenkt? Was haben wir? Was können wir daraus machen?

Das ist kein Schönreden der Wirklichkeit. Es ist ein Perspektivwechsel. Denn wer nur auf das Fehlende schaut, verliert leicht den Mut. Wer auf das Vorhandene schaut, entdeckt Möglichkeiten.

Vielleicht ist das auch eine geistliche Haltung: Gott fragt nicht zuerst nach dem, was uns fehlt. Er schaut auf das, was er in uns hineingelegt hat – auf unsere Begabungen, unsere Erfahrungen, unsere Hoffnung, unsere Gemeinschaft.

Nicht: Wir haben zu wenig. Sondern: Was können wir mit dem, was wir haben, heute bewegen?

Vielleicht beginnt Veränderung genau dort: Wenn wir aufhören, dem Fehlenden nachzutrauern – und anfangen, mit dem Vorhandenen Zukunft zu gestalten.