BAD ORB

"Ich will die magischen Momente": So hat sich Semino Rossi durch Bad Orb gelacht, getanzt und gesungen


Fotos: privat


Montag, 12.10.2026

„Wir haben Gymnastik gemacht. Die nächsten drei Wochen brauchen wir nichts mehr zu machen.“ Semino Rossi strahlt ins Publikum, kichert. Fast 700 Gäste lachen mit, sind betört von dem 64jährigen Charmeur, der die Herzen der anwesenden Frauen im Theatersaal der Bad Orber Konzerthalle zum Schmelzen und (nicht nur) die Männer zum Tanzen bringt.

Für zweieinhalb Stunden war unlängst die Welt eine heile und die Atmosphäre eine euphorische ...

Nähe zum Publikum ist legendär


Was zu einem großen Teil an der unverwechselbaren Stimme und der herzlichen Ausstrahlung des gebürtigen Argentiniers liegt, der dieses Jahr knapp 20 Konzerte auf seiner großen Tournee durch Deutschland gibt. Die Nähe zum Publikum ist bei dem beliebten Schlagerstar regelrecht legendär, und dass sie ihn gut kennen, wird auch in Bad Orb deutlich: Mehrmals wird Schokolade auf die Bühne gereicht, tafel- aber auch tütenweise. Sehr zur Freude des Künstlers, dessen süße Leidenschaft sich herumgesprochen hat und der dazu kommentiert: „Ein Mann ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne“.

Wobei er da schon kokettiert, denn in seinem schwarzen Anzug mit der Krawatte und dem weißen Hemd ist er für viele ein richtiger Hingucker und erhascht insbesondere die Blicke der weiblichen Gäste, die der Männer sind dagegen doch das ein oder andere Mal auf die beiden Backgroundsängerinnen Nadine Schreier und Isa Kurz gerichtet, die in knappen, schwarzen Kleidern neben Rossi singen und tanzen.

"Ich will die magischen Momente"


Letzteres tun auch die Gäste ab Minute Eins des Auftritts von Rossi: Sie sind schon bei „Ich will die magischen Momente“ auf den Beinen, dürfen sich dann aber wieder setzen, denn bei „Bella romantica“ fordert Rossi sie auf, „sich einzuhaken und zu schunkeln“. Was begeistert mitgemacht wird – Geselligkeit ist Trumpf an diesem Nachmittag. Doch die Pause währt nicht lange: Zu „Muy bien“ mit der prägnanten Strophe: „Du hast dich heute wieder schön gemacht“ müssen erneut alle auf die Beine, und um den passenden Hüftschwung samt zum „Ole“ empor geworfener Hand geht es bei „Ole Senorita“.

Dass Semino Rossi nicht nur singen, sondern in seinem liebenswert gebrochenen Deutsch auch entzückende Anekdoten erzählen kann, wird unter anderem deutlich bei „Was, bitte was hab ich falsch gemacht“. „Warum lachen Sie?“, fragt er ins Publikum, nachdem er ausführlich von der Bereitschaft der Männer zum Tellerwaschen, Staubsaugen und Bügeln berichtet hat. Und dem Kontakt mit seinen drei (lebhaften) Enkelkindern verdankt er die Einsicht: „Das Leben passiert jetzt und in diesem Augenblick, hier“, womit er elegant zum Titelsong seines aktuellen Erfolgsalbums „Heute hab´ ich Zeit für dich“ überleitet, das Nähe, Wertschätzung und wahre Gefühle in den Fokus stellt.

"Zeit schenken ist ein Zeichen von Liebe"


Oder wie Rossi es ausdrückt: „Zeit schenken ist ein Zeichen von Liebe.“ Diesem Thema bleibt er treu bei Liedern wie „Hola, Hola – Hast Du heute Abend Zeit für mich“, „Ja – ich würd' es immer wieder tun“ und „Te quiero heisst ich liebe Dich“. Dass „Bamboleo“ nicht fehlen darf – aus nahezu 700 Kehlen inbrünstig mitgesungen: Ehrensache. Und dass Rossi zur Ankündigung des Titels „Rot sind die Rosen“ das kollektive, laute Aufseufzen der weiblichen Gäste einfordert: Ebenso.

„Es war ein wunderschöner Nachmittag für mich“, verabschiedet sich Rossi nach eineinhalb Stunden und drei Zugaben von der Bühne. Auf ihn wartet noch eine sechseinhalbstündige Autofahrt, weshalb er Autogramme auf dem Merchandise-Stand zurück lässt. Das allerdings hindert echte Fans nicht daran, ihn auf dem Weg zum Auto nochmal anzusprechen, das er vermutlich im Kurpark unentdeckt glaubte. Doch ein österreichisches Kennzeichen – das ist für die Fans Hinweis genug, zu wissen, wo sie noch einmal kurz das Gespräch mit dem Star suchen können.

Nadin Meypo und Kevin Pabst ergänzen das Programm trefflich


Am Erfolg des späten Nachmittags ist nicht Rossi allein beteiligt: Vor ihm steht steht Nadin Meypo auf der Bühne, die charmant und in einen weißen, bodenlangen Hosenanzug gehüllt für die richtige Stimmung sorgt. Was in diesem Fall bedeutet: Die Künstlerin schafft es mit ihrer lebhaften Ausstrahlung und der von ihr verbreiteten positiven Energie von der ersten Minute an, Stimmung in den Saal zu zaubern. Mehrere Medleys, die Klassiker des deutschen Schlagers wie „Bella Bella Marie“ und „Wenn bei Capri“ verbinden, reißen die Gäste aus ihren Sitzen ebenso wie „He’s Got the Whole World in His Hands“ und der Kehrreim „Glory, Glory, Hallelujah“. Es wird geswingt, getanzt, gefeiert.

Bei „Donna Blue“ gibt es Begeisterungsstürme, bei „Im Lichtermeer“ werden die Handylichter eingeschaltet, und zur deutschen Version von „My way“ erschallen Bravo-Rufe. „Ihr seid ein absolutes Traumpublikum“ lässt Meypo die Gäste wissen, was Kevin Pabst nur bestätigen kann, der mit seiner Trompete zu „Ich komm zurück nach Amarillo“ auf die Bühne kommt. Zusammen bewegen sie auch den letzten Gast zum Mitsingen mitsingen.

Kevin Pabst sorgt schon vorab vor Jubel mit seinen Interpretationen von Louis Armstrong- und Tom Jones-Liedern auf der Trompete. Besondere Begeisterung jedoch ruft seine Version von „What a wonderful world“ hervor, die er auf einem Flügelhorn vorträgt. „Dieses Instrument zu spielen macht mir besondere Freude“, erläutert der Musiker, dass schon sein Urgroßvater es gespielt habe. Der Applaus der Gäste ist ihm dafür sicher. Die Begeisterung erreicht ihren Höhepunkt bei dem abschließenden mitreißenden, klassischen Gospel- und Spiritual-Medley, zu dem unter anderem „When the saints“, „Glory glory halleluja“ und „He´s got the whole world in his hand“ gehören. (red)